CDU-Parteizentrale in Berlin | AFP
Analyse

CDU nach Wahlniederlage Alles anders

Stand: 11.10.2021 18:43 Uhr

Die CDU zieht Konsequenzen aus dem Wahldebakel. Der Bundesvorstand soll neu gewählt werden. Doch viel wichtiger ist: Wie geht es weiter, wenn die Partei in der Opposition ist?

Eine Analyse von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU verordnet sich Verschwiegenheit. An diesem Tag dringt nichts nach außen - Handyverbot im Adenauer-Haus. Und es funktioniert offenbar. Erst kurz vor der Pressekonferenz wird klar: Alles soll anders werden. Anders als im Januar, als die Basis klar für Friedrich Merz war, aber das Stimmungsbild wenig Einfluss auf das Ergebnis hatte.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Der Parteivorsitzende hieß Armin Laschet, auch weil der eine gute Rede gehalten hatte und weil er die Mehrheit der Delegierten auf seiner Seite wusste. Und doch hatten viele Mitglieder in den Kreisverbänden das Gefühl, dass an ihnen vorbei entschieden wurde. Auch als sich im April an der Basis ein deutliches Stimmungsbild für Markus Söder als Kanzlerkandidat abzeichnete und am Ende der Bundesvorstand knapp Laschet nominierte.

Nicht nur die Wähler fremdelten

Spätestens da war klar: Zwei Teile des Körpers waren sich fremd geworden - Kopf und Bauch. Der Meister der Gremien gewann diese Entscheidung für sich. Laschets wohl größtes Talent, sich Mehrheiten zu organisieren, verhalf ihm schließlich ins Parteiamt und zur Spitzenkandidatur der Union. Der Kopf hatte sich durchgesetzt, der Bauch blieb an der einen oder anderen Stelle mit Schmerzen zurück. Auch der Wähler fremdelte wohl am Ende mit dem Kandidaten.

Das Ergebnis ist bekannt. Viele an der Basis machen seit Tagen nicht nur Laschet für das Wahldebakel verantwortlich, sondern auch seine Unterstützer im Präsidium und im Bundesvorstand der Partei.

Die Reaktion verkündete heute Generalsekretär Paul Ziemiak: Der Bundesvorstand stellt sich zur Neuwahl. Das kommt einem vorzeitigen Rücktritt gleich. Auf einem Parteitag Ende Dezember soll der neue Bundesvorstand gewählt werden. Einige Gesichter werden dann verschwinden, andere sich der Wiederwahl stellen. Die Frauen dürften dabei die besten Chancen haben. Denn viele Frauen an erster Stelle gibt es nicht in der CDU.

Der moderierte Prozess

Doch viel wichtiger ist die Frage, wie es in der Opposition weitergeht, wenn die Ampel tatsächlich zustande kommt. Wer soll und kann die CDU in die Zukunft führen? Wer kandidieren will, lässt sich an geschickten Hinweisen in Zeitungsinterviews zumindest erahnen. Ganz offen hat es wohl noch niemand gesagt. Auf dem Tableau stehen fünf Männer aus Nordrhein-Westfalen: Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Jens Spahn, Carsten Linnemann und Ralph Brinkhaus. Dass diese fünf sich untereinander verständigen, ist wohl unwahrscheinlich. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es zu einem offenen Machtkampf käme, wenn man sie aufeinander losließe.

Also soll der ganze Prozess moderiert werden. Laschet will das nach wie vor tun. Ob es ihm gelingen wird, bleibt offen. Zumindest haben sich die Parteigremien auf einen Zeitplan verständigt. Ende Oktober sollen die Kreisvorsitzenden entscheiden, ob es eine Mitgliederbefragung geben soll oder nicht. Wenn ja, dann wird im November die Basis befragt.

Ein Fünkchen Hoffnung

Gibt es ein Ergebnis, muss der Bundesvorstand alles weitere festlegen und dann könnte Anfang Dezember auf einem Parteitag tatsächlich ein neuer CDU-Chef gewählt werden - nicht direkt von den Mitgliedern, aber doch irgendwie mit ihrem Segen. Dann wäre Laschets Zeit als Parteivorsitzender vorbei. Die Hoffnung aufs Kanzleramt scheint der scheidende CDU-Vorsitzende aber noch nicht gänzlich aufgegeben zu haben. Ein Fünkchen Hoffnung schwirrt immer noch im Adenauer-Haus herum. An der Basis macht sich derweilen die Hoffnung breit, auch wenn man nicht regiert, doch ein entscheidendes Wörtchen beim künftigen Parteichef mitzureden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2021 um 16:00 Uhr.