Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend | Bildquelle: dpa

Nach Fällen an Schulen Giffey auch für Masern-Impfpflicht

Stand: 02.04.2019 15:20 Uhr

Zuletzt hatten mehrere Masernfälle an Schulen für Unterrichtsausschluss von Schülern gesorgt und so die Diskussion über eine Impfpflicht angeheizt. Nun hat sich auch die Familienministerin dafür ausgesprochen.

In der Debatte um eine Masern-Impfpflicht hat nun auch die Bundesfamilienministerin Stellung bezogen: Franziska Giffey plädiert für eine Einführung.

"Der Staat muss dann handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen ist", erklärte die SPD-Politikerin zur Begründung. Es gehe nicht nur um die Verantwortung jedes Einzelnen für sich und seine Kinder, sondern auch um die Verantwortung für andere Menschen.

Eine Impfflicht einzuführen sei "keine leichtfertige Entscheidung", sondern müsse das Ergebnis einer "sorgfältigen Abwägung" sein. "Die Gesundheit und der Schutz der gesamten Bevölkerung setzen der individuellen Freiheit Grenzen", so Giffey weiter.

Spahn hält Impfpflicht für rechtlich umsetzbar

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte sich in dieser Woche für eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten und Schulen ausgesprochen. Zudem solle "idealerweise auch medizinisches Personal" gegen Masern geimpft sein.

Der CDU-Politiker hält es rechtlich auch für möglich, eine Impfpflicht in Gemeinschaftseinrichtungen umzusetzen. Es handele sich zwar um einen Eingriff in die Freiheit, aber die Aufklärungskampagnen in den vergangenen Jahren hätten nicht so gefruchtet wie erwartet. Immer noch sei die Zahl der Masern-Neuerkrankungen zu hoch.

Fälle an Schulen in Hildesheim und Bad Segeberg

Unterstützung kommt auch von Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. "Eine Impfpflicht in Deutschland wäre aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll", sagte der Präsident der Bundesärztekammer dem "Spiegel". "Wer sich impfen lässt, übernimmt nicht nur Verantwortung für sich, sondern für die Gesellschaft."

Vor allem seit den jüngsten regional schweren Masernausbrüchen wird in Deutschland über eine Impfpflicht diskutiert. Schulen im Raum Hildesheim in Niedersachsen und in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein hatten Schüler ohne Impfnachweis vom Unterricht ausgeschlossen.

Impfgegner sehen Verbindung zu Autismus

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Ablehnung von Impfungen zu einer der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Ohne die Impfverweigerer in den Industrieländern wäre die medizinische Ausrottung der Masern nämlich möglich, so die WHO.

Masern sind extrem ansteckend und potenziell tödlich. Neben der akuten Erkrankung kann es als Spätfolge zu einer Entzündung des Gehirns kommen. Alle betroffenen Patienten sterben daran. In vielen Industriestaaten gibt es immer mehr Impfgegner. Sie verbreiten in Online-Netzwerken die medizinisch unhaltbare Behauptung, es gebe einen Zusammenhang zwischen Masern-Impfungen und Autismus. Die Entwicklung droht die Erfolge im Kampf für die Ausrottung der Masern zunichte zu machen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2019 um 20:00 Uhr.

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