Kanzlerin Merkel hält eine Rede. | AFP

Merkel zu Impfaktionswoche "Schützen Sie sich selbst und andere"

Stand: 12.09.2021 15:38 Uhr

Vor Beginn der bundesweiten Impfaktionswoche hat Bundeskanzlerin Merkel erneut dazu aufgerufen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Kritik kommt von den Grünen: Eine Aktionswoche sei längst nicht ausreichend.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zum Start einer bundesweiten Impfaktionswoche aufgerufen, die Angebote für Corona-Impfungen zu nutzen. "Nie war es einfacher, eine Impfung zu bekommen. Nie ging es schneller", sagte sie vor dem Start der Aktion an diesem Montag.

Impfangebote werde es etwa bei den Freiwilligen Feuerwehren, in der Straßenbahn, am Rand von Fußballfeldern und in Moscheen geben. Jeder könne sich dann ohne Termin und kostenfrei impfen lassen. "Ich bitte Sie daher: Schützen Sie sich selbst und andere. Lassen Sie sich impfen", appellierte die Bundeskanzlerin. Die Impfaktionswoche dauert bis zum 19. September.

"Wir müssen noch mehr Menschen überzeugen"

Leider steige die Zahl der Neuinfektionen wieder, warnte Merkel in ihrem Video-Podcast. Die große Mehrheit der Patienten, die im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt würden, seien ungeimpft. Um gut durch Herbst und Winter zu kommen, "müssen wir daher noch mehr Menschen überzeugen, sich impfen zu lassen".

Vor einem Jahr habe es noch keinen Ausweg aus der Pandemie gegeben, erinnerte Merkel. "Heute können wir genau diesen Ausweg anbieten: eine Impfung mit sicheren und wirksamen Impfstoffen."

Sie nannte es großartig, dass inzwischen mehr als 55 Millionen Menschen in Deutschland dieses Angebot angenommen hätten und über 50 Millionen davon sogar vollständig geimpft seien. "Das ist ein Riesenerfolg", betonte sie.

Göring-Eckardt fordert Informationskampagne

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt kritisierte, es reiche nicht aus, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn eine Woche zur Aktionswoche erkläre. "Es braucht jetzt eine breitflächige Informationskampagne, ab jetzt muss jede Woche zur Aktionswoche werden", teilte sie mit.

Auch beim Umstieg auf die neuen 3G-Regeln mit Erleichterungen für Genesene, Geimpfte und Getestete mache die Bundesregierung massive Fehler. Es sei etwa unverständlich, warum in Schulen ein regelmäßiger Test erforderlich sei, am Arbeitsplatz jedoch nicht. "Statt deutschlandweit einheitliche Regelungen für einen geordneten Übergang zu schaffen, zieht die Bundesregierung vor der Wahl lieber den Kopf ein, lässt die Probleme liegen oder schiebt die Verantwortung erneut an die Länder ab."

Göring-Eckardt nannte das Impfen eine Frage von Solidarität. Jeder habe das Recht, sich nicht impfen zu lassen. "Aber man hat nicht das Recht, dass alle Geimpften und der Rest der Gesellschaft und die Kinder darauf Rücksicht nehmen." Deshalb müsse, sollten wieder Einschränkungen nötig werden, um eine Überlastung des Gesundheitssystem zu verhindern, unterschieden werden zwischen Geimpften und Genesenen und nur Getesteten.

Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 80,2

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag heute laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 80,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - und damit etwas niedriger als am Vortag (82,8). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 7345 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 10.453 Ansteckungen gelegen.

Allerdings wies das RKI-Dashboard für Baden-Württemberg nur einen neu hinzugekommenen Fall aus. In den Tagen zuvor waren es jeweils deutlich über 1000. Ob es weitere Unstimmigkeiten gab, wurde vom RKI zunächst nicht mitgeteilt. Generell ist seit einigen Tagen annähernd ein Plateau beim Infektionsgeschehen zu beobachten: Am Sonntag vor einer Woche hatte die Inzidenz bei 83,1 gelegen, sie hat sich also seither kaum verändert.

Auch bei den Covid-19-Patienten auf Intensivstation scheint der zunächst steile Anstieg inzwischen etwas abzuflachen. Gestern wurden vom DIVI-Intensivregister 1439 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung gemeldet - ein Plus von 27 zum Vortag. Am vorherigen Samstag hatte es ein Plus von 41 gegeben, am Samstag vor zwei Wochen (28.8.) ein Plus von 51 Patienten.

Wie lange die vierte Corona-Welle auf einem Plateau verharren könnte, ist unklar. Ohne noch deutlich steigende Impfquote rechnen Experten mit einem heftigen Anstieg der Fallzahlen im Herbst und Winter.

Hospitalisierungsrate steigt leicht

Deutschlandweit wurden den RKI-Angaben zufolge binnen 24 Stunden acht Todesfälle verzeichnet, auch dabei kann es aber Datenlücken geben. Vor einer Woche waren es 21. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.077.640 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 1,95 an (Vortag 1,89). Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.823.500 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 92.606.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. September 2021 um 12:21 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 12.09.2021 • 19:49 Uhr

19:11 von DrBeyer / @schabernack

«Ich sehe es auch so, dass man weiter überzeugen muss für die Impfung.» «Sehe ich anders. Wer sich bis jetzt nicht hat impfen lassen, ist entweder Impfgegener oder extrem faul. Beide Gruppen kann man durch Aufklärung und/oder Reklame nicht zur Impfung bringen.» Hardcore-Impfverweigerer sind Lost in Near Space wie Astronauten, denen bei Außenarbeiten an der ISS die Doppelten Sicherungsseile beide flöten gingen. Ich plädiere nicht dafür, den Faulen und Lahmen allen einen Holiday-Trip in Land (x) zu spendieren, das als Hochinzidenzgebiet dann mind. 5 Tage Quarantäne nach Rückkehr bedeutet. Nur und einzig nur das war es, warum sich die Corona-Schwadroneuse Freundin meiner Freundin entgegen monatelangem Corona-Gebrabbel dann doch impfen ließ. Erwischt fühlt sie sich nun. Kann man gar nix mehr zu sagen … außer aus den Ohren dampfen und pfeifen. Schätze, 5% bis 7% sind die Nur-Faulen & Lahmen, die man mit Zuspruch noch erreichen kann. Besser versuchen als bald wieder Röhregucken.