Ein Banner mit der Aufschrift "Impfzentrum Sachsen" wird von einem Bauzaun entfernt | dpa

Schließung vieler Impfzentren Sozialverband fordert mehr Impfangebote

Stand: 30.09.2021 07:31 Uhr

Weil viele Impfzentren heute schließen, fordert der Sozialverband VdK mehr Impfangebote für sozial Benachteiligte. Die Impfung müsse zu den Menschen kommen - in die Fußgängerzone, vor den Supermarkt oder ins Jobcenter.

Angesichts der bevorstehenden Schließung eines Großteils der Corona-Impfzentren in Deutschland hat der Sozialverband VdK gefordert, mehr niedrigschwellige Impfangebote für sozial Benachteiligte zu machen. Nötig seien "verstärkt mobile Impfangebote gerade auch für sozial Benachteiligte und Obdachlose überall dort, wo sie sich im Alltag aufhalten: in der Fußgängerzone, auf dem Supermarktparkplatz, am Sportplatz, vor dem Jobcenter", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Keine Impfzentren mehr bedeutet weniger Impfangebote. Umso wichtiger sind daher Alternativen: Kommen die Menschen nicht zur Impfung, muss die Impfung eben zu den Menschen kommen", forderte Bentele.

Die Gesundheitsministerkonferenz hatte im Juni eine Neuausrichtung der Impfstrategie beschlossen. Demnach soll der Betrieb der Impfzentren nach dem 30. September zurückgefahren werden. Die Bundesländer sollen aber sicherstellen, dass die Impfkapazitäten in kurzer Zeit wieder hochgefahren werden können.

Lauterbach für stärkere Durchsetzung der 2G-Regel

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mahnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe verstärkte Bemühungen an, um bislang ungeimpfte Menschen von einer Impfung zu überzeugen. "Rund um die Bundestagswahl ist dieses wichtige gesundheitspolitische Thema in den Hintergrund gerückt. Das darf aber nicht so bleiben", betonte Lauterbach. Der SPD-Politiker rechnet für den Herbst mit einer erneuten Zunahme der Corona-Infektionszahlen. Dies sei auch saisonbedingt. "Bei kälterer Witterung breitet sich das Corona-Virus schneller aus." Er hoffe auf eine stärkere Durchsetzung der sogenannten 2G-Regel, sagte Lauterbach weiter. Dass es dazu keine bundesweit einheitliche Lösung gebe, werde die Lage im Herbst erschweren.  Die 2G-Regel bedeutet, dass der Zugang etwa zur Gastronomie und zu Veranstaltungen auf Geimpfte und Genesene beschränkt wird.

Viele Hausärzte sehen sich mit Blick auf die Schließungen offenbar gut vorbereitet, weitere Corona-Impfungen sicherzustellen. In der Anfangsphase hätten die Zentren trotz hoher Kosten Sinn ergeben. "Für die ausstehenden Impfungen, zu denen wir dringend weitere Menschen ermuntern müssen, ebenso wie für die nun fälligen Auffrischungsimpfungen sehen wir uns in den Hausarztpraxen allerdings gut gerüstet", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem RND.

"Rücksichtsloses Verhalten ungeimpfter Covid-Patienten"

Der Chef der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, rief Impfunwillige auf, sich immunisieren zu lassen. "Nehmen Sie Ihre Rechte in unserer Gesellschaft und Demokratie so wahr, dass sie nicht zu einer Gefahr für andere werden", appellierte Gaß in einem dem RND vorliegenden Aufruf. Er könne "die Empörung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade in den Intensivstationen nachvollziehen, die den ungeimpften Covid-Patienten rücksichtsloses Verhalten vorwerfen". Gaß mahnte: "Jedes Intensivbett und jede Beatmungseinheit, die von einem ungeimpften Patienten in Anspruch genommen wird, steht in diesem Moment einem anderen schwerkranken Menschen nicht zur Verfügung." Und jede Pflegekraft und jede Ärztin, die sich um Covid-Patienten kümmere, könne ihre Hilfe nicht gleichzeitig anderen lebensbedrohlich kranken Patienten zukommen lassen.

Das Impftempo hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt. Fast drei Viertel der Erwachsenen und ein Drittel der Kinder zwischen 12 und 17 Jahren sind vollständig geimpft. Begonnen haben vor wenigen Wochen auch Auffrischungsimpfungen für Senioren und immungeschwächte Menschen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. September 2021 um 08:00 Uhr.

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Moderation 30.09.2021 • 14:04 Uhr

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