Impfstoffentnahme in Dresden | dpa

Beratung über Corona-Impfung Mehr Impfstoff beschaffen - aber wie?

Stand: 06.01.2021 10:16 Uhr

Kanzlerin Merkel und die zuständigen Minister beraten heute darüber, wie mehr Impfstoff beschafft werden kann. Besonders zwischen Gesundheitsminister Spahn und Finanzminister Scholz gibt es Gesprächsbedarf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel berät heute mit den zuständigen Fachministern darüber, wie mehr Impfstoff gegen das Coronavirus produziert werden kann. Teilnehmen werden Gesundheitsminister Jens Spahn, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Kanzleramtschef Helge Braun (alle CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD).

"Wird nicht am Staat scheitern" 

Nach dem Corona-Gipfel mit den Ministerpräsidenten hatte Merkel versichert, dass die Produktion von mehr Impfstoffen nicht am Staat scheitern werde. Spahns Sprecher Hanno Kautz sagte, das Treffen diene dem Austausch "zu der Frage, ob und wie die zusätzliche Produktion von Impfstoffen in Deutschland koordiniert unterstützt werden kann". Am Mittag will Spahn über den Stand bei den Impfungen informieren.

Zudem wird die baldige Zulassung weiterer Impfstoffe erwartet. Noch heute könnte die Europäische Arzneimittelagentur EMA grünes Licht für das Vakzin der Firma Moderna geben.

Streit in der Koalition

Wegen der Beschaffung des Corona-Impfstoffs der Firmen Biontech und Pfizer war der Gesundheitsminister zuletzt in die Kritik geraten. Scholz verteidigte die koalitionsinterne Auseinandersetzung mit Spahn: "Es geht um eine sehr ernste Sache, nämlich um die Frage, ob wir die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gut beschützen können", sagte der SPD-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Es gehe tatsächlich darum, ob genügend Impfstoff produziert und beschafft werde und zur Verfügung stehe. "Ohne transparente Beantwortung all dieser Fragen werden wir nicht weiter vorankommen."

Unmut gib es auch über den Umgang mit dem vorhandenen Impfstoff. Der Gesundheitspolitiker der Grünen, Janosch Dahmen, kritisierte, dass die in Deutschland vorhandenen 1,3 Millionen Impfdosen bislang nur zu einem geringen Teil verimpft worden sind. "Ich kann als Arzt überhaupt nicht verstehen, wie wir es in dieser dramatischen Situation überhaupt nicht geschafft haben, die 1,3 Millionen Impfdosen, die wir seit Dezember im Land haben, auch wirklich vollständig zu verimpfen", sagte Dahmen im ARD-Morgenmagazin. "Tatsächlich sind ja knapp 25 Prozent erst verimpft. Das reicht überhaupt nicht. Angesichts der Mutation aus England ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir müssen insbesondere bei der Impfung der Älteren schneller werden."

"Jetzt muss die Kanzlerin liefern"

Mit Blick auf das heutige Treffen sprach FDP-Fraktionsvize Michael Theurer von einem "offenbar eilig einberufenen Krisengipfel zum Impfstoff-Mangel", der überfällig sei. "Jetzt muss die Kanzlerin liefern und die Fehler und Versäumnisse der Bundesregierung tatsächlich ausbügeln."

Wenig Verständnis für den politischen Streit ums Impfen zeigte der Pflegebeauftragte der Bundesregierung. Das Thema sei angesichts Hunderter Corona-Toter nicht für politisches Gezänk geeignet, sagte Andreas Westerfellhaus. "Substanzlose Kritik an vergangenen Entscheidungen verwundert schon sehr und bringt uns nicht weiter. Wir brauchen jetzt alle Kräfte und müssen sie auf die Beschaffung des Impfstoffs konzentrieren", sagte Westerfellhaus.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 06. Januar 2021 um 07:10 Uhr.