Flugzeuge an Flughafen Tegel | Bildquelle: dpa

Plan des Umweltausschusses Videokonferenz statt Inlandsflüge

Stand: 25.07.2019 13:54 Uhr

Innerdeutsche Flüge zwischen Berlin und Bonn gibt es bei Bundesministerien und Ausschüssen oft - noch. Der Umweltausschuss des Bundestages will die Flüge nun durch Videokonferenzen ersetzen. Die Zustimmung ist groß.

Inlandsflüge tragen nicht zum Klimaschutz bei. Deshalb hat der Umweltausschuss des Bundestages nun eine Eigeninitiative gestartet: Statt dienstlichen Flügen zwischen Berlin und Bonn soll es künftig mehr Videoschalten geben. Das vereinbarten Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth und die Ausschussvorsitzende Sylvia Kotting-Uhl, wie eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Jochen Flasbarth | Bildquelle: dpa
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Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth: Gemeinsam mit der Ausschussvorsitzenden will er innerdeutsche Dienstflüge verringern.

Beide schlugen den Fraktionen demnach vor, dass bei den Sitzungen des Ausschusses die Bonner Kollegen künftig standardmäßig per Video zugeschaltet werden können. "Damit lassen sich viele bislang nötige Dienstreisen zwischen Bonn und Berlin vermeiden", sagte die Sprecherin.

Fachleute sitzen in Berlin und Bonn

Seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin haben viele Ministerien in beiden Städten Fachleute - das gilt auch für das Umweltministerium. Diese reisen üblicherweise zu Ausschusssitzungen an, wenn ihre Expertise benötigt wird. Schon in den vergangenen Jahren seien aber für Besprechungen sehr viel häufiger Telefon- und Videokonferenzen abgehalten worden, sagte die Sprecherin.

Fraktionen zeigen breite Zustimmung

Die ersten Reaktionen aus den Fraktionen auf die Idee zeigen eine breite Zustimmung: "Natürlich können wir das machen", sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende und SPD-Politiker Michael Thews. "Der Umweltausschuss sollte da mit gutem Beispiel vorangehen." Auch die FDP signalisierte Unterstützung für den Vorschlag.

Die Obfrau der Unions-Fraktion, Anja Weisgerber, sprach sich auch für die Idee aus: "Die Chancen der Digitalisierung müssen in Zukunft stärker genutzt werden." Allerdings gab die CSU-Politikerin zu bedenken, dass in einigen Fällen - etwa bei Gesetzesverhandlungen - der persönliche Kontakt unerlässlich sei.

230.000 dienstliche Inlandsflüge

Mit Blick auf dieses Projekt des Umweltausschusses stellt sich auch die Frage: Wie viele Inlandsflüge gehen eigentlich insgesamt auf das Konto von Bundesministerien und Behörden? Diese Frage stellte die "Welt" dem für die Reiseabwicklung zuständigen Bundesinnenministerium. Die Antwort: Mitarbeiter von Bundesministerien und nachgeordneten Behörden haben im vergangenen Jahr knapp 230.000 dienstliche Inlandsflüge unternommen.

Besonders viele Flüge buchte demnach das Verteidigungsministerium: Seine Mitarbeiter flogen insgesamt 13.437 Mal inländisch, also 1119 Mal pro Monat. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres unternahmen die Mitarbeiter des Ministeriums den Angaben zufolge noch mehr Flüge, nämlich 1191 pro Monat. Auch in einigen anderen Ressorts ging die Zahl laut Innenministerium nach oben, wie die Zeitung weiter berichtete: bei den Ministerien für Arbeit und Soziales, Finanzen, Landwirtschaft und Umwelt.

Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 24 Millionen Inlandsflüge im Jahr - gemessen an den Hauptflughäfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juli 2019 um 13:30 Uhr.

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