Zwei Polizisten bei der Festnahme des Terrorverdächtigen Al-Bakr in Chemnitz | Bildquelle: AFP

Innenausschuss hört Details zum Fall Al-Bakr Sprengstoff in der Küche und Besuche in Tegel

Stand: 19.10.2016 20:53 Uhr

Der verstorbene mutmaßliche Terrorist Al-Bakr hat Ende September den Berliner Flughafen Tegel ausgekundschaftet. Sicherheitsbehörden konnten ihn auf Überwachungskameras identifizieren. Und die Abgeordneten im Rechtsausschuss erfuhren noch weitere Details.

Von Georg Heil, Reiko Pinkert und Sebastian Pittelkow

Die Ermittlungen gegen Al Bakr waren heute Thema im Innenausschuss - hier erfuhren die Abgeordneten, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz seit Ende August mit dem Fall betraut gewesen sei. Zunächst hatten die Verfassungsschützer in Köln offenbar durch einen ausländischen Nachrichtendienst einen Hinweis auf die drohende Terrorgefahr in Deutschland erhalten - dabei war aber nur der Vorname "Jaber" übermittelt worden, so dass die Identität des syrischen Flüchtlings zunächst nicht genau feststand. 

Am 29. September wurde dann ein Telefongespräch mitgeschnitten, in dem besagter "Jaber" mit einem Kontaktmann über die Ankunft "mehrerer junge Männer" gesprochen haben soll. Die genaue Bedeutung dieses Gespräches ist offenbar bis heute unklar, es könnte dabei auch um Schwarzarbeit gegangen sein. Durch das abgehörte Telefonat habe man jedoch den inzwischen inhaftierten Khalil A. identifizieren können, der als Komplize von Al-Bakr gilt. Durch eine Funkzellenüberwachung wussten die Behörden zudem, dass sich das Telefon in Chemnitz in der Usti-Nad-Labem-Straße befand; sie konnten es aber nicht genau lokalisieren.

Ein Absperrband und ein Fahrzeug der Kriminaltechnik versperren den Zugang zu einem Haus im Stadtteil Paunsdorf in Leipzig. | Bildquelle: dpa
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10. Oktober: Ein Absperrband und ein Fahrzeug der Kriminaltechnik versperren den Zugang zu einem Haus im Stadtteil Paunsdorf in Leipzig.

Sprengstoffspuren in der Küche

Kurz nach seiner Rückkehr aus der Türkei soll sich Al-Bakr dann in ein Apartmenthotel in Leipzig eingemietet haben und dort erste Versuche in der Herstellung von Sprengstoff unternommen haben - entsprechende Spuren seien in der Küchenzeile des angemieteten Apartments festgestellt worden. Direkt danach habe der 22-jährige Syrer dann angefangen, über den Online-Händler Amazon weitere Zutaten für einen Sprengsatz zu bestellen. Die bestellten Zutaten habe der Syrer dabei mit Guthabenkarten bezahlt, die man in Supermärkten erwerben kann.

Zu dieser Zeit suchte Al-Bakr offenbar auch nach einem geeigneten Ziel für einen Anschlag: So interessierte er sich nach Behördenerkenntnissen für "kritische Infrastruktur im Raum Leipzig" und den Berliner Flughafen Tegel. Auf Aufnahmen von Überwachungskameras vom 22. September konnte der Syrer zwischenzeitlich auf dem Berliner Flughafen Tegel identifiziert werden.

Terrorverdächtiger Al-Bakr | Bildquelle: dpa
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Der mutmaßliche Terrorist Al-Bakr auf einem Fahndungsfoto der Polizei.

