Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlässt ihre Pressekonferenz.  | dpa
Analyse

Ergebnisse des Impfgipfels Das Problem bleibt bestehen

Stand: 02.02.2021 02:16 Uhr

Rund um die Impfstrategie des Bundes gibt es viel Unmut. Das konnte auch der Impfgipfel nicht ändern. Denn die Ergebnisse waren äußert vage: Ein noch auszuformulierender "Impfplan" und wiederholt die Bitte um Verständnis.

Von Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

Es war am frühen Abend, die Pharmafirmen waren schon nicht mehr zugeschaltet beim Impfgipfel im Kanzleramt - da stellten sich einige der teilnehmenden Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten die Frage, was sie eigentlich als Ergebnis im Anschluss verkünden sollten. Die Stimmung sei schon mal besser gewesen, heißt es.

Martin Schmidt ARD-Hauptstadtstudio

Dabei hatte Gesundheitsminister Spahn bereits im Vorfeld die Erwartungen dämpfen wollen: mehr Impfstoff, mehr Planbarkeit - alles nachvollziehbare Wünsche der Länder, aber von heute auf morgen nicht erfüllbar. Und was ist nun mit den Ergebnissen? Gipfel bleibt eben Gipfel - und die Journalisten saßen bereits im Kanzleramt und warteten.

Impfangebot für alle Deutschen bis Ende des Sommers

Es war nicht viel, was Bundeskanzlerin Merkel gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Müller und Bayerns Ministerpräsident Söder nach fünf Stunden präsentieren konnte. Immerhin das schon oft genannte Ziel bleibt bestehen - trotz aller Lieferschwierigkeiten der Hersteller: Bis zum Ende des dritten Quartals, also bis Ende September, soll jeder Deutsche ein Angebot zur Impfung bekommen. Alle bis auf die Millionen Kinder, für die die bisherigen Impfstoffe noch nicht zugelassen sind. Im Sommer könnte es auch da Möglichkeiten geben, deutet Merkel an.    

Ansonsten ist in der Pressekonferenz viel von Verständnis die Rede. Vom Verständnis der Hersteller, denen die Länder klargemacht haben wollen, wie wichtig auch Zusagen geringer Impfdosen-Mengen sind. Nur so könnten sie die ersehnten Termine verlässlich vergeben. Vom Verständnis der Politik für die Hersteller, die erneut erklären konnten, wie komplex die Herstellungsverfahren gerade der neuartigen mRNA-Impfstoffe sind. Mal schnell beliebig die Produktion hochfahren, in welchem Werk auch immer - so einfach sei das nicht. Selbst ein großes erfahrenes Unternehmen wie Bayer, dass im Januar eine Kooperation mit Curevac vereinbart hat, brauche bis mindestens Ende des Jahres, um deren Impfstoff herzustellen.

Merkel bittet um Geduld und verteidigt europäischen Weg

Und Verständnis zeigt Merkel auch für die Bürger. Es sei schon früh von großen Millionensummen an bestellten Impfdosen die Rede gewesen. Die Politik hätte deutlicher machen müssen, dass diese nicht alle gleich zu Beginn zur Verfügung stehen, sagt sie. Bei all dem gegenseitig geäußerten Verständnis klingt ein Wunsch stets mit durch: Dass die Bevölkerung bitte auch etwas Verständnis dafür aufbringen sollte, dass die Situation in Deutschland ist, wie sie ist.

Die Geschwindigkeit mit der andere Länder wie Israel, Großbritannien oder die USA vorangehen, hat die Kanzlerin auch wahrgenommen. Aber sie verteidigt den europäischen Weg, ohne frühere Notzulassung, die Vertrauen in die Impfstoffe gekostet hätte, ohne ein Aufschieben der zweiten Impfdosis, was die Experten hierzulande nicht empfehlen. Und auch ohne den Herstellern mehr Geld zu bieten, was - so sagt es Merkel mit Bezug auf eine Aussage der Firmen heute - auch nicht zu schnelleren Dosen-Lieferungen geführt hätte.

Mehr Impfstoff im 2. Quartal

"Wir haben gelernt, wie kompliziert die gesamten Lieferketten zusammenhängen", erklärt Müller in der Pressekonferenz und räumt ein, dass es im ersten Quartal bei den Impfstoffen "knapp" bleiben werde. "Das wird für die Geduld der Menschen noch mal eine echte Herausforderung", gesteht auch Söder. Der Rückstand gegenüber anderen lasse sich nicht mehr aufholen. Das Problem also, es bleibt bestehen. Denn noch gibt es zu wenig Impfstoff - auch wenn sich manch einer vom Gipfel vielleicht auch diesbezüglich mehr versprochen hatte.

"Wunder werden da jetzt nicht passieren", holte die Kanzlerin am Ende des Tages all diejenigen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Manch Ministerpräsidentin und Ministerpräsident war da bereits frustriert auf dem Heimweg: Ein langer Nachmittag, mit mitunter länglichen Vorträgen der Länderkollegen. "Hätte ich mir auch sparen können", kommentiert einer. Nach neu gewonnenem Verständnis klingt das nicht.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Februar 2021 um 22:30 Uhr.