Eine Gesundheitsamt-Mitarbeiterin mit einem Teststäbchen für einen Corona-Test. | dpa

Nach Covid-19 Immunitätsausweis - Ethikrat rät ab

Stand: 22.09.2020 10:00 Uhr

Nicht zum jetzigen Zeitpunkt: Der Ethikrat lehnt einen Covid-19-Immunitätsausweis ab. Beim Ausblick in die Zukunft ist das 24-köpfige Gremium aber gespalten.

Von Birgit Schmeitzner, ARD Hauptstadtstudio

Auf rund 50 Seiten hat der Ethikrat begründet, wie er zu Covid-19-Immunitätsausweisen steht. Ob sie sinnvoll sind, ethisch vertretbar, fair und sicher umsetzbar. Ergebnis: Zum jetzigen Zeitpunkt raten die Mitglieder des Beratergremiums einhellig von solchen Bescheinigungen ab.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Sie begründen das so: Es lasse sich nicht verlässlich nachweisen, dass und wie lange eine genesene Person immun ist. Entscheidend ist dabei der Zusatz: "zum jetzigen Zeitpunkt". Denn es ist zu erwarten, dass sich der medizinische Sachstand ändert und sich doch irgendwann nachweisen lässt, dass jemand immun ist und andere nicht anstecken kann. Für diesen Fall würde zumindest ein Teil der Ratsmitglieder seine Ablehnung aufgeben.

Ein "Jein" als Zukunftsszenario

Mit Blick in die Zukunft würden zwölf der 24 Mitglieder des Ethikrats unter bestimmten Voraussetzungen Immunitätsausweise für sinnvoll halten. Allerdings nicht pauschal, sondern stufenweise, zeitlich begrenzt und nur für bestimmte Bereiche. Zum Beispiel, damit Berufsgruppen arbeiten können, die viel mit anderen Menschen zusammenkommen. Die Expertinnen und Experten argumentieren "im Zweifel zugunsten der individuellen Freiheit", sie finden, dass Menschen die Chance bekommen müssen, ihre Grundrechte uneingeschränkt wahrnehmen zu können. Das könne auch dabei helfen, negative wirtschaftliche Folgen zu mildern.

All das ist mit vielen Voraussetzungen verbunden: Ein einfacher Eintrag im Impfbuch reiche nicht aus, die Bescheinigung müsse schon fälschungssicher sein. Und: Ein Immunitätsausweis dürfe nicht von der Pflicht entbinden, eine Alltagsmaske im öffentlichen Nahverkehr zu tragen.

Warnung vor frei verkäuflichen Corona-Tests

Der andere Teil des Gremiums sagt dagegen: Nein, die praktischen, ethischen und rechtlichen Bedenken gegen einen Immunitätsausweis seien einfach zu groß. Solche Bescheinigungen würden die Rechte von einigen wenigen in den Vordergrund rücken und eine Gesundheitsgefährdung der Allgemeinheit in Kauf nehmen. Eine weitere Sorge lautet: Ausweisinhaber könnten im allgemeinen Umgang mit der Epidemie nachlässig werden und zu einem schlechten Vorbild werden für diejenigen, die nicht immun sind.

Beim Ausblick auf die Zukunft ist also die Haltung der Ethikrat-Mitglieder geteilt. Gemeinsame Empfehlungen für die aktuelle Situation haben sie aber formuliert: Sie finden, dass mehr aufgeklärt werden muss, wie sich sorgloses Verhalten in der Corona-Epidemie auf sich selbst und die Mitmenschen auswirkt. Sie fordern mehr Forschung, mehr Information über die Aussagekraft von Antikörpertests. Und: eine strengere Regulierung von frei verkäuflichen Tests, die eine Immunität nachweisen sollen. Das Urteil der Ratsmitglieder über solche Tests fällt hart aus: Sie seien von einer "zweifelhaften Verlässlichkeit" und daraus ergebe sich ein Gefährdungspotenzial.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. September 2020 um 11:00 Uhr.