Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg testet Blutproben auf Antikörper. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie "Die zweite Welle ist schon da"

Stand: 25.07.2020 15:29 Uhr

Fast 800 neue Corona-Infektionen sind binnen eines Tages registriert worden. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer warnt vor einer laufenden zweiten Welle. Deutschland habe aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber Ländern wie Frankreich.

Erneut haben die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages fast 800 Corona-Neuinfektionen registriert. Insgesamt übermittelten sie 781 Fälle an das Robert Koch-Institut.

Am Freitag hatte das RKI mit 815 bestätigten Neuinfektionen eine nach Expertenmeinung besorgniserregende Zahl vermeldet. "Zuvor lag die Zahl bei um die 500 übermittelten Fällen pro Tag, zeitweise auch deutlich darunter", so eine Sprecherin. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin sprach im tagesschau24-Interview von einem "Anstieg in der Fläche".

Bei plötzlichen Anstiegen in den vergangenen Wochen und Monaten war dies stets auf lokale Ereignisse zurückzuführen gewesen - etwa im Fall Tönnies oder in größeren Wohnanlagen in Göttingen und Berlin.

Reiserückkehrer sollen sich testen lassen

Angesichts dieses jüngsten Anstiegs der Fallzahlen spricht der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer bereits von einer zweiten Corona-Welle. Sie sei schon da, sagte er der "Rheinischen Post". "Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten", sagte Kretschmer.

Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. Das klappe "erstaunlich gut". Nach Ansicht des CDU-Politikers kann Deutschland durch sein föderales System präziser vorgehen als zentralistisch regierte Länder wie Frankreich oder Polen. Die Ministerpräsidenten könnten abwägen, was gezielt für einzelne Regionen geregelt werden könne.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer | Bildquelle: dpa
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Kretschmer spricht von einer zweiten Corona-Welle. Bisher könnten die Behörden "erstaunlich gut" mit den Fällen umgehen.

Einen Grund für die neuerliche Verschärfung der Corona-Lage sieht Kretschmer darin, dass Reisende das Virus teilweise aus dem Ausland mitbringen. Deshalb spricht sich Kretschmer für verpflichtende Corona-Tests für Reisende aus Risikogebieten aus. "Diejenigen, die mit dem Flugzeug aus einer Krisenregion zurückkommen, in der ein großes Infektionsgeschehen ist, müssen sich unmittelbar nach der Rückkehr testen lassen", sagte er. Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich am Freitag dafür ausgesprochen, solche Test auf freiwilliger Basis anzubieten.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn führt die vergleichsweise hohen Infektionszahlen vor allem auf Reisen und die Rückkehr von Menschen aus Risikogebieten zurück. Er kündigte an, für Reiserückkehrer eine entsprechende Testpflicht zu prüfen. Allerdings schauten deutsche Gerichte sehr genau, dass jeder Eingriff in die individuelle Freiheit verhältnismäßig sei.

Corona-Testzentren bei der Bahn?

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, setzt bei den am Freitag von Bund und Ländern vereinbarten Tests klar auf Freiwilligkeit. Nur dann und bei Kostenfreiheit für die Bürger werde eine solche Teststrategie funktionieren, sagte er der "Passauer Neuen Presse".

"Die Deutschen sind auch in der Corona-Krise Reiseweltmeister." Aus seiner Sicht sollten nicht nur an Flughäfen, sondern auch in Reisezentren der Deutschen Bahn kostenfreien Tests zur Verfügung gestellt werden.

Sieben Menschen gestorben

Insgesamt waren seit Beginn der Corona-Krise bislang mindestens 204.964 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert - ein Großteil von ihnen gilt inzwischen als geheilt. An den Folgen der Infektion starben nach RKI-Angaben bislang 9118 Menschen - das bedeutet ein Plus von sieben im Vergleich zum Vortag.

WHO meldet Rekord an Neuinfektionen

Derzeit steigen die Fallzahlen nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet so viele Neuinfektionen an einem Tag wie noch nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie. Insgesamt seien es 284.196 neue Fälle gewesen, teilte die WHO am Freitagabend mit.

Mit Abstand die meisten Infektionen verzeichneten die USA und Brasilien, jeweils mehr als 67.000. In Indien waren es fast 50.000, in Südafrika 13.000. Weltweit waren der WHO seit dem Ausbruch des neuen Virus Ende vergangenen Jahres bis Freitag 15,3 Millionen Infektionen gemeldet worden. Knapp 630.000 Menschen starben nachweislich mit einer Coronavirus-Infektion.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juli 2020 um 15:00 Uhr.

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