Ein Junge in einem Rollstuhl nimmt in einer fünften Klasse der Waldschule in Mannheim (Baden-Württemberg) am Unterricht teil. | Bildquelle: dpa

Bertelsmann-Studie Der Norden treibt die Inklusion voran

Stand: 03.09.2018 11:43 Uhr

Immer mehr Kinder mit Förderbedarf besuchen inzwischen Regelschulen. Allerdings gibt es immer noch große regionale Unterschiede. Vor allem Süddeutschland hinkt bei der Inklusion hinterher.

Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung an Regelschulen - die Inklusion - kommt in Deutschland langsam voran: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung nahm der Anteil der Schüler, die noch an Förderschulen lernen, von 4,9 Prozent im Jahr 2008 auf 4,3 Prozent 2017 ab.

Bei der Entwicklung der schulischen Inklusion von Kindern mit Behinderungen gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Bremen ist Spitzenreiter

Spitzenreiter bei der Inklusion ist Bremen, wo nur noch 1,2 Prozent aller Schüler auf Förderschulen gehen. Besonders niedrige Anteile separat unterrichteter Kinder haben auch Schleswig-Holstein (2,1 Prozent), Berlin (2,8 Prozent), Hamburg (3,1) und Niedersachsen (3,4 Prozent).

Die Chancen von Förderschülern, eine Regelschule zu besuchen, hängen somit immer noch sehr vom Wohnort ab. In Baden-Württemberg (4,9 Prozent), Bayern (4,8 Prozent) und Rheinland-Pfalz (4,0 Prozent) ist die Quote der Förderschüler laut Analyse in den vergangenen zehn Jahren sogar gestiegen.

Die höchsten Anteile von Kindern auf Förderschulen haben Mecklenburg-Vorpommern mit 6,0 Prozent, Sachsen-Anhalt (5,9 Prozent) und Sachsen (5,7 Prozent).

Experten fordern einheitliche Qualitätsstandards

Um die regionalen Unterschiede bei der Inklusion zu verringern, forderte Stiftungsvorstand Jörg Dräger bundesweit einheitliche Qualitätsstandards. Impulse dazu erhoffe er sich vom geplanten nationalen Bildungsrat. Die Schulen brauchten mehr sonderpädagogische Kompetenz und Fortbildungen für die Lehrkräfte, um den unterschiedlichen Schülern besser gerecht zu werden.

Insgesamt seien die Klassenzimmer in Deutschland zwar heterogener geworden, allerdings werde das "Unbehagen" vieler Lehrer angesichts dieser wachsenden Vielfalt nicht ernst genug genommen, sagte Dräger. Nötig sei vor allem mehr sonderpädagogische Kompetenz in den Kollegien.

Große Unterschiede bei der Inklusion gibt es den Angaben zufolge nicht nur regional, sondern auch je nach Förderbedarf. Während immer weniger Kinder spezielle Schulen für Lernbehinderte oder mit dem Förderschwerpunkt Sprache besuchten, nahm der Anteil separat unterrichteter Schüler mit sozial-emotionalen Handicaps, geistigen oder körperlichen Einschränkungen zu.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. September 2018 um 09:38 Uhr.

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