Spritze mit dem AstraZeneca Covid-19-Impfstoff | AFP

Debatte um Impfstoff PEI bewertet AstraZeneca-Vakzin weiter positiv

Stand: 18.02.2021 21:45 Uhr

Impfreaktionen, Krankschreibungen und geplatzte Impftermine - das AstraZeneca-Vakzin hat für Diskussionen gesorgt. Das Paul-Ehrlich-Institut hält den Impfstoff weiter für wirksam und sicher. Ärzte und Politiker versuchen Vertrauen zu schaffen.

Auch nach negativen Erfahrungen von Geimpften haben die Behörden keine besonderen Bedenken gegen den Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca. "Das Nutzen-Risiko-Profil wird für alle drei Impfstoffe als weiterhin positiv bewertet", berichtete das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Sowohl eigene Analysen als auch internationale Daten "weisen nicht auf ein neues Risikosignal hin", heißt es in dem jüngsten Sicherheitsbericht.

In den vergangenen Tagen hatten sich Beschwerden von Geimpften über starke Reaktionen, Krankschreibungen und geplatzte Impftermine gehäuft. Das Mittel von AstraZeneca war als dritter verfügbarer Impfstoff erst am 30. Januar zugelassen worden - bis 12. Februar wurden dem PEI 20 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen nach Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffs direkt gemeldet. Man habe aber Berichte aus Kliniken und Pflegeeinrichtungen bekommen, "in denen über vermehrte Krankmeldungen des mit dem Covid-19-Impfstoff AstraZeneca geimpften Personals berichtet wird", hieß es aus Langen.

Bei den gemeldeten Reaktionen handelt es sich dem PEI zufolge um "bekannte und in der Fachinformation aufgeführte systemische, vorübergehende unerwünschte Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl, die insgesamt als grippeähnliche Beschwerden zusammengefasst werden können". Die Reaktionen seien "nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden". Es handele sich in der Regel um "die normale Immunantwort des Körpers auf die Impfung". Aus den klinischen Prüfungen sei bekannt, dass ältere Personen weniger stark reagierten als jüngere. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen nehme bei der zweiten gegenüber der ersten Impfung leicht ab.

AstraZeneca weist Vorwürfe zurück

AstraZeneca hatte zuvor Darstellungen zurückgewiesen, sein Impfstoff habe nur eine geringe Wirksamkeit. Das Vakzin schütze "tatsächlich zu mehr oder weniger 100 Prozent vor den schweren Verläufen der Erkrankung", sagte Klaus Hinterding, Vizepräsident bei AstraZeneca Deutschland, im rbb-Inforadio. Das habe man in den klinischen Studien sehr deutlich nachgewiesen.

Der Impfstoff stößt auf Vorbehalte, weil seine Wirksamkeit beim Schutz vor einer Infektion mit rund 70 Prozent angegeben wird, diejenige der Produkte von BioNTech/Pfizer und Moderna dagegen mit deutlich über 90 Prozent. "Was oft verwirrend wirkt, ist der Unterschied zwischen dem Schutz vor schweren Verläufen und dem Schutz vor einer Ansteckung", sagte dazu Hinterding. Dies hänge jedoch auch davon ab, was genau in den Studien untersucht wurde. "Das Wichtigste ist, jeder Impfstoff schützt besser als gar keine Impfung. Das Schlechteste, was man tun kann, ist tatsächlich, sich gar nicht impfen zu lassen", sagte der Unternehmensvertreter.

Politiker und Ärzte wollen Vertrauen stärken

Ärzte, Politiker und Immunologen sind unterdessen bemüht, das Vertrauen in die Impfungen zu stärken. Jeder Impfstoff böte einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung und sei "um ein Vielfaches besser als keine Impfung", sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). "Zu sagen, der AstraZeneca-Impfstoff wäre zweitklassig, ist sowohl wissenschaftlich als auch von der öffentlichen Wirkung völlig daneben", so Watzl.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gab ein klares Bekenntnis zu AstraZeneca ab. Der Bundestagsabgeordnete und Mediziner arbeitet ab Ende kommender Woche als Impfarzt in einem Leverkusener Impfzentrum und bekommt dabei den Impfstoff von AstraZeneca verabreicht.

Für eine öffentlichkeitswirksame Impfung, um das Vertrauen in einen Corona-Schutz zu stärken, plädierte auch die FDP. Der Fraktionsvize der Liberalen, Michael Theurer, schlug eine baldige Impfung von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier vor. "Es wäre sicherlich ein sehr positives Signal, wenn sich Bundeskanzlerin und Bundespräsident zeitnah öffentlich impfen lassen würden", sagte Theurer der "Bild"-Zeitung.

Die Skepsis der Menschen gegenüber dem AstraZeneca-Impfstoff führt teils zu bedenklichen Situationen. Obwohl viele Menschen einerseits sehnsüchtig auf einen Impfstoff warten, bleiben beispielsweise in Berlin etliche Dosen ungenutzt liegen. Laut Bundesgesundheitsministerium sind seit vergangener Woche mehr als 30.000 Impfdosen dort eingetroffen. Aktuell verimpft wurden jedoch gerade einmal 990 Dosen (Stand: 15. Februar).

Bis 12. Februar wurden in Deutschland 3,8 Millionen Impfungen mit BioNTech/Pfizer, knapp 87.000 Impfungen mit Moderna und gut 31.000 Impfungen mit AstraZeneca durchgeführt. Von den 7690 gemeldeten Verdachtsfällen entfielen 7277 auf BioNTech/Pfizer, 258 auf Moderna und 20 auf AstraZeneca, in 135 Fällen wurde der Impfstoff nicht genannt. Insgesamt 1178 Fälle wurden als schwerwiegend eingestuft. "Die Melderate betrug für die drei Impfstoffe zusammen 1,9 pro 1000 Impfdosen, für Meldungen über schwerwiegende Reaktionen 0,3 pro 1000 Impfdosen", berechnete das PEI.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Februar 2021 um 07:05 Uhr.