Ampulle mit dem Impfstoff BNT162b2 | Bildquelle: BIONTECH SE/HANDOUT/EPA-EFE/Shut

EMA zu Corona-Impfstoff Zweifel an Verschiebung der zweiten Dosis

Stand: 01.01.2021 16:17 Uhr

Wegen zunächst knapper Reserven haben sich Experten für eine Verschiebung der zweiten Impfdosis ausgesprochen. Die Europäische Arzneimittelbehörde dämpft die Erwartungen: Für das Verfahren wäre wohl eine Änderung der Zulassung nötig.

Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Verschiebung der zweiten Dosis des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer geäußert. Seit einigen Tagen wird diskutiert, ob man die nötige zweite Impfdosis später verabreichen sollte, um zunächst möglichst viele Menschen mit den knappen Vorräten zu impfen.

Die EMA zeigte sich skeptisch. Zwar sei eine Obergrenze für den zeitlichen Abstand zwischen den Dosen nicht explizit definiert, der Nachweis der Wirksamkeit basiere aber auf einer Studie, bei der die Verabreichung der Dosen im Abstand von 19 bis 42 Tagen erfolgte, teilte die EMA der Nachrichtenagentur dpa mit. Ein Abstand von sechs Monaten stehe dagegen nicht im Einklang mit den Bestimmungen und wäre demnach als sogenannte Off-Label-Anwendung zu werten. Eine solche Änderung würde auch eine Änderung der Zulassung und mehr klinische Daten erfordern.

Eine Verschiebung der zweiten Impfdosis hatte etwa Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, als "durchaus überlegenswert" bezeichnet. Ähnlich hatte sich der Bonner Virologe Hendrik Streeck geäußert.

Strategie in Großbritannien

Ein solches Verfahren wird in Großbritannien empfohlen. Dort hatte am Mittwoch nach dem Mittel von Biontech/Pfizer auch der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca und der Universität Oxford eine Notfallzulassung erhalten. Gleichzeitig sprach sich der Ausschuss für Impfstoffe dafür aus, für beide Impfstoffe vorerst möglichst vielen Menschen nur die erste Impfdosis zu verabreichen. Die zweite Dosis solle innerhalb von zwölf statt der ursprünglich vorgesehenen etwa zwei bis vier Wochen gespritzt werden.

Viele britische Experten begrüßten die Entscheidung als vernünftigen Ansatz, der Impfstoffknappheit zu begegnen. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass die Wirksamkeit nach der ersten Dosis geringer ist und beobachtet werden müsse, ob sich die Strategie wirklich bewähre.

Bisher mehr als 160.000 Impfungen in Deutschland

Die Zahl der geimpften Menschen in Deutschland steigt indes weiter. Bis Freitagmittag wurden insgesamt 165.575 Impfungen an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Geimpften demnach um 31.846. Diese Zahl könne allerdings auch Nachmeldungen enthalten und spiegele nicht die Zahl der an einem Tag tatsächlich Geimpften wider, betonte das RKI.

Unter den Geimpften sind 71.590 Bewohner von Pflegeheimen. 77.253 Personen erhielten die Impfung aus beruflichen Gründen. Darunter fällt medizinisches Personal mit sehr hohem Ansteckungsrisiko sowie Personal in der Altenpflege. Insgesamt 39.214 Menschen wurden wegen ihres hohen Alters geimpft.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Januar 2021 um 17:06 Uhr.

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