Ultraschalluntersuchung bei einer Schwangeren

Analyse zu individuellen Gesundheitsleistungen Zu wenig Informationen über IGeL

Stand: 12.07.2016 13:02 Uhr