Anja Karliczek | Markus Schreiber/POOL/EPA-EFE/Sh

Debatte über Impfverordnung Karliczek will frühere Impfung für Lehrer

Stand: 07.02.2021 16:00 Uhr

In der kommenden Woche wird eine Neufassung der Impfverordnung erwartet. Bildungsministerin Karliczek ist dafür, Lehrer und Erzieher früher impfen zu lassen - und die Deutschen Kassenärzte fordern, schneller geimpft zu werden.

Nach der ersten Lieferung des Impfstoffs von AstraZeneca an Deutschland hat sich Bundesbildungsministern Anja Karliczek für eine frühere Impfung von Lehrern und Erziehern ausgesprochen. Sie verwies in den Zeitungen der Funke Mediengruppe darauf, dass der Impfstoff von AstraZeneca von der Ständigen Impfkommission nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen wird. Daher könne er "schon bald für Lehrerinnen und Lehrern und Erzieherinnen und Erzieher angeboten werden".

Beide Berufsgruppen nähmen eine ganz wichtige Aufgabe für die Gesellschaft wahr, sagte Karliczek in dem Interview. "Gerade die Grundschullehrerinnen und -lehrer und die Beschäftigten in den Kitas haben oft einen ganz engen Kontakt zu den Kindern". Eine rasche Impfungen von Lehrern und Erziehern würde daher "auch bei der Normalisierung des Schul- und Kitabetriebs helfen", sagte Karliczek.

Eine Öffnung von Schulen hält die CDU-Politikerin vorerst allerdings nur in Ausnahmefällen für möglich. Eine flächendeckende Rückkehr zum Präsenzunterricht "dürfte momentan wegen der allgemeinen Infektionslage vermutlich noch verfrüht sein", sagte Karliczek vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch. In Regionen, in denen das Infektionsniveau über eine längere Zeit gering sei, "könnte Präsenzunterricht mit reduzierten Klassen und angepasster Stundenzahl zu verantworten sein". Voraussetzung sei, dass in den Schulen "ganz strenge Präventionsmaßnahmen" beachtet würden. 

Städtetag unterstützt Vorschlag von Karliczek

Der Deutsche Städtetag setzt sich ebenfalls für Karliczeks Vorschlag ein. "Sobald das Infektionsgeschehen es zulässt, sollten Kitas wieder öffnen und Schulen stufenweise ebenfalls", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Weil es hier viele Kontakte gibt, auch sehr enge, sollten dem dort tätigen Personal rasch Impfungen angeboten werden." Damit werde das Infektionsrisiko in Schulen und Kitas sinken.

"Das Personal erwartet hier zu Recht eine klare Entscheidung der Politik", sagte er in Richtung Gesundheitsminister Jens Spahn. Dieser müsste vermutlich die Verordnung zur Impf-Priorisierung anpassen, damit die früheren Impfungen möglich sein könnten, fügte Dedy hinzu.

Ärzte wollen schneller geimpft werden

Deutschlands Kassenärzte fordern, dass sie schneller als geplant bei der Corona-Impfung zum Zug kommen. "Diejenigen, die andere jeden Tag behandeln, medizinisch versorgen und schützen, müssen auch selbst geschützt sein", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Natürlich muss wegen des knappen Impfstoffes priorisiert werden", sagte Gassen. "Aber die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen mit ihren Teams gehören unbedingt zum Kreis der vorrangig zu Impfenden."

In der geltenden Impfverordnung zählen Ärzte zur zweiten von drei prioritär zu impfenden Gruppen in Deutschland. Nach einem Entwurf soll auch eine für kommende Woche erwartete Neufassung der Verordnung daran nichts ändern. Noch bis Ende März herum sollen die Impfungen der ersten Gruppe dauern.

Kritik der Deutschen Stiftung Patientenschutz

Auch an anderer Stelle regt sich Kritik an der Impfverordnung. So kritisierte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dass Menschen mit schweren Vorerkrankungen oft nicht vorgezogen würden und dann oft auch noch vor Gericht scheiterten. Gegen Ungerechtigkeiten sei ein transparentes, nachvollziehbares und kleinteiligeres Vorgehen gefordert, sagte Brysch der dpa. Zudem werde zu wenig der Frage nachgegangen, welche Patientengruppen von Covid-19 besonders bedroht seien.

Krankenkassendaten über Grunderkrankungen müssten dafür mit Corona-Erkrankungen abgeglichen werden. Bisher würden diese Daten nicht geliefert. "Somit sind jüngere Schwerstkranke den individuellen Entscheidungen eines Gesundheitsamtes vor Ort ausgeliefert." Hier müssten die Betroffenen mühevoll um eine Impfung kämpfen. "Auch ein Verwaltungsgericht hilft oft nicht weiter, weil in der Regel solche Anträge abgelehnt werden."

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 07. Februar 2021 um 09:01 Uhr in den Nachrichten.