Symbolbild: Ein Mann hält eine Spritze in der Hand. | Bildquelle: dpa

Empfehlung der Impfkommission Risikogruppen zuerst

Stand: 09.11.2020 12:24 Uhr

Zuversichtlich schauen die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung auf den Einsatz von Impfstoffen gegen Corona. Doch klar ist, am Anfang wird nicht genug Impfstoff vorhanden sein. Deshalb sollen zunächst Risikogruppen bevorzugt werden.

Ältere Menschen und Angehörige anderer Risikogruppen sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen sollen nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) bei Impfungen gegen Covid-19 bevorzugt werden. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das die STIKO gemeinsam mit dem Deutschen Ethikrat und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina erarbeitet hat und das in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach sollen außerdem Personen, die in "Bereichen der Daseinsvorsorge" Schlüsselfunktionen innehaben, ebenfalls prioritär geimpft werden. Dazu zählen Beschäftigte bei der Polizei, in Gesundheitsämtern oder an Schulen. "Wir müssen das so machen, dass am Ende der größte Nutzen für die ganze Bevölkerung dabei herauskommt", sagte der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens. Bisher gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Experten zeigten sich aber zuversichtlich, dass eine Impfung große Fortschritte im Kampf gegen die Pandemie bringen werde. "Wir haben zurecht Hoffnung auf einen Impfstoff", sagte Mertens.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, wies darauf hin, dass der Impfstoff, wenn er zur Verfügung steht, voraussichtlich sehr knapp sein wird. Daher müsse, bis genug für alle da sei, priorisiert werden. Bevorzugt werde müssten vor allem jene Menschen, die das höchste Risiko hätten durch das Virus schwer zu erkranken oder zu sterben. Außerdem müssten jene rasch geimpft werden, die Erkrankten beistünden und dadurch selbst erhöhtes Risiko einer Covid-19-Infektion trügen.

Keine allgemeine Impfpflicht

Ferner müssten jene, in deren Umgebung vulnerable Gruppen seien, durch Impfstoff geschützt werden sowie Personen, die dazu beitragen, das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten. Eine allgemeine Impfpflicht sei aber auszuschließen, fügte sie hinzu. Die STIKO am Robert-Koch-Institut ist zuständig für Impfempfehlungen in Deutschland. Das Gremium hat sich bei den Überlegungen zu einer Impfstrategie mit Expertinnen und Experten des Ethikrats und der in Halle ansässigen Leopoldina beraten.

Die Bundesregierung hatte bereits erkennen lassen, dass Risikogruppen wie Senioren und Vorerkrankte sowie Personal aus wichtigen Bereichen wie dem Gesundheitswesen im Blick stehen. "Ganz vorn dran sind natürlich Pflegekräfte, Ärzte und auch Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind dann allerdings schon recht viele in unserem Land", sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zählen bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland in der Corona-Krise zur Risikogruppe. "Bei uns sind 23 Millionen Deutsche über 60", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Wir sind ein Wohlstandsland mit Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewichtigkeit. Alles Risikofaktoren für dieses Virus, wie für viele Infektionskrankheiten übrigens auch."

Spahn rief alle Deutschen zu einer breiten Diskussion auf, welche Bevölkerungsgruppen zuerst gegen Corona geimpft werden sollten, wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht. "Ich finde es wichtig, dass es eine politische, aber auch gesellschaftliche Debatte gibt an jedem Mittagstisch, in der Familie oder auf der Arbeit", sagte Spahn der "Bild". Zu entscheiden sei, wer zuerst geimpft werden soll: Derjenige, der beruflich das größte Risiko hat. Derjenige, der Risikogruppe ist. Oder derjenige, der besonders viel Kontakt zu anderen hat. Der CDU-Politiker kündigte an, dass sich auch der Bundestag mit dieser Frage befassen werde.

Nationale Impfstrategie noch heute beschlossen?

Die Nationale Impfstrategie des Bundesgesundheitsministers soll einem Bericht des Nachrichtenportals "ThePioneer" zufolge noch heute vom Corona-Kabinett beschlossen werden. Geplant ist auch eine zentrale Dokumentation der Impfungen. "Hierzu soll ein webbasiertes Datenportal verwendet werden, welches bis zum Beginn der Impfaktivitäten in Deutschland durch das RKI entwickelt werden soll", zitiert das Portal aus dem Dokument. Die Regierung beabsichtigt damit einen möglichst umfassenden und aktuellen Überblick darüber, welche Bevölkerungsgruppen bereits geimpft sind. Erfasst werden sollen demnach nicht-personenbezogene Angaben wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Impf-Indikation, außerdem Ort und Datum der Impfung sowie das Impfstoff-Produkt mit Chargennummer.

Zudem werden demnach sieben mögliche Impfstoffe genannt, für die eine Zulassung innerhalb der EU angestrebt wird. Darunter ist der des Mainzer Unternehmens Biontech, das mit dem US-Pharmariesen Pfizer kooperiert, und der von Curevac aus Tübingen. "Einige Impfstoffhersteller haben noch im Jahr 2020 eine mögliche erste Auslieferung von Impfstoffdosen an die EU-Mitgliedstaaten in Aussicht gestellt", heißt es. "Sobald ausreichende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, wird angestrebt, die Impfaktivitäten in das Regelsystem übergehen zu lassen."

Auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen zur Versorgung mit Impfstoffen hatten sich die Gesundheitsminister der Länder und Spahn am Freitag geeinigt. Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht etwa vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfstoffe sollen den Angaben zufolge durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert werden. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden.

Gesundheitsminister Spahn zur Belastungen der Gesundheitsämter
Bericht aus Berlin , 08.11.2020

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13.363 Neuinfektionen in Deutschland

Noch aber ist kein Impfstoff auf dem Markt und die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter hoch. So meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI 13.363 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Das sind rund 2650 Fälle weniger als am Sonntag, wie aus Angaben des RKI vom Montagmorgen hervorgeht. An Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Am vergangenen Montag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 12.097 gelegen. Der Höchststand war am Samstag mit 23.399 gemeldeten Fällen erreicht worden.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 671.868 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 09. 11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Montag um 63 auf insgesamt 11 352. Das RKI schätzt, dass rund 429.600 Menschen inzwischen genesen sind.

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 1,01 (Vortag: 1,04). Das heißt, dass zehn Infizierte im Mittel etwa zehn weitere Menschen ansteckten. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Fachleute präsentieren Vorschläge zum Vorgehen bei Corona-Impfungen
tagesschau 14:00 Uhr, 09.11.2020, Ole Hilgert, RBB

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. November 2020 um 12:00 Uhr.

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