Ein Feuerwehrmann wird geimpft. | dpa

Lieferengpass bei BioNTech Verzögerte Impfungen

Stand: 22.01.2021 03:56 Uhr

Impftermine werden verschoben, Impfzentren öffnen später: Der Lieferengpass von BioNTech hat Folgen in mehreren Bundesländern. Doch die Auswirkungen sind nicht überall gleich - einige Beispiele.

Nordrhein-Westfalen: Impfstopp verhängt

In Nordrhein-Westfalen müssen die Impfungen gegen Corona vorerst in vielen Fällen pausieren. Grund sind Lieferverzögerungen des Herstellers BioNTech. Laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bekommt NRW in den kommenden Tagen 100.000 Impfdosen weniger als ursprünglich von BioNTech zugesagt.

Das Gesundheitsministerium hat deshalb am Dienstagabend einen Stopp für die am Tag zuvor gestartete Impfaktion an den Krankenhäusern verhängt. Auch in Altenheimen können vorerst keine weiteren Erst-Impfungen mit dem Impfstoff von BioNTech stattfinden.

Die zweite Impfung aber stehe nicht in Frage, heißt es aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Es würden immer genug Dosen zurückgehalten. NRW-Gesundheitsminister Laumann verteidigt deshalb seine Strategie, bei den Erstimpfungen langsam vorzugehen. "Das zahlt sich jetzt aus, weil wir überhaupt kein Problem haben, was die Zweitimpfung angeht. Es ist ganz wichtig, dass wir die machen können, wenn die Erstimpfung 21 Tage her ist", so Laumann. Allerdings stehen dem Berichte aus mehreren Einrichtungen entgegen, bei denen auch Termine für die zweite Impfung wieder abgesagt wurden.

Ein Banner weist auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Phoenix-West auf den Parkplatz des Impfzentrums hin. | picture alliance/dpa

NRW bekommt laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erstmal 100.000 Impfdosen weniger als ursprünglich zugesagt. Bild: picture alliance/dpa

Verschoben wurde auch der Start der Impfzentren in NRW. Vergleichsweise spät, ab dem 1. Februar, sollten hier die Über-80-Jährigen geimpft werden, die nicht in Pflege-Einrichtungen leben. Das soll jetzt erst eine Woche später beginnen - vom 8. Februar an.

Die oppositionelle SPD im Landtag von NRW kann keine Impfstrategie des Landes erkennen. Immer wieder gebe es plötzlich überschüssigen Impfdosen, die die Kommunen eigenhändig verteilten. "Die einen rufen dann durch Zufall bei der Feuerwehr oder in Kliniken an und sagen, kommen Sie vorbei", beschwert sich Josef Neumann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD. Es müsse aber eine klare Vorgabe des Landes geben.

Von Jens Eberl, WDR

Thüringen: Es geht aufwärts

Im bundesweiten Vergleich hinkt Thüringen bei den Corona-Schutzimpfungen noch immer hinterher. Trotzdem greift die Impfstrategie allmählich. Inzwischen sind rund 32.000 Menschen im Freistaat geimpft. Einige Hundert davon haben bereits die Zweitimpfung erhalten.

Zum Vergleich: Noch am 4. Januar bildete Thüringen das Schlusslicht im RKI-Ranking mit gerade einmal 810 Impfungen. Ein "Meldeproblem", erklärte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Und nicht das einzige: Ein Hacker-Angriff legte das Thüringer Online-Impfportal lahm, dann folgte ein Stromausfall bei der Eröffnung der Impftermin-Hotline, die zu allem Überfluss auch noch zahlreiche Verwechslungen verursachte: Weil sich die Nummer der Hotline nur in einer Ziffer unterschied, landeten viele Anrufer irrtümlich bei einem Autohaus in Weimar. 

Trotz dieser Pannen ist die Entwicklung seither durchaus positiv. So geht die Impfstrategie bei der Verteilung auf. Hier priorisierte Thüringen zunächst Krankenhäuser und Pflegeheime. Nach aktuellem Stand sind etwa zwei Drittel aller geimpften Thüringerinnen und Thüringer Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen oder Pflegepersonal.

Etwas später als andere Bundesländer eröffnete Thüringen am 13. Januar die ersten Impfzentren. Bisher sind 13 von insgesamt 33 geplanten Impfstellen in Betrieb. Ab dem 3. Februar sollen schrittweise weitere Zentren folgen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung, die in Thüringen mit der Logistik beauftragt ist, können hier derzeit 1000 Menschen täglich geimpft werden. Diese Zahl soll deutlich steigen, sobald es mehr Impfstoff gibt.

Doch genau hieran wird es in den nächsten Wochen fehlen, nachdem der Hersteller BionNTech/Pfizer kurzfristige Lieferengpässe verkündet hatte. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bezeichnete dieses Vorgehen als unfassbar. In den nächsten vier Wochen verliert der Freistaat rund 30.000 seiner insgesamt 93.600 geplanten Impfdosen. Trotzdem sollen laut Gesundheitsministerium alle bisher geplanten Impftermine stattfinden.

Von Andreas Kehrer, MDR Thüringen

Rheinland-Pfalz: "Ein deutlicher Dämpfer"

Der Impfstoff versiegt auch in dem Bundesland, in dem der erste in Europa zugelassene Impfstoff entwickelt wurde: BioNTech hat seinen Hauptsitz in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.