Am 5. Oktober konnten deutsche Behörden dann die Person Jaber Al-Bakr identifizieren, nachdem sie bei ausländischen Nachrichtendiensten nach Erkenntnissen zum Namen "Jaber" gefragt hatten, erhielten sie den Hinweis auf eine Hotelbuchung Al-Bakrs in Berlin unter seinem echten Namen. Durch eine Abfrage im Ausländerzentralregister konnten die Ermittler dann auch an ein Foto von Al-Bakr kommen. Am 5.10. begann auch die Observation von Khalil A. in Leipzig, und am Nachmittag des 6.10. die Beschattung von Al-Bakr in Chemnitz. Einen Tag später beobachteten die Überwacher dann den Kauf von Heißkleber in einem 1-Euro-Shop. Dies wurde als Indiz dafür gewertet, dass der Bombenbau offenbar fast abgeschlossen war. Man vermutete, Al-Bakr habe den Heißkleber benötigt, um Splittermaterial wie Nägel an seiner Selbstmordattentäterweste zu befestigen. Noch am selben Abend gegen 21 Uhr wurde daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen Al-Bakr eingeleitet und seine Festnahme angeordnet.

Innenausschuss berät sich zu Fall Al-Bakr
tagesschau 20:00 Uhr, 19.10.2016, Marie-Kristin Boese, ARD Berlin

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"No, no, no"

Am Morgen des 8. Oktober gingen die Behörden davon aus, dass Al-Bakr mehrere Hundert Gramm hochbrisanten Sprengstoffs zur Verfügung hat. Gegen 7 Uhr morgens verlässt er dann das Haus, offenbar nachdem er die Observationsmaßnahmen bemerkt hatte. Als er an den ersten Sicherungsring der Polizei gekommen ist, sollen zwei Polizeibeamte sich nicht einig gewesen sein, ob der Mann wirklich Al-Bakr gewesen sei, weshalb kein Zugriff erfolgte, aber eine Meldung an den zweiten Sicherungsring. 

Zwei Polizisten bei der Festnahme des Terrorverdächtigen Al-Bakr in Chemnitz | Bildquelle: AFP
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Zwei Polizisten bei der Festnahme des Terrorverdächtigen Al-Bakr in Chemnitz

Die Polizisten dort hätten den Flüchtigen auf Deutsch und Englisch unter anderem mit den Worten "niederknien“ und "ausziehen" angerufen, so wurde es heute im Bundestag berichtet. Al-Bakr habe auf die Aufforderung hin "no, no, no" gerufen und sei zwischen zwei parkenden Autos entschwunden. Die Beamten hätten dann einen Warnschuss abgegeben, wegen fehlender Voraussetzungen - kein aggressives Verhalten, kein Andeuten einer Sprengweste - hätten sie, so hieß es im Ausschuss,  aber nicht auf ihn schießen können. Auch habe gerade - um 7:04 Uhr - ein Geschäft in der Nähe geöffnet und es habe kein freies Schussfeld gegeben.

Die im Umfeld befindlichen Spezialkräfte der sächsischen Polizei konnten dann offenbar nicht zugreifen. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung wurden schließlich 1,5 Kilogramm einer kristallinen Substanz gefunden, die später als der Sprengstoff TATP, der auch bei den Anschlägen in Paris Verwendung fand, identifiziert wurde.

Syrische Flüchtlinge überwältigten Al-Bakr

Al-Bakr habe dann später in der Vernehmung durch das BKA angegeben, dass er am Abend um 18.30 Uhr von Chemnitz nach Leipzig mit dem Zug gefahren sei. Dort übernachtete der Flüchtige bei Landsleuten, die ihn, nachdem sie auf die öffentliche Fahndung aufmerksam geworden waren, dann überwältigten und der Polizei übergaben.

Als am 10. Oktober Al-Bakr der Haftbefehl eröffnet wurde, vermerkte die Haftrichterin schriftlich, dass Suizidgefahr bestehe. Am Abend des 12. Oktober wurde der 22-Jährige dann erhängt in seiner Zelle aufgefunden, obwohl er unter Beobachtung stand. Die Aufklärung des vereitelten Terrorvorhabens wird die Behörden noch länger beschäftigen. Das BKA wertet derzeit noch 350 Asservate und 250 Hinweise aus - dabei wird auch geprüft, ob und in wieweit es noch weitere Tatbeteiligte gibt.

Außenaufnahme der JVA Leipzig | Bildquelle: dpa
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In der JVA Leipzig tötete sich Al-Bakr am 12. Oktober selbst.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Oktober 2016 um 20:00 Uhr.

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