Mehrere Spritzen mit Corona-Impfstoff liegen auf dem Tisch in einer Arztpraxis. | picture alliance/dpa/Reuters/Poo

Corona-Pandemie Derzeit mehr Zweit- als Erstimpfungen

Stand: 22.05.2021 13:24 Uhr

In den beiden vergangenen Tagen haben in Deutschland erstmals mehr Menschen eine Zweitimpfung erhalten als es Erstimpfungen gab. Laut Gesundheitsminister Spahn ist das eine "erwartete, aber neue" Entwicklung.

In Deutschland sind in den vergangenen beiden Tagen erstmals mehr Zweit- als Erstimpfungen vorgenommen worden. Dies war am Donnerstag und Freitag der Fall, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter mitteilte. "Eine erwartete, aber neue Entwicklung", schrieb er.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden am Freitag 797.359 Menschen immunisiert, 406.455 von ihnen sind nun vollständig geimpft. Damit lag der Anteil bei über der Hälfte.

13,6 Prozent vollständig geimpft

Die bisher meisten Impfdosen pro Tag wurden mit rund 1,4 Millionen am 12. Mai verabreicht. Insgesamt sind nun 13,6 Prozent der Bevölkerung (11,3 Millionen) bereits vollständig geimpft. 39,9 Prozent (33,1 Millionen) haben zumindest eine der Spritzen bekommen. In der Regel sind für den vollen Schutz zwei erforderlich, nur beim Impfstoff von Johnson & Johnson reicht eine.

Je nach Bundesland variiert die Impfquote. Die höchste Quote an mindestens Erstgeimpften verzeichnet das Saarland mit 43,9 Prozent, die niedrigste Sachsen mit 34,6. Während das Saarland auch unter Berücksichtigung der Zweitimpfungen beim Impftempo an der Spitze liegt, läuft die Kampagne laut RKI in Brandenburg am langsamsten. Das Saarland profitiert neben anderen Bundesländern von zusätzlichen Impfstofflieferungen, die es bekommen hatte, weil dort besonders viele Mutanten aufgetreten waren.

Hausärzte fordern gerechte Impfstoffverteilung

Die deutschen Hausärzte fordern unterdessen angesichts des geplanten Endes der Impfpriorisierung am 7. Juni eine gerechte Verteilung von Impfstoffen. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, sagte dem NDR, man solle jede Gelegenheit nutzen, um zu impfen. "Die Einbeziehung der Betriebsärzte, der Privatärzte, all das mag helfen. Wir müssen ja unser Hauptziel im Auge behalten, möglichst viele Menschen möglichst schnell zu impfen." Aber man könne nicht akzeptieren, dass andere Strukturen bevorteilt werden. "Wenn nicht alle beliefert werden können, muss man das wenigstens gleichmäßig verteilen."

Die aktuelle Situation in Hausarztpraxen beschrieb Weigeldt als belastend. Er warnte davor, dass das angekündigte Ende der Impfpriorisierung am 7. Juni zu einem massiven Ansturm auf die Praxen führen könnte. "Für unsere Mitarbeiterinnen in den Praxen ist es sehr belastend, wenn hier sehr viel Druck kommt, den wir nicht verantworten können und den wir nicht bedienen können. Da ist Frustration im Spiel, die man verstehen kann."

Ein Grund sei der nach wie vor bestehende Mangel an Impfstoff, so Weigeldt. Es gebe ein Missverhältnis zwischen der Menge an Impfwilligen und der Anzahl der Dosen, die zur Verfügung stünden. Weigeldt beklagte zudem fehlende Planungssicherheit bei Impfstoff-Bestellungen. Impfwillige Bürgerinnen und Bürger rief der Verbandvorsitzende zur Geduld auf. "Man muss jetzt die Ruhe bewahren und den Frust darüber, dass man nicht sofort geimpft wird, nicht bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abladen."

RKI meldet 7082 Neuinfektionen

Die bundesweiten Corona-Zahlen sanken unterdessen weiter. Das Robert Koch-Institut meldete am Samstagmorgen für die vergangenen 24 Stunden 7082 registrierte Neuinfektionen. Das waren etwa 800 Fälle weniger als noch vor einer Woche. Die Sieben-Tages-Inzidenz sank auf 66,8. Tags zuvor hatte der Wert bei 67,3 gelegen, in der Vorwoche bei 87,3. Zudem wurden 170 neue Todesfälle registriert. Vor einer Woche waren es 177 Tote gewesen.

Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie registrierten Corona-Infektionen in Deutschland liegt jetzt bei 3.642.244. Die Zahl der Todesopfer liegt bei 87.298.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Mai 2021 um 15:00 Uhr.