Eine Frau wird im Pflegeheim in Berlin geimpft | dpa

Kampf gegen Coronavirus Impfungen haben bundesweit begonnen

Stand: 27.12.2020 13:09 Uhr

Nach ersten Impfungen in Sachsen-Anhalt haben heute bundesweit auch offiziell die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Im Fokus stehen ältere Menschen in Heimen. Im Süden gab es zwei kleinere Pannen.

In Deutschland haben die Impfungen gegen das Coronavirus offiziell begonnen. In Berlin bekam am Morgen eine 101 Jahre alte Seniorin im Beisein von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci in einem Pflegeheim eine Spritze mit dem Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer. Auch zwei weitere hochbetagte Frauen wurden im Pflegeheim geimpft. Mannschaftswagen der Polizei waren vor der Einrichtung platziert.

Kalayci zeigte sich erleichtert über den "guten Start" der Impfungen. Es sei das Signal, dass es für das Impfen nie zu spät sei. Gerade bei älteren Menschen könnten durch Impfungen schwere Krankheitsfälle und viel Leid vermieden werden.

Auch andere Länder starten

Auch in weiteren Bundesländern wurde bereits am Morgen geimpft. Im nordrhein-westfälischen Siegen erhielt eine 95-Jährige in einer Senioren- und Pflegeeinrichtung als erste die Spritze verabreicht. In Mecklenburg-Vorpommern begannen die Impfungen in einer Pflegeeinrichtung in Güstrow.

In Magdeburg in Sachsen-Anhalt begannen drei mobile Impfteams um kurz vor 9.00 Uhr, Bewohnerinnen und Bewohner eines kommunalen Pflegeheims zu impfen. Rund 120 Seniorinnen und Senioren sowie etwa 60 Mitarbeitende wollten sich immunisieren lassen.

In Berlin sollen Mitarbeitende von Pflegeheimen parallel geimpft werden. Dafür geht am Sonntagnachmittag das mit 80 Impfkabinen größte der sechs Berliner Impfzentren in Betrieb. Es wurde in der Arena-Halle in Treptow aufgebaut, in der sonst Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bezeichnete den Beginn der Corona-Impfungen als "großes Weihnachtsgeschenk an die Bevölkerung". Er empfinde große Dankbarkeit, dass die Wissenschaft in der Lage gewesen sei, innerhalb von zehn Monaten einen Impfstoff zu entwickeln, sagte er vor einem Besuch eines Altenheims in Emsdetten. Laumann wollte am Nachmittag bei der ersten Impfung einer Bewohnerin im St. Josef-Stift dabei sein. In dem Heim leben 114 Bewohner - im Frühjahr waren dort 17 Bewohner im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Impfungen in Oberfranken und Augsburg verschoben

In Teilen Oberfrankens ist der geplante Start der Corona-Impfungen verschoben worden. "Heute finden keine Impfungen statt", sagte eine Sprecherin des Landkreises Coburg der Nachrichtenagentur dpa. Hintergrund ist nach BR-Informationen ein Problem in der Kühlkette während der Auslieferung des Impfstoffs. Aus Gründen der Vorsicht werde deshalb nur in den Impfzentren Bayreuth, Bamberg und Forchheim geimpft. In allen anderen oberfränkischen Kreisen und kreisfreien Städte müsse geklärt werden, ob der Impfstoff Schaden genommen haben könnte. Dazu seien auch Konsultationen mit der Herstellerfirma Biontech nötig.

Auch im Landkreis Augsburg wurde der Impfstart verschoben. Die Kühlkette sei nicht nachvollziehbar gewesen, teilte der Landkreis mit. "Aus dem integrierten Kühlprotokoll geht hervor, dass die erfasste Temperatur während des Transportes zunächst drei Grad Celsius und später minus ein Grad Celsius betragen hat", erläuterte Augsburgs Landrat Martin Sailer. Möglicher Hintergrund sei eine Fehlfunktion der Kühlbox, aber auch eine Absenkung der erfassten Temperatur in der Box durch den ursprünglich noch tiefgekühlten Impfstoff. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte man uns aus medizinischer Sicht nicht bestätigen, dass die Impfdosen bedenkenlos verwendet werden können", so der CSU-Politiker. Deshalb habe man sich entschlossen, den gelieferten Impfstoff vorerst nicht zu verwenden.

Nach Angaben des Herstellers Biontech muss der Impfstoff für einen längeren Zeitraum bei minus 70 Grad gelagert werden. In speziell entwickelten Versandboxen mit Trockeneis übersteht das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage.

Spahn überrascht von gestrigem Impfen

Der Impfstoff war am Samstag nach und nach in den Bundesländern angekommen. Der Landkreis Harz wollte nicht warten: Bereits am Abend wurde eine 101-jährige Seniorin in einem Pflegeheim in Halberstadt in Sachsen-Anhalt geimpft. Im Anschluss bekamen weitere Bewohnerinnen und Bewohner sowie Pflegekräfte des Heims Impfdosen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurde von diesem vorgezogenen Impfstart überrascht. Spahns Sprecher sagte der "Bild am Sonntag", der Minister freue sich mit der geimpften Seniorin und wünsche ihr alles Gute: "Allerdings hatten wir mit allen Partnerländern der EU und mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen."

Spahn zeigte sich zum bundesweiten Impfstart optimistisch, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. "Der Impfstart heute macht Hoffnung und gibt Zuversicht", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter.

Seehofer: Keine Sonderrechte für Geimpfte

Wer gegen das Coronavirus geimpft wurde, soll nach Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aber keine Sonderrechte genießen. "So wichtig das Impfen für uns alle ist: keine Sonderbehandlung für Geimpfte", sagte er der "Bild am Sonntag". Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften komme einer Impfpflicht gleich, und er sei gegen einen Zwang, betonte Seehofer.

Seehofer lehnte auch Sonderrechte von Unternehmen wie Airlines und Konzertveranstaltern ab. "Ich kann davor nur warnen", sagte er der "BamS". Eine Sonderbehandlung für Geimpfte spalte die Gesellschaft. "Des einen Privileg ist die Benachteiligung des anderen."

Die bundesweite Impfkampagne in Deutschland beginnt in Alten- und Pflegeeinrichtungen, die von mobilen Impfteams aufgesucht werden. Wer zuerst geimpft wird, entscheiden die Bundesländer und Behörden vor Ort. In den kommenden Tagen und Wochen sollen stetig weitere Dosen geliefert werden.

Über dieses Thema berichtete am 27. Dezember 2020 die tagesschau um 13:42 Uhr und tagesschau24 um 15:00 Uhr.