Menschen am Empfangstresen im Impfzentrum Bad Sobernheim | SWR

Start der Impfzentren Vom Glück der Impfung

Stand: 09.01.2021 03:52 Uhr

Die Impfzentren nehmen nach und nach ihren Betrieb auf. Auch in Rheinland-Pfalz soll die Impfkampagne nach einem schleppenden Start nun endlich Fahrt gewinnen - auch weil nachgebessert wurde.

Von Christian Kretschmer, SWR

Der entscheidende Moment im Impfzentrum im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim dauert nur wenige Sekunden. Die 85 Jahre alte Christa Flohr ist hier eine der ersten, die die Spritze mit dem Vakzin gegen das Coronavirus verabreicht bekommt. "Das ging alles überraschend schnell", sagt Flohr. Sie kommt glücklich aus der Impfkabine. "Die Hoffnung ist, dass ich bald wieder mit meinen Kindern, Enkeln und Urenkeln wieder in Kontakt kommen kann", sagt sie.

Christian Kretschmer
Christa Flohr  | SWR

Christa Flohr: Geimpft und voller Hoffnung, dass sie bald ihre Urenkel sehen darf. Bild: SWR

Das Impfen geht zwar schnell - manche haben allerdings länger warten müssen, um überhaupt einen Termin zu bekommen: Die landeseigene Hotline zur Terminvergabe in den 31 rheinland-pfälzischen Impfzentren sei mitunter überlastet gewesen, berichten Menschen im Eingangsbereich des Impfzentrums. "Man musste Geduld aufbringen", sagt Gertrud Eckes, die dort ansteht. "Ich habe von 8 bis 11.30 Uhr versucht, jemanden zu erreichen. Und dann hat es nochmal 15 Minuten gedauert." In Rheinland-Pfalz haben sie inzwischen zumindest die Anrufzeiten der Telefonhotline verlängert.

Enormer logistischer Aufwand

Den Anfang in Rheinland-Pfalz machten mobile Impfteams in Pflegeeinrichtungen. Dort wurden bereits Ende Dezember die ersten Bewohner und Personal geimpft. Heimbetreiber berichten jedoch von einem enormen logistischen Aufwand. So sei das Einholen von Einverständniserklärungen um die Weihnachtsfeiertage schwierig gewesen.

Mit diesem bürokratischen Aufwand sei auch der schleppende Impfstart in Rheinland-Pfalz zu erklären, sagt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Im Land sei bewusst zunächst in Alten- und Pflegeheime geimpft worden, entsprechend der Empfehlungen des Ethikrates. "Andere Bundesländer haben beispielsweise früher medizinisches Personal in den Krankenhäusern geimpft" - was weniger aufwändig ist. Mit der Öffnung der Impfzentren sollen nun innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Menschen geimpft werden können als bislang.

Viele Unterschiede

Nach Schleswig-Holstein, Hamburg und dem Saarland ist Rheinland-Pfalz eines der Bundesländer, das inzwischen priorisierte Gruppen in den Zentren impft. Im Nachbarland Hessen sollen die Impfzentren am 19. Januar öffnen; in Nordrhein-Westfalen wohl erst im Februar. Wie die Bundesländer die Termine koordinieren ist jedoch unterschiedlich - und ein Grund dafür, warum noch längst nicht alle Zentren in Betrieb sind.

In Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt können etwa Termine über die bundesweite Hotline 116 117 vereinbart werden. Daneben gibt es verschiedene landeseigene Hotlines und Web-Portale.

Patientin bei der Anmeldung im Impfzentrum Bad Sobernheim | SWR

Patientin bei der Anmeldung im Impfzentrum Bad Sobernheim Bild: SWR

Auch in der Frage, wie die Hochbetagten in die Impfzentren kommen sollen, gibt es Unterschiede. In Hamburg beispielsweise sollen sich die über 80-Jährigen selbst ein Taxi ins Impfzentrum organisieren; in Berlin sollen die Fahrtkosten für diese Gruppe übernommen werden, meldet die Deutsche Presse-Agentur.

Knapper Impfstoff

Ein weiterer Knackpunkt ist nach wie vor die Knappheit des Impfstoffs. So wurde etwa der für Mitte Januar geplante Start in den rund 50 Kreisimpfzentren in Baden-Württemberg um eine Woche nach hinten verschoben. Das Landesgesundheitsministerium sieht die Ursache dafür bei den Impfstofflieferungen des Bundes. "Klar ist: Der Bund muss bei Beschaffung, Produktion und Verteilung der Impfstoffe beschleunigen", schließt sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann an.

Sechs statt fünf Dosen

Dabei könnte schon bald deutlich mehr geimpft werden. Pro Ampulle des BioNTech-Impfstoffes dürfen künftig sechs statt fünf Dosen verabreicht werden. Damit könnten kurzfristig etwa 20 Prozent mehr Menschen eine Impfung bekommen, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium.

Das Ministerium rechnet in diesem Jahr mit mindestens 90 Millionen Impfdosen des Herstellers. Hinzu kommen demnach 50 Millionen Dosen des bereits in der EU zugelassenen Produzenten Moderna. Insgesamt reiche das, um in Deutschland Herdenimmunität zu erreichen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Seit dem Beginn der Impfkampagne im Dezember sind in Deutschland mehr als 476.000 Menschen mit einer Dosis geimpft worden, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Der prozentual größte Teil davon in Mecklenburg-Vorpommern, wo statistisch gesehen 15 von 1000 Menschen bereits eine Dosis verabreicht bekommen haben.

In Thüringen und Sachsen sind es dagegen noch unter vier, in Rheinland-Pfalz etwa fünf. Im Schnitt liegt die Impfquote für Deutschland derzeit bei 5,7 auf 1000 Einwohner.

Über dieses Thema berichtete SWR AKTUELL Rheinland-Pfalz am 07. Januar 2021 um 19:30 Uhr.