Der Impfkoordinator des Landes zeigte sich enttäuscht, nachdem der Bund die Impfstofflieferungen für Rheinland-Pfalz um 30.000 Dosen gekürzt hatte: "Das ist ein deutlicher Dämpfer für unsere erfolgreiche und schnelle Impfkampagne und stellt uns vor große logistische Herausforderungen", sagt Alexander Wilhelm. Bereits vereinbarte Termine in den Impfzentren für Erstimpfungen in der kommenden Woche müssen verschoben werden. Rheinland-Pfalz werde Betroffenen einen neuen Termin mitteilen.

Leere Stühle im Impfzentrum Kaiserslautern | picture alliance/dpa

In Rheinland-Pfalz mussten bereits vereinbarte Termine verschoben werden. Bild: picture alliance/dpa

Zweitimpfungen soll es aber weiterhin termingerecht geben: "Wir haben Vorsorge getroffen, dass genügend Impfstoff dafür zur Verfügung steht", sagt Wilhelm. "Die Menschen, die ihre Erstimpfung bereits erhalten haben, bekommen ihre zweite Impfung zum bereits mitgeteilten Termin. Hier ändert sich nichts." Es sei auch sichergestellt, dass besonders schützenswerte Gruppen wie ältere Menschen in Alten- und Pflegeeinrichtungen weiterhin von den mobilen Impfteams geimpft werden. Das gelte auch für das Personal der Einrichtungen.

Von Juri Sonnenholzner, SWR

Sachsen: Das Sorgenkind holt auf

Sachsen ist seit vielen Wochen das Corona-Sorgenland Nummer eins, und auch die Impfkampagne lässt zu wünschen übrig. Vor allem in den ersten Tagen nach dem Impfbeginn am 27. Dezember hakte es zwischen Leipzig und Görlitz gewaltig. Im bundesweiten Vergleich hat der Freistaat inzwischen zwar aufgeholt und Länder wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hessen bei der Impfquote sogar überholt - doch die nächsten Probleme sind längst da. Wegen des fehlenden Impfstoffs werden seit Anfang dieser Woche keine neuen Impftermine mehr vergeben; Sozialministerin Petra Köpping kündigte unlängst an, dass es ab Ende der Woche vorerst keine Immunisierungen mehr geben wird.

Der Impfstoff, der noch vorhanden ist, wird für bereits vereinbarte Impftermine sowie für die zweite Impfdosis verwendet. Erst wenn neue Dosen von BioNTech/Pfizer oder Moderna geliefert werden, wird das Portal zur Terminvereinbarung in Sachsen wieder freigeschaltet. "Wir können leider nur so viele Termine vergeben, wie wir auch Impfstoff haben", erklärt Kai Kranich vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Sachsen - und beschreibt ein bundesweites Problem.

Menschen gehen auf einem Weg Richtung Impfzentrum | picture alliance / Geisler-Fotop

Im Impfzentrum Löbau, Landkreis Görlitz, werden in der ersten Woche nur medizinisches Personal oder Mitarbeiter von Pflegediensten geimpft. Bild: picture alliance / Geisler-Fotop

Bisher wurden rund 9000 Impftermine über das Buchungsportal vergeben, die restlichen der knapp über 60.000 Impfungen fanden in Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen statt. Apropos Buchungsportal zur Impfterminvereinbarung: Dies brach zum Start der Impfzentren am 11. Januar direkt zusammen, die hohe Nachfrage hatte die Server überlastet. Die Möglichkeit, Termine telefonisch zu vereinbaren, ging ebenfalls später in Betrieb als geplant, auch hier technische Schwierigkeiten. Inzwischen funktioniert die Technik - aber wegen des fehlenden Impfstoffs werden auf der Hotline nur Fragen zur Impfung beantwortet. Termine folgen später.

Das Sozialministerium in Dresden rechnet eigenen Angaben zufolge mit Lieferungen von etwa 164.000 BioNTech-Impfstoffdosen nach Sachsen bis Mitte Februar. Hinzu kommen etwa 50.000 Dosen des Moderna-Vakzins. Sobald genug Impfstoff vorhanden ist, will Sachsen mehrere Tausend Menschen am Tag impfen - dafür sollen neben den schon bestehenden weitere Impfzentren aufgebaut werden. 

Von Ayke Süthoff, MDR

Hessen: Weniger Termine

Seit Impfbeginn in Hessen am 27. Dezember haben rund 82.000 Menschen die erste Impfdosis durch mobile Impfteams und in Krankenhäusern erhalten. 12.000 Personen aus dieser Gruppe wurden bisher mit der Zweitimpfung versorgt.

Sechs regionale Impfzentren (Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt am Main, Wiesbaden und Darmstadt) haben am 19. Januar mit dem Impfen begonnen. Geimpft werden zunächst die rund 400.000 Menschen in Hessen, die 80 Jahre und älter sind. Aufgrund der Impfstoff-Knappheit konnten in den Impfzentren bislang nur 60.000 Termine für eine Erst- und Zweitimpfung vergeben werden.

Eine Frau wird in Heuchelheim (Hessen) geimpft | dpa

Impfung in einem regionalen Impfzentrum: Auch in Hessen stockt die Terminvergabe. Bild: dpa

Bis zum 8. Februar hat der Bund dem Land Hessen wöchentlich rund 49.000 Impfdosen zugesagt. Die Hälfte dieser Dosen wird gelagert, um die Zweitimpfung zu gewährleisten. 20.000 Dosen gehen pro Woche an die Impfzentren. Die übrigen Dosen versorgen Alten- und Pflegeheime, sowie besonders belastete Krankenhäuser. Ab dem 9. Februar sollen hessenweit weitere 22 Impfzentren öffnen.

Von Gerrit Rudolph, HR

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Januar 2021 um 16:00 Uhr.