Eine Uhr vor dem Konrad-Adenauer-Haus, der Bundeszentrale der CDU, steht auf fünf vor zwölf (Archivbild April 2021). | dpa

Favoriten für CDU-Vorsitz Treffen, reden, Bündnisse schmieden

Stand: 01.11.2021 09:13 Uhr

Fünf Männer haben Ambitionen auf den CDU-Vorsitz. Jetzt beginnen sie untereinander auszuloten, wer von ihnen die besten Chancen hat - und wer kooperieren könnte. Den Anfang machen offenbar Merz, Spahn und Linnemann.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen geht nach eigenen Worten davon aus, dass die potenziellen Anwärter auf den Parteivorsitz in wechselnden Runden die Chancen einer einvernehmlichen Lösung ausloten werden. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung werden Friedrich Merz, Gesundheitsminister Jens Spahn und der Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann beispielsweise heute zusammenkommen.

Röttgen sagte im Deutschlandfunk, er wolle dies nicht kommentieren. Grundsätzlich gelte aber: "Die Drei werden sich treffen, es werden sich aber noch viel mehr treffen." Am Nachmittag kämen die nordrhein-westfälischen CDU-Abgeordneten, zu denen die drei Genannten ebenso wie Röttgen gehören, zu einer zweitägigen Klausurtagung zusammen. "Dass miteinander gesprochen wird, ist klar", sagte Röttgen, der selbst auch als Anwärter auf den Vorsitz gilt. "Bild" schrieb weiter, Merz wolle Spahn in sein Team holen. Eine Bestätigung gibt es nicht.

Entscheidung über Prozedere wohl am Dienstag

Am Samstag hatten die CDU-Kreisvorsitzenden mit überwältigender Mehrheit für eine Mitgliederbefragung ausgesprochen. Es wäre die erste in der Geschichte der Partei. Gehandelt als Nachfolger von Armin Laschet wird neben Merz, Röttgen, Spahn und Linnemann auch Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus.

Die Entscheidung über den Weg zur Vorsitzendenkür dürfte in den Sitzungen der Parteigremien an diesem Dienstag fallen. Allerdings ist im Parteistatut festgelegt, dass der Vorsitzende von einem Parteitag gewählt wird - daher bräuchte ein Mitgliedervotum noch die Zustimmung eines Parteitags. Vermutet wird, dass Merz an der Parteibasis den größten Rückhalt haben könnte.

Im jüngstem ARD-DeutschlandTrend sprach sich zumindest mit 36 Prozent eine relative Mehrheit der CDU-Anhängerinnen und -Anhänger für ihn aus. Röttgen favorisierten 25 Prozent, Spahn kam auf 14 Prozent, Linnemann auf neun Prozent und Brinkhaus auf sechs Prozent.

"Ordnung in den Laden bringen"

Röttgen hatte gestern im Bericht aus Berlin betont, die CDU müsse sich nach Wahlniederlage und Personalquerelen neu erfinden: "Es ist wichtig, dass wir wieder Ordnung in den Laden bringen." Auf die Frage, ob er als Parteivorsitzender kandidiert, wollte er nicht direkt antworten. Man habe sich auf ein Verfahren geeinigt, das man zunächst geordnet durchführen müsse. Dabei sei es jetzt wichtig, "dass man auf die Basis hört". Erst wenn alle Festlegungen getroffen seien, solle es um Personalien gehen.

Indirekt empfahl sich Röttgen dann aber doch als Parteivorsitzender: Denn dieser sei das Zentrum der Partei - "und das Zentrum kann nur die Mitte sein", so der Außenpolitiker, der anders als sein Konkurrent Merz als expliziter Vertreter der Mitte gilt. Diese Mitte allerdings müsse moderner sein und an die Entwicklungen in der Gesellschaft anschließen: "Wir müssen uns als Volkspartei neu verankern", schloss Röttgen.

Röttgen räumte aber ein, dass die CDU nicht unendlich Zeit für die Entscheidung über den Vorsitz habe - auch weil sie ja nun künftig Oppositionsarbeit machen müsse. "Bis Ende des Jahres sollten wir die Entscheidung getroffen haben."

Über dieses Thema berichtete der "Bericht aus Berlin" am 31. Oktober 2021 um 18:05 Uhr.