NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder | dpa
Analyse

Söders und Laschets Corona-Politik Auf einem Kurs?

Stand: 02.03.2021 08:46 Uhr

Der eine galt einst als Lockerungsmeister, der andere als Hardliner. Doch inzwischen unterscheidet sich der Corona-Kurs der Länderchefs Söder und Laschet kaum mehr. Oder ist es der Kurs Richtung Kanzleramt?

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet vermag zu überraschen. So auch vor einigen Tagen, als er verkündete: "Ich habe heute Morgen mit Smudo telefoniert." In der Pandemie sind gute Ideen gefragt, und da kann man auch mal den Rapper Smudo anrufen und nicht nur wie wohl üblich Markus Söder.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Smudo hat eine App zur Kontaktnachverfolgung vorgestellt. Sie könnte auf dem Weg raus aus dem Lockdown helfen. Auf diesem Weg sind Laschet und Söder wichtige Taktgeber, nicht nur als Ministerpräsidenten der größten Bundesländer, sondern auch als potenzielle Kanzlerkandidaten der Union. Das Impfen spielt dabei die entscheidende Rolle. Allerdings verläuft der Impfprozess aus unterschiedlichen Gründen schleppend.

AstraZenecas Imageproblem

Noch dazu hat der Impfstoff AstraZenca ein Imageproblem und bleibt mancherorts liegen. Söder will AstraZeneca daher freigeben. "Es kann nicht sein, dass einerseits zu wenig Impfstoff vorhanden ist, aber andererseits Astrazeneca in hohen Zahlen nicht verimpft wird. Bevor er liegen bleibt, impfen, wer will."

Söder will also die Priorisierung aufheben, Laschet sieht das anders. "Die Priorisierungsreihenfolge aufgeben, wäre der falsche Weg." Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass die beiden unterschiedlicher Meinung sind.

Nicht immer ein gutes Miteinander

Beeinflusst diese Konkurrenzsituation ihr Handeln? Söder sagt, dass er mit Laschet ein enges und gutes Miteinander habe. Aber die da, die im Mittelpunkt der Krisenbewältigung stehen, hatten nicht immer ein gutes Miteinander. Laschet galt in der Frühphase der Pandemie als Lockerungsmeister, Söder als konsequenter Hardliner.

Laschet öffnete im April 2020 sehr früh die Möbelhäuser und ernannte Nordrhein-Westfalen zum Land der Küchenbauer. Söder mahnte zur Strenge - sein Kurs kam an.

Der Mann aus Bayern war zudem in dieser ersten Phase der Pandemie Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz und saß qua Amt in den Pressekonferenzen immer an der Seite der Kanzlerin. Daraus konnte er politisch Profit schlagen - bis heute.

Seine Umfragewerte: blendend - ganz im Gegensatz zu denen von Laschet. Deutlich mehr Menschen trauen Söder das Kanzleramt zu, er gilt als souverän, eloquent und konsequent. Laschet hingegen verhaspelte sich ein ums andere Mal, strahlt weniger Autorität aus.

Verliert Söder die Nerven?

Jetzt im März 2021 vermag allerdings auch Söder zu überraschen. In Bayern öffnet er nicht nur Friseure und Nagelstudios, sondern auch Baumärkte, und der eine und die andere fragen sich: Was ist mit dem los? Verliert ausgerechnet Söder jetzt die Nerven? Zumal Söders Kurs auch in Bayern nicht mehr ganz unumstritten ist - parteiintern gab es zuletzt zunehmend Kritik.

Der CSU-Chef selbst wiederholt immer wieder, dass die Politik Ruhe bewahren muss. Bloß nicht nervös werden, weil sich die Pandemie hinzieht, die Infektionszahlen nicht sinken und die Menschen unruhig werden. "Wir dürfen nicht die dritte Welle riskieren", sagt Söder, "wir dürfen nicht in einer Art Öffnungsrausch in die dritte Welle mit einer Art Blindflug hineinkommen."

Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte die Kanzlerin vor "Öffnungsdiskussionsorgien" gewarnt, jetzt ist es Söder, der einen "Öffnungsrausch" verhindern will. Bloß nicht die Nerven verlieren.

Angst um die Existenz

Wer Kanzler werden will, sollte schon gar nicht die Nerven verlieren. Laschet will, und Söder kokettiert zumindest damit. Die Menschen, ob nervös oder nicht, erwarten Souveränität, und sie wollen Lösungen, zumindest aber Perspektiven - erst recht von einem, der das Kanzleramt erobern will. Außerdem wollen sie ihr altes Leben zurück.

Viele sind es leid, immer nur ermahnt zu werden, einige fürchten um ihre Existenz, andere sorgen sich um ihre Kinder, die im Homeschooling Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrkräfte vermissen. Das spürt die Basis aus den Landtagsfraktionen in ihren Wahlkreisen mehr als die Ministerpräsidenten.

Sie transportieren Stimmungen und Erwartungen in die Staatskanzleien. "16 Länder erwarten, dass wir eine Öffnungsstrategie vorlegen. Was wie dann geöffnet wird, wird man anhand des Geschehens entscheiden," sagt Laschet.

Söders neuer Weg

Eine Strategie ist also gefragt, ein Plan raus aus dem Lockdown. Für Söder ein anderer, ein neuer Weg. Er hatte immer große Respekt vor dem Virus, stellte Gesundheitsschutz über alles. Laschet hat stets versucht abzuwägen und sah dabei nicht immer gut aus.

Die Strategien von Laschet und Söder unterscheiden sich heute nicht mehr wesentlich. Beide wollen mittlerweile alles in den Blick nehmen: vorsichtig öffnen und dabei die Inzidenzwerte im Blick behalten. Und wohl auch die eigenen Umfragewerte, die für den persönlichen Erfolg entscheidend sind. Möglichst nichts falsch machen, auf dem Weg nach oben, ins Kanzleramt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. März 2021 um 06:51 Uhr.