Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan nach der Rückkehr in Wunstorf. | EPA

Afghanistan-Einsatz Ehrung für eine schwierige Mission

Stand: 13.10.2021 08:40 Uhr

Es geht um die Ehrung der Toten - und um Dank an Soldatinnen und Soldaten. In Berlin wird heute der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gewürdigt. Doch die Aufarbeitung geht weiter.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

An einem Mittwoch im August, heute vor sieben Wochen, tritt Angela Merkel ans Rednerpult im Bundestag. Es läuft die Sondersitzung in der Sommerpause, es geht um Afghanistan. Die Bundeswehr ist eigentlich längst abgezogen, aber uneigentlich muss ein Team zurück nach Kabul, um Menschen aus dem Land zu holen. Die Kanzlerin bezeichnet es als "bitter", jetzt um ein Mandat für diese gefährliche Evakuierungsmission zu bitten. Aber sie tue es im Bewusstsein, dass "vieles in der Geschichte einen sehr langen Atem braucht".

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Zu dem Zeitpunkt haben die Taliban das Land wieder übernommen, sehr viel schneller als es - zumindest öffentlich - als Szenario diskutiert worden war. Das löst Fragen aus. Nicht nur, ob Warnungen nicht ernst genommen wurden. Sondern auch: Haben die westlichen Bündnisstaaten ihre Ziele zu hoch gesteckt, beziehungsweise haben sie zu wenig für die Umsetzung getan?

Inhaltliche Aufarbeitung

Merkel stellt diese Fragen, ebenso Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Politikerin hat vor einer Woche mit einer Konferenz eine inhaltliche Aufarbeitung des Einsatzes angestoßen. Auch weil es darum geht, was Politik und Bundeswehr bei anderen Missionen, etwa in Mali, anders und besser machen könnten. Kramp-Karrenbauer hatte zuletzt aber auch stets betont, dass sich die Bundeswehr im Kampf bewährt habe.

Die Botschaft: Der militärische Teil des sogenannten vernetzten Ansatzes mit Diplomatie und Entwicklungshilfe habe in Afghanistan funktioniert. Der Verteidigungsministerin zufolge hat die Bundeswehr ihr Aufträge erfüllt, sie habe einer ganzen Generation Lebensumstände ermöglicht, die es früher in dem Land nicht gab. Und: "Über 20 Jahre war Afghanistan kein sicherer Ort für Terroristen."

Das sieht auch die Bundeskanzlerin als konkreten Beitrag zur Sicherheit Deutschlands an, dafür gebührt laut Merkel der Bundeswehr Dank und Anerkennung. Die Feierlichkeiten im Verteidigungsministerium, im und vor dem Reichstagsgebäude sind dafür der Rahmen. Eigentlich hätten sie schon Ende August stattfinden sollen. Doch als ein Bundeswehr-Team aufbrach, um eine Luftbrücke zwischen Kabul und Taschkent aufzubauen, hieß es im Verteidigungsministerium: Wir müssen uns jetzt darauf "mit voller Kraft konzentrieren". Der feierliche Abschluss der rund 20 Jahre dauernden Mission in Afghanistan werde verschoben.

Kranzniederlegung am Ehrenmal

Gegen 13 Uhr geht es heute los, mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums: Gedenken an die Toten. Es schließt sich ein Appell auf dem Paradeplatz des Ministeriums an, mit Reden unter anderem des Bundespräsidenten. Später gibt es einen Empfang im Bundestag und am Abend, bei Musik und im Fackelschein, einen Großen Zapfenstreich vor dem Reichstagsgebäude.

Mit dabei sind ausgewählte Soldatinnen und Soldaten aller Kontingente, stellvertretend für die rund 160.000 Männer und Frauen, die in den rund 20 Jahren in Afghanistan Dienst getan haben. Sieben Stunden wird das Programm insgesamt dauern, die Gestaltung spiegelt dabei wider, dass es sowohl um eine militärische als auch um eine politische Würdigung geht. Dass der Bundestag als Ort eine zentrale Rolle spielt, ergibt sich daraus, dass die Bundeswehr eine sogenannte Parlamentsarmee ist. Jeder Einsatz muss von den Abgeordneten mit einem Mandat versehen werden, die Politiker tragen also letztlich die Verantwortung dafür.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 13. Oktober 2021 um 08:11 Uhr.