Kurt Biedenkopf | dpa

Trauer um CDU-Politiker Kurt Biedenkopf ist tot

Stand: 13.08.2021 13:26 Uhr

Gut elf Jahre lang war Kurt Biedenkopf Ministerpräsident - eine Zeit, die Sachsen stark geprägt hat. Nun ist der CDU-Politiker im Alter von 91 Jahren gestorben. Kanzlerin Merkel würdigte ihn als "herausragenden politischen Kopf".

Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf ist tot. Biedenkopf stand mehr als elf Jahre lang an der Spitze des Freistaates Sachsen - der Höhepunkt seiner Karriere, die in den 1970er-Jahren begann.

Biedenkopf kam am 28. Januar 1930 in Ludwigshafen zur Welt. Mit 37 Jahren wurde der Jurist und Ökonom an der Ruhr-Universität Bochum Deutschlands damals jüngster Universitätsrektor. 1973 wurde der Rechtsprofessor auf Vorschlag des damaligen Parteichefs Helmut Kohl Generalsekretär der CDU, galt lange als Hoffnungsträger der Partei. Später avancierte er zum Rivalen Kohls, es kam zum Bruch zwischen beiden.

Chance auf Comeback durch die Wende

In den 1980er-Jahren machte Biedenkopf nur noch bei der CDU Nordrhein-Westfalen von sich reden, am Ende des Jahrzehnts war seine politische Laufbahn im Grunde zu Ende.

Doch die Wende in der DDR eröffnete ihm die Chance für ein Comeback. Der CDU-Politiker Lothar Späth überredete ihn, in den Osten zu gehen und sich in Sachsen um das Amt des Ministerpräsidenten zu bewerben. Biedenkopf gab als Grund später an, er habe gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingrid dem Land dienen wollen.

"König Kurt"

Sachsen erlebte unter seiner Führung in den 1990er-Jahren eine Art "Gründerzeit" - sowohl mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung als auch auf die politische Stellung seiner Partei im Land. Drei Mal beschaffte er der CDU im Freistaat bei Landtagswahlen eine absolute Mehrheit.

Viele Sachsen nannten ihn "König Kurt" - durchaus auch eine Kritik an seinem oft als selbstherrlich empfundenen Regierungsstil und dem manchmal wenig taktvollen Umgang mit Parteifreunden. Er genoss aber bis zu seinem Tod hohe Popularität in Sachsen - auch deshalb, weil er sich trotz seiner Westherkunft als einer der energischsten Verfechter der Interessen Ostdeutschlands profilierte.

Das Ende von Biedenkopfs Amtszeit war allerdings weniger rühmlich. Affären wie die um Rabattkäufe beim Möbelhaus Ikea beschleunigten seinen Fall. Schon zuvor war der Konflikt um seine Nachfolge offen ausgebrochen.

Auch nach seiner politischen Karriere präsent

Letztlich unterlag Biedenkopf in einem parteiinternen Machtkampf seinem früheren Finanzminister Georg Milbradt. Im April 2002 schied Biedenkopf im Alter von 72 Jahren aus dem Amt. Dennoch blieb er in der Sachsen-CDU präsent - vor allem, wenn es mal nicht so lief in der Partei. Er arbeitete später wieder als Rechtsanwalt und publizierte. Auch der Politik blieb er verbunden, etwa als Ombudsrat für Hartz-IV-Beschwerden.

Kurt Biedenkopf mit seiner Frau Ingrid bei seinem letzten größeren öffentlichen Auftritt im April 2021. | dpa

Kurt Biedenkopf - hier mit seiner Frau Ingrid - bei seinem letzten größeren öffentlichen Auftritt im April 2021. Bild: dpa

"Ein Intellektueller und ein politischer Macher"

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Aufbauleistung Biedenkopfs in seinem Bundesland. "Kurt Biedenkopf war ein herausragender politischer Kopf, ein Intellektueller und ein politischer Macher - und so ist es ein Glück, dass er sich 1990 für den Freistaat Sachsen in die Verantwortung nehmen ließ", erklärte Merkel über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Biedenkopf habe als Ministerpräsident in herausfordernden Zeiten Sachsen geprägt. "Viele Impulse für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Sachsens, für den Aufbau einer leistungsfähigen Verwaltung, eines hervorragenden Bildungssystems sind ihm zu verdanken", sagte Seibert. Merkel bleibe ihm dankbar für einen immer anregenden Austausch und für guten, vertrauensvollen Rat.

Schäuble würdigt einen der "klügsten politischen Köpfe"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erklärte, mit Biedenkopf verliere "unser Land einen seiner klügsten politischen Köpfe, einen weitsichtigen Gestalter und charismatischen Christdemokraten". Er sei ein "Solitär" in der deutschen Politik gewesen, in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gleichermaßen zu Hause.

Schäuble verwies dabei darauf, dass Biedenkopf bereits in den 70er-Jahren eine Reform des Rentensystems angemahnt habe und in den 80er-Jahren für die ökologische Erneuerung der Marktwirtschaft eingetreten sei. "In Erinnerung bleiben vor allem seine Verdienste um die Deutsche Einheit", erklärte Schäuble weiter.

"Ein Staatsmann und ein Landesvater im besten Sinne"

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet würdigte Biedenkopf als "Ausnahmepolitiker". Er sei auch "ein Staatsmann und ein Landesvater im besten Sinne" gewesen.

Sachsens derzeitiger Ministerpräsident Michael Kretschmer, sagte, Biedenkopf sei eine große deutsche Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts gewesen - und ein kluger Visionär für den Freistaat Sachsen. "Ein großer Sachse ist von uns gegangen. Als Ministerpräsident hat er von 1990 bis 2002 das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung unserer Heimat gelegt - stark in Deutschland, geachtet in der Welt, bereit für die Zukunft", so der CDU-Politiker.

Noch im April Ehrendoktorwürde verliehen

Seinen letzten größeren öffentlichen Auftritt hatte Biedenkopf im April, die Universität Leipzig verlieh dem als Professor und Förderer der Wissenschaft hoch anerkannten früheren Politiker die Ehrendoktorwürde. Schon damals sah Biedenkopf allerdings geschwächt aus, im Juli kam er ins Krankenhaus.

Nach Angaben der Staatskanzlei Dresden im Auftrag der Familie starb Biedenkopf gestern Abend im Alter von 91 Jahren. Er sei im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2021 um 09:00 Uhr.