In Dernau in Rheinland-Pfalz sind die Schienen der Bahnstrecke unterspült.  | dpa

Nach Unwettern Ausmaß der Infrastruktur-Schäden unklar

Stand: 19.07.2021 18:33 Uhr

Zerstörte Schienen und Brücken, gesperrte Autobahnabschnitte - und das Mobilfunknetz ist weiter lückenhaft: Die Unwetter haben die Infrastruktur vielerorts massiv beschädigt. Das genaue Ausmaß ist noch immer unklar.

Nach den Unwettern in Teilen Deutschlands ist in den betroffenen Regionen die Verkehrsinfrastruktur massiv beschädigt. Wie weitreichend die Schäden sind, dazu gibt es jedoch noch keine genauen Angaben.

Im Rheinland gab es der Autobahn GmbH zufolge auch angesichts der Entspannung der Wetterlage zumindest keine wesentlichen Überflutungen mehr. Es bestehen aber weiterhin mehrere Vollsperrungen auf zwei Autobahnen, die vermutlich noch längere Zeit andauern. Eine Sperrung betrifft die A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen dem Autobahnkreuz Köln-West und dem Autobahndreieck Erfttal, ebenfalls voll gesperrt ist die A1 in Fahrtrichtung Dortmund zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth.

Ein Engpass besteht weiterhin auf der A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen den Anschlussstellen Köln-Lövenich und Köln-Bocklemünd. Auf der A61 gibt es wegen erheblicher Schäden infolge der Unwetter eine Vollsperrung in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim in nahezu allen Abschnitten.

600 Kilometer Gleise betroffen

Vermutlich noch längere Zeit andauern werden auch die Beeinträchtigungen im Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind Gleise auf mehr als 600 Kilometern Länge betroffen. Demnach ergab ein erstes Lagebild "massive Beschädigungen an mehr als 80 Stationen und Haltepunkten, Gleisen auf mehr als 600 Kilometern Länge, Weichen, Signaltechnik, Stellwerken, Brücken sowie Fahrzeugen des Regional-, S-Bahn- und Güterverkehrs". Nach wie vor gebe es jedoch kein umfassendes Lagebild.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, alle Schäden zu erfassen. Erst in den kommenden Tagen könne hierzu eine erste Bilanz gezogen werden - denn immer noch müsse an vielen Stellen Wasser abfließen, im Anschluss müssten Schlamm und Geröll abgetragen werden.

Funkstationen vom Netz abgeschnitten

Auch das Mobilfunknetz ist in den betroffenen Gebieten noch immer lückenhaft. Der Mobilfunkanbieter Vodafone erklärte, dass noch ein Sechstel der Funkstationen vom Netz abgeschnitten sei. Viele Standorte seien vom Hochwasser stark beschädigt oder völlig zerstört worden. Vodafone äußerte sich hoffnungsvoll, dass eine Grundversorgung im gesamten Katastrophengebiet noch in der laufenden Woche wiederhergestellt werden könne.

Taskforce im Verkehrsministerium

Einem Sprecher von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zufolge wird daran gearbeitet, dass zerstörte Brücken, Gleise, Straßen und Mobilfunkmasten schnellstmöglich wieder instand gesetzt werden können. Dazu habe heute eine Taskforce im Bundesverkehrsministerium getagt. Daran hätten auch Vertreter der Deutschen Bahn und der Autobahngesellschaft des Bundes teilgenommen.

In einem ersten Schritt solle das bereits bestehende Lagebild vervollständigt und konsolidiert werden, hieß es. Gleichzeitig solle, soweit bereits möglich, eine Schadensermittlung erfolgen, um die voraussichtlichen Kosten für die Schadensbeseitigung zu ermitteln und den Wiederaufbau der zerstörten und beschädigten Infrastrukturen umgehend in Gang zu setzen. Dazu werde in einzelnen Arbeitsgruppen für Straße, Schiene, Wasserstraße und digitale Infrastrukturen der weitere Handlungsbedarf ermittelt und priorisiert.

Der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier" sagte Scheuer, für eine Gesamtaufstellung der Schäden sei es noch zu früh. "Wenn an der Ahr von 35 Brücken wohl 20 zerstört sind, dann kann man jetzt schon die Riesenaufgabe, die vor uns steht, erahnen", fügte er hinzu. Alleine auf der Rhein-Ahr-Bahn seien sieben Brücken und 27 Kilometer Gleisanlagen durch das Hochwasser zerstört worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2021 um 20:00 Uhr.