Fläschchen mit dem Impfstoff von AstraZeneca | REUTERS

EU-Angaben AstraZeneca will mehr Impfstoff liefern

Stand: 31.01.2021 22:34 Uhr

Vor dem Impfgipfel von Kanzlerin Merkel, den Ländern und der Pharmaindustrie kommt Bewegung in den Streit mit AstraZeneca. Laut EU liefert der Konzern nun doch mehr Impfstoff, aber immer noch weit weniger als geplant.

Der Hersteller AstraZeneca will nun wohl doch im ersten Quartal mehr Impfstoff an die Europäische Union liefern als angekündigt. Es kämen neun Millionen Dosen hinzu, also insgesamt 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter mit. Das ist die Hälfte der ursprünglich anvisierten Menge von 80 Millionen Dosen.

Von der Leyen schrieb auch, AstraZeneca wolle eine Woche früher mit der Lieferung beginnen als geplant. Die Firma wolle zudem ihre Produktionskapazität in Europa ausbauen. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einer guten Nachricht und einem guten Schritt nach vorn.

Von der Leyen: Schwierige Phase bis ins Frühjahr

Dem ZDF sagte von der Leyen, die schwierige Phase werde noch bis ins Frühjahr andauern. Ziel sei es, dass 70 Prozent der Erwachsenen in Europa bis Ende des Sommers geimpft seien. Mit dem britischen Premierminister Boris Johnson sei vereinbart, dass EU und Großbritannien jeweils aus beiden Regionen mit Impfstoffen beliefert werden.

Trotz der Lieferengpässe sei der EU beim Impfen auf dem richtigen Weg, sagte von der Leyen weiter. Inzwischen seien zwölf Millionen Menschen in der Europäischen Union geimpft worden, das sei eine "stattliche Zahl".

Noch immer 40 Millionen Dosen weniger

AstraZeneca hatte vor gut einer Woche überraschend mitgeteilt, im ersten Quartal statt 80 Millionen nur 31 Millionen Dosen Impfstoff an die EU-Staaten zu liefern. Die EU reagierte empört und setzte die Firma unter Druck, die Lieferkürzung zurückzunehmen. Das soll laut von der Leyen nun zumindest zum Teil geschehen. Der Impfstoff ist seit Freitag in der EU für Erwachsene ohne Altersbegrenzung zugelassen.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission das Mittel aber nur für Erwachsene unter 65 Jahren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will deshalb die Impfverordnung überarbeiten. Darüber wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder an diesem Montag auf ihrem Impfgipfel beraten. Daran nehmen auch Vertreter der Impfstoff-Hersteller und der EU-Kommission teil.

Scholz erwartet klaren Fahrplan

Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz erwartet von dem Gipfel einen klaren Fahrplan für die Impfungen in Deutschland. "Impfen hat oberste Priorität", sagte Scholz der "Süddeutschen Zeitung". Dies müsse sich nun auch in einem Konzept niederschlagen. "Es reicht als Planung nicht, dafür neben den Impfzentren irgendwann die Hausärzte einbeziehen zu wollen", sagte der Vizekanzler. Das scheine ihm als Konzept zu sehr aus dem Ärmel geschüttelt zu sein. 

Mehrere Ministerpräsidenten sowie Verbände wie der Deutsche Städtetag forderten Klarheit über Menge und Zeitpunkt der Lieferungen von Impfstoffen, damit Impfzentren besser planen könnten. Die ersten Wochen des Impfstarts waren von Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller, Problemen bei der Terminvergabe und viel Unmut über fehlenden Impfstoff begleitet.

Kritik an Impfstrategie

Scholz kritisierte die Strategie der Europäischen Union beim Einkauf von Impfstoffen. "Es wäre gut gewesen, Europa hätte mehr Impfstoff bestellt. Viel weiter über den eigenen Bedarf hinaus." Am Geld wäre ein solches Vorgehen aus seiner Sicht nicht gescheitert. "Über den Kauf der Impfstoffe hat die EU-Kommission verhandelt. Wenn die Kommission von uns weitere Finanzmittel erbeten hätte, hätten wir auch der EU zusätzliches Geld überwiesen."

Der SPD-Politiker betrachtet auch das von Merkel ausgegebene Ziel skeptisch, bis zum Ende des Sommers allen Bürgern ein Impfangebot zu machen. "Diese Zusage haben Kanzlerin und Gesundheitsminister gegeben. Wenn ich die aktuelle Debatte über Impfstofflieferungen verfolge und hochrechne, müssen wir uns sehr anstrengen", antwortete Scholz auf die Frage, ob er Zweifel habe, dass das Ziel zu erreichen ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Januar 2021 um 20:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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und die ganze Corona 01.02.2021 • 00:12 Uhr

Impfen ist eine Frage der Solidarität

Ein User schreibt: Meine Frau und ich haben deshalb beschlossen, dass wir uns dann eben noch nicht impfen lassen Wenn alle Menschen immer alle anderen vorschicken wollen, gibt es in tausend Jahren keinen Fortschritt. Impfung hat mit Mut und Solidarität zu tun. Jedenfalls nicht mit Zaudern und Egoismus.