Astronaut Alexander Gerst | dpa
Hintergrund

Bundesversammlung Wenn Promis wählen

Stand: 12.02.2022 19:49 Uhr

Treffen sich eine feministische Autorin, eine Ordensschwester und ein Astronaut in Berlin - dann ist Bundespräsidentenwahl. Wer ist heute noch dabei?

Von Martin Polansky, ARD-Hauptstadtstudio

Wilsberg, Lady Bitch Ray und eine Ordensschwester - drei von 1472 Mitgliedern der Bundesversammlung. So unterschiedlich die drei sind: Vor kurzem bekamen sie einen Anruf - mit der Frage, ob sie am Sonntag den neuen Bundespräsidenten wählen wollen. "Zunächst habe ich gesagt: Um Gottes Willen. Also, ich habe auch gelacht. Aber ich habe nicht lange gebraucht, um freudig zuzustimmen, weil es ja auch eine große Ehre ist", sagt Schwester Maria Hanna Löhlein.

Martin Polansky ARD-Hauptstadtstudio

Sie ist die Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute. Der Fraktionschef der CDU in Baden-Württemberg hatte sie angefragt. Die Ordensfrau sagte zu, weil sie den bisherigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gut findet: "Er ist ein Mensch, der vermitteln kann. Der es schafft, unterschiedliche Gruppen zueinander zu bringen. Der sich auch traut, in schwierige Felder zu gehen."

 Sängerin, Feministin und Buchautorin

Lady Bitch Ray wird auch bei der Bundesversammlung sein. Die Sängerin, Feministin und Buchautorin heißt mit bürgerlichem Namen Reyhan Sahin. Sie bekam einen Anruf von der Linkspartei in Bremen: "Dann habe ich zugesagt, weil ich mich mit linkspolitischen Themen identifizieren kann, wie soziale Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung, Anti-Rassismus, Gleichberechtigung der Geschlechter." 

Eigentlich will die 41-Jährige perspektivisch die "alten weißen Männer" vom Thron stoßen, wie sie sagt. Und sie nimmt Steinmeier immer noch übel, dass er unter Kanzler Gerhard Schröder an der Agenda 2010 beteiligt war. In der Bundesversammlung wird Sahin jetzt wohl den 65-jährigen Gerhard Trabert wählen - den Präsidentschaftskandidaten, den die Linke aufgestellt hat: "Weil er ein Arzt ist, der halb ehrenamtlich, halb aus gutem Willen losgeht und obdachlose Menschen behandelt. Das finde ich cool und es ist auf jeden Fall ein gutes Symbol."

"Wilsberg" wählt wohl Steinmeier

Der Schauspieler Leonard Lansink ist den meisten bekannt als Privatdetektiv Wilsberg in der gleichnamigen ZDF-Serie. Lansink wurde von der SPD in Nordrhein-Westfalen angefragt. Und er hat gleich zugesagt. Zum einen ist der Schauspieler selbst in der SPD, zum anderen hatte er schon mit Steinmeier zu tun, der mit ruhendem Parteibuch von Hause aus Sozialdemokrat ist: "Er ist Westfale, er ist unaufgeregt. Das freut mich. Und ich weiß: Er mag Kultur und Kunst sehr."

In der riesigen Bundesversammlung wird Lansink am Sonntag vielleicht auch auf andere Prominente treffen, die abstimmen dürfen - etwa Schauspielkollegin Sibel Kekilli, Bundestrainer Hansi Flick oder Astronaut Alexander Gerst.

Eins hat Lansink alias Wilsberg den meisten Promis voraus. Er war 2009 schon mal Mitglied der Bundesversammlung - und weiß daher, was auf ihn zukommt:"Man geht da hin, freut sich seines Lebens, nimmt am Tag vorher an der Fraktionssitzung teil, und dann geht man wählen. Man geht in seine Kabine, macht ein Kreuz, da wo man will. Das ist ja unabhängig von dem, was andere Leute bestimmen. Und dann ist es schon vorbei."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Februar 2022 um 08:06 Uhr.