Helmut Holtkamp (73) wird im Impfzentrum im Kreis Borken mit dem Impfstoff der Firma Astrazeneca geimpft. Menschen ab 60 Jahren können ab heute in Nordrhein-Westfalen einen Termin zur Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca vereinbaren. | dpa

Impfkampagne in Deutschland Zehn Millionen sind einmal geimpft

Stand: 03.04.2021 18:42 Uhr

Kaum waren die Termine freigeschaltet, waren die Systeme überlastet: In NRW haben Tausende versucht, eine AstraZeneca-Impfung zu bekommen. Insgesamt sind hierzulande nun zehn Millionen Menschen einmal geimpft, darunter auch der RKI-Chef.

Die Diskussion um mögliche Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffs hat in den vergangenen Tagen für viel Unsicherheit gesorgt - in Nordrhein-Westfalen ließen sich Tausende Menschen davon jedoch nicht abhalten, spontan einen Termin für eine Impfung mit AstraZeneca zu ergattern.

Bereits am frühen Morgen führte der Ansturm auf die Impf-Termine für die über 60-Jährigen zu überlasteten Leitungen am Telefon und im Internet. Während viele sich vergeblich die Finger wund wählten, kamen die ersten erfolgreichen Termin-Jäger hingegen noch heute an ihre Impfung.

NRW hat 450.000 Impfdosen zu vergeben

Die Gruppe ab 60 Jahren kommt außerhalb der üblichen Reihenfolge zum Zuge, nachdem die Ständige Impfkommission empfohlen hatte, das Vakzin von AstraZeneca nicht mehr bei Jüngeren einzusetzen. Damit wurden allein in Nordrhein-Westfalen kurzfristig 450.000 Impfdosen frei.

Hintergrund ist die Entscheidung, diesen Impfstoff nicht mehr für Menschen unter 60 zu verwenden. Zuvor waren Fälle von Hirnvenen-Thrombosen insbesondere bei jüngeren Frauen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung aufgetreten.

Wieler und Seibert bekommen AstraZeneca

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, und Regierungssprecher Steffen Seibert konnten deshalb heute mit AstraZeneca geimpft werden. In einer Erklärung schrieb Wieler, er sei darüber "froh und glücklich".

Seibert twitterte von "Osterglück" und teilte ein Foto seiner Impfbescheinigung. "Erstgeimpft mit AstraZeneca", schrieb er dazu. Beide Männer sind 60 Jahre alt.

Zwölf Prozent der Menschen in Deutschland geimpft

Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sind inzwischen etwa zwölf Prozent der Menschen in Deutschland mindestens einmal geimpft worden. Das seien mehr als zehn Millionen Bürgerinnen und Bürger, twitterte der CDU-Politiker. 4,3 Millionen Menschen haben demnach bereits die zweite Impfung erhalten.

Allein am Freitag wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts und des Gesundheitsministeriums rund 217.000 Dosen geimpft. Bisher wurden Spahn zufolge knapp 10,7 Millionen Dosen des BioNTech-Impfstoffs verabreicht, 2,9 Millionen Dosen AstraZeneca und 0,7 Millionen Dosen von Moderna.

Eine Million Impfdosen für die Praxen

In der Woche nach Ostern starten rund 35.000 Hausärzte auf breiter Front mit den Impfungen gegen das Coronavirus. Der Hausärzteverband rät dazu, nach dem Start in den Praxen die Priorisierung beim Impfen in den Hintergrund treten zu lassen.

"Die Priorisierung war und ist eine gute Leitlinie für die Ärztinnen und Ärzte, solange der Impfstoff noch in geringen Mengen verfügbar ist", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der "Rheinischen Post". "Allerdings werden wir bald nicht mehr so sehr auf Zahlen, sondern zunehmend auf die Gesundheit der Menschen schauen müssen", fügte Weigeldt hinzu.

"Ein Mann von 69 Jahren mit Hypertonus und Diabetes sollte vielleicht eher die Impfung erhalten als eine 72-jährige Triathletin." Sobald mehr Impfstoff auf dem Markt sei, müsse die Priorität sein, "den zugelassenen Impfstoff schnellstmöglich allen, die können und wollen, zu impfen."

Patientenschützer erheben dagegen jedoch Einspruch: "Für das Impfangebot der Hausärzte gilt weiterhin die ethisch festgelegte Reihenfolge. Eine Abkehr wird im April nicht möglich sein, da Vakzine weiterhin knapp sind", sagte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

Die Praxen erhalten in der Woche nach Ostern knapp eine Million Impfdosen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Spahn bekommen sie in den ersten zwei Wochen ausschließlich den Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Danach komme noch AstraZeneca hinzu und später Johnson & Johnson.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2021 um 18:00 Uhr in den Nachrichten.

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Moderation 03.04.2021 • 22:45 Uhr

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