Ein Mitarbeiter einer Corona-Impfaktion bereitet BioNTech-Dosen vor. | dpa

Ständige Impfkommission Booster-Empfehlung ab 18 Jahren geplant

Stand: 17.11.2021 10:44 Uhr

STIKO-Chef Mertens geht davon aus, dass es bald eine Booster-Empfehlung für alle Menschen ab 18 Jahren geben wird. Auch Gesundheitsminister Spahn dringt auf eine rasche dritte Impfung für alle Erwachsenen. Die Hausärzte sehen das anders.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, geht davon aus, dass die Kommission eine Empfehlung für Booster-Impfungen gegen das Coronavirus ab 18 Jahren abgeben wird. Mertens sagte in der ZDF-Sendung Markus Lanz, die STIKO werde am heutigen Mittwoch erneut darüber beraten. Bislang empfiehlt die Kommission die Booster-Impfung vor allem für Menschen ab 70 Jahren und für Personal in medizinischen Einrichtungen.

Etwa zeitgleich sprach sich der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dafür aus, allen Menschen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen - auch wenn die letzte Impfung noch kein halbes Jahr zurückliegt. Der Abstand von sechs Monaten sei als "zeitliche Richtschnur zu verstehen, der natürlich nicht tagesgenau einzuhalten ist", heißt es in einem Brief von Spahn und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, an alle Vertragsärzte in Deutschland.

Das Gesundheitsministerium ergänzte später: Ziel des Schreibens sei es, dass Patienten, die etwas früher zum Impfarzt gehen, nicht - wie es zuletzt "zu häufig" geschehen sei - abgewiesen werden.

Spahn sagte der "Süddeutschen Zeitung", Deutschland habe genug Corona-Impfdosen für Auffrischimpfungen. "Wir haben alles in allem aus heutiger Sicht bis Ende des Jahres genug Impfstoff, um das zu machen." Das Problem ist derzeit allerdings weniger die Menge an Impfstoff, sondern das fehlende Personal, die Dosen auch zu verimpfen.

Hausärzte: Booster bei Jüngeren nicht erforderlich

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es sei bei weniger gefährdeten jüngeren gesunden Menschen nach bisherigen medizinischen Erkenntnissen "nicht erforderlich, auf den Tag genau nach sechs Monaten eine Booster-Impfung durchzuführen". Beim Wunsch nach einer raschen Auffrischung sei zudem zu berücksichtigen, "dass dies möglicherweise zu Lasten von vulnerablen Patienten erfolgen würde". Auch bei der dritten Impfung gelte es, die Gefährdeten besonders im Auge zu behalten. Zudem hätten viel zu viele Menschen noch nicht einmal die Erstimpfung erhalten.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert auch beim Boostern eine Vorrangprüfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen ähnlich wie zu Beginn der Impfkampagne. "Eine Priorisierung nach Alter, Krankheit sowie Berufsgruppe muss erneut in Betracht gezogen werden", sagt Brysch den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Über dieses Thema berichteten am 17. November 2021 Deutschlandfunk um 05:00 Uhr und MDR aktuell um 07:30 Uhr in den Nachrichten.