Ein Mann lässt sich in einem Bus in Kiel impfen. | picture alliance/dpa

Coronavirus "Impfbereitschaft ist ansteckend"

Stand: 13.09.2021 14:04 Uhr

Der harte Kern der Impfgegner liegt laut Verhaltensökonomin Schmelz bei unter fünf Prozent. Die große Masse der Ungeimpften seien also Menschen, die man gut erreichen könne. Diese müsse man durch Aufklärung überzeugen.

Zum Start der bundesweiten Impfwoche im Kampf gegen das Coronavirus sieht Psychologin und Verhaltensökonomin Katrin Schmelz die Möglichkeit, die Impfquote noch deutlich zu erhöhen. Impfskeptiker könnten sich zu Menschen entwickeln, die sich impfen lassen wollen, erklärte die Wissenschaftlerin der Universität Konstanz im Interview mit tagesschau24. Es sei viel Potential vorhanden, um Überzeugungsarbeit zu leisten.

"Impfbereitschaft ist ansteckend, Impfskepsis aber auch", so Schmelz. Der harte Kern der Impfgegner liege nur bei unter fünf Prozent, sagte Schmelz. Damit sich Impfgegner im Laufe der Zeit zu Impfbefürwortern entwickeln, sei es wichtig, dass die Impfung und vor allem die Aufklärung darüber zu den Menschen komme.

Unentschlossene seien oft Personen, die sich nicht aktiv selbst im Internet informieren. Diese müssten zum Beispiel aufgeklärt werden, dass Langzeitfolgen bei einer Impfung aus medizinischer Sicht nicht zu erwarten seien.

"Positiv über Impfung sprechen"

Ein Hebel könne sein, positiv über die Corona-Impfung zu sprechen. Zum Beispiel klinge die Zahl "62 Prozent Geimpfte" wenig, aber es müsse sich klar gemacht werden, dass sich diese Zahl auf die Gesamtbevölkerung und auf doppelt Geimpfte beziehe.

Der Teil der impfbereiten Erwachsenen liege nämlich viel höher. 77 Prozent der Erwachsenen seien bereits einmal geimpft, erklärte die Verhaltensökonomin. Diese Zahl sei ein viel positiveres Signal über die Impfbereitschaft an diejenigen, die sich noch unsicher sind.

Außerdem müsse man auf den "Nachmacher-Effekt" setzen. "Wir sehen in unseren Studien, dass es Konformität bei der Impfbereitschaft gibt", so Schmelz. Die Corona-Impfkampagne stocke nicht, sie gehe konstant weiter.

Skepsis bei Impfpflicht

Skeptisch zeigte sich Schmelz im Hinblick auf Diskussionen über eine Corona-Impfpflicht. Daten zeigen laut der Wissenschaftlerin, dass die Bereitschaft, sich impfen zu lassen bei einer Freiwilligkeit höher als im Falle einer Impfpflicht ist.

Es gebe einen ganz starken Effekt des Vertrauens in die Regierung auf die Impfbereitschaft. "Die Regierung hat immer beteuert, dass es keine Impfpflicht geben wird. Wenn diese nun doch eingeführt werden würde, wäre das Gift für das Vertrauen und würde die Impfbereitschaft zerstören", erklärte Schmelz.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. September 2021 um 11:00 Uhr.