Eine Apothekerin zieht in einem polizeiinternen Impfzentrum beim Impfstart gegen das neuartige Coronavirus AstraZeneca-Impfstoff auf.  | dpa

Nach EMA-Empfehlung Aufholen in Sachen AstraZeneca

Stand: 19.03.2021 15:05 Uhr

Unzählige AstraZeneca-Impfungen konnten zuletzt nicht stattfinden - ab heute wird das Mittel wieder gespritzt. Beim Impfgipfel will das Kanzleramt vorschlagen, nach Ostern auch die Hausärzte zu beteiligen.

Nach der Empfehlung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA werden heute die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin wieder aufgenommen. Beispielsweise in Baden-Württemberg sollen verfügbare Termine zunächst weiter unter anderem Menschen über 80 angeboten werden.

In Nordrhein-Westfalen soll AstraZeneca Berufsgruppen wie etwa Lehrerinnen und Lehrern an Grund- und Förderschulen zur Verfügung gestellt werden. Daran gibt es allerdings seit Tagen Kritik. Im Saarland sollen Impfungen in einem Modellprojekt der Hausarztpraxen sowie in Krankenhäusern fortgesetzt werden. In Hamburg soll das AstraZeneca-Mittel etwa in Schwerpunktpraxen Menschen mit besonderen Erkrankungen verabreicht werden.

"Gut über Risiko informieren"

Es gelte, beim Impfen jetzt wieder aufzuholen, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der Nachrichtenagentur dpa. Nach bisherigen RKI-Zahlen seien durch das Aussetzen mindestens Zehntausende Impfungen pro Tag verpasst worden. Das könne perspektivisch mehr Todesfälle durch Covid-19 bedeuten. Die EMA-Empfehlung sei zu begrüßen und auch so zu erwarten gewesen, sagte Watzl: "Es muss nun gut darüber informiert werden, dass es das Risiko der seltenen Hirnvenenthrombosen gibt."

Angesichts der Wahrscheinlichkeiten, schwere oder tödliche Covid-19-Verläufe zu bekommen, sei es auch in jedem Fall sinnvoller, sich jetzt mit dem Produkt von AstraZeneca impfen zu lassen, anstatt gegebenenfalls Monate auf einen anderen verfügbaren Impfstoff zu warten.

Kanzleramt: Ab 5. April sollen auch Hausärzte impfen

Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder wollen am Nachmittag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Telefonkonferenz darüber beraten, wie die Impfkampagne beschleunigt werden kann.

Thema wird auch die Einbindung der Hausärztinnen und -ärzte sein. Ab der Woche nach Ostern sollen nach den Plänen des Bundeskanzleramts immer mehr Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen möglich sein. Für die Woche ab dem 5. April sind demnach aber zunächst nur rund eine Million Impfdosen für die Arztpraxen vorgesehen, für die letzte Aprilwoche werden mehr als 3,1 Millionen angestrebt. Die Impfzentren sollen künftig laut Entwurf weiter mit 2,25 Millionen Impfdosen wöchentlich rechnen können, wie dies die Gesundheitsminister zuvor vereinbart hatten.

Wunsch nach einem höheren Impftempo

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestags, Erwin Rüddel, erwartet mehr Tempo für die Impfkampagne, sobald auch die Hausärzte einbezogen werden. In den Praxen dürfe die bisherige Priorisierung dann aber nicht mehr greifen, forderte der CDU-Politiker in der "Passauer Neuen Presse". "Die Ärzte kennen ihre Patienten und nehmen selbst eine Priorisierung vor", sagte Rüddel.

Auch Grünen-Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte, sofort auch Corona-Impfungen durch Haus- und Betriebsärzte zuzulassen. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte sie: "Sie kennen ihre Patienten, sie wissen, wen sie wie aufklären müssen."

Länder wollten Praxen spätestens ab Mitte April impfen lassen

Am 10. März hatten sich die Landesgesundheitsminister auf eine Empfehlung für das heutige Spitzentreffen geeinigt: Spätestens in der Woche vom 19. April sollen die Impfungen in den bis zu 70.000 Haus- und Facharztpraxen flächendeckend beginnen.

In der Woche vor dem Impfstopp von AstraZeneca hatten die Länder knapp 1,8 Millionen Impfdosen gespritzt, also weniger, als sie für sich künftig reserviert sehen wollen. Spahn sagte vor einer Woche, wenn 50.000 Praxen mitmachten und sich auf die geringe Menge von je 20 Impfungen pro Woche beschränkten, bräuchten sie schon eine Million Dosen. Da die Länder aber 2,25 Millionen Dosen wollten, sei klar, dass zunächst mehr Impfstoff da sein müsse.

Die Liefermengen sollen allerdings deutlich steigen. Im zweiten Quartal sollen 46,6 Millionen Dosen von BioNTech/Pfizer und Moderna und 16,9 Millionen AstraZeneca-Dosen geliefert werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. März 2021 um 07:11 Uhr.

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Moderation 19.03.2021 • 18:32 Uhr

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