Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Kritik an Impfstoff-Kaufstrategie "Wir brauchen mehr Tempo"

Stand: 20.12.2020 08:46 Uhr

Schon bald soll auch in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden. Aber reichen die bestellten Impfdosen aus? CSU-Chef Söder bezweifelt das und kritisiert die Einkaufsstrategie der Bundesregierung. Die hat inzwischen nachgeordert.

CSU-Chef Markus Söder hat die Strategie der Bundesregierung beim Einkauf von Corona-Impfstoffen kritisiert. "Beim Impfstoff brauchen wir mehr Tempo", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". "Es muss alles darauf ausgerichtet werden, mehr Impfstoff zu bekommen, der dann schneller verteilt wird." Das müsse "absolute politische Priorität" sein, forderte Söder.

Auch Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, zeigte sich besorgt bezüglich der Menge kurzfristig verfügbaren Impfstoffes: "Ich mache mir Sorgen, ob der Impfstoff reicht. Wir müssen es wenigstens in einer ersten Runde schaffen, alle Pflegeheime abzusichern. Und deshalb ist es wichtig, dass jetzt auch genug Impfstoff kommt", sagte sie RTL.

Bundesregierung hat mehr Impfdosen geordert

Das Bundesgesundheitsministeriums hatte mitgeteilt, dass die Bundesregierung weitere Impfdosen für Deutschland gesichert hat.

Vom ersten Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer kommen aus einer EU-weiten Bestellung laut Ministerium nun 55,8 Millionen statt zunächst vorgesehener 40 Millionen Dosen. Zuerst hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet. Daneben wurden über nationale Zusagen schon weitere 30 Millionen Impfdosen des Präparats gesichert.

Neben diesen insgesamt 85,8 Millionen Dosen sind demnach über das EU-Kontingent nun 50,5 Millionen Dosen des Impfstoffes des US-Konzerns Moderna gesichert. Das Präparat hatte in den USA am Freitagabend eine Notfallzulassung erhalten.

Impfungen für 68,2 Millionen Bürger

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte auf Twitter, es solle jedem, der 2021 geimpft werden wolle, auch so bald wie möglich ein Impfangebot gemacht werden. "Dazu haben wir schon mit den beiden in Zulassung befindlichen Impfstoffen ausreichend Dosen."

Für die zwei Präparate der Mainzer Firma Biontech und des US-Herstellers Moderna sind dem Ministerium zufolge nun insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen - bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland.

Um möglichst schnell nach der Zulassung der Vakzine impfen zu können, beschleunigte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) den Prozess der Impfstoff-Chargenüberprüfung und stellte in Aussicht, dass die Chargenfreigabe noch am Tag der Zulassung erteilt werden könnte. Schon vor der Chargenzulassung könne bereits die Verteilung des Impfstoffes an die Impfzentren beginnen, teilte das Institut der "Bild am Sonntag" mit.

Beurteilung der EMA am Montag

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA will am Montag ihre Beurteilung über den ersten Impfstoff von Biontech und seines US-Partners Pfizer abgeben. Danach wird eine Zulassung durch die EU-Kommission erwartet.

Bund und Länder stellen sich dann auf einen Beginn von Impfungen am 27. Dezember ein. Sie sollen auch wegen der anfangs nur begrenzten Impfstoffmengen in mehr als 400 regionalen Impfzentren der Länder anlaufen. Mobile Impfteams sollen in Pflegeheime und Kliniken gehen.

Debatte über Impf-Priorisierung

Die gesicherten Mengen der Impfstoffe werden nicht auf einen Schlag, sondern erst nach und nach im Laufe des kommenden Jahres erwartet. Für das erste Quartal 2021 rechnet der Bund zunächst mit der Lieferung von 11 bis 13 Millionen Dosen. Deswegen wird eine Reihenfolge festgelegt, welche besonders schutzbedürftigen Gruppen sich vorrangig impfen lassen können.

Nach einer Verordnung von Bundesgesundheitsminister Spahn sollen Ältere über 80 sowie Bewohner und Personal in Pflegeheimen zuerst zum Zug kommen. "Höchste" Priorität hat daneben auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa in Intensivstationen und Notaufnahmen. Es folgen zwei weitere Festlegungen für Gruppen mit "hoher" und "erhöhter" Priorität.

Vizekanzler Olaf Scholz verteidigte die Priorisierung. "Natürlich wäre es am besten, wenn alle sofort geimpft werden könnten. Da das nicht geht, muss man eine Reihenfolge festlegen nach klaren wissenschaftlichen Kriterien", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es sei richtig, zunächst die zu impfen, die Schutz besonders nötig hätten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Dezember 2020 um 13:00 Uhr.

Darstellung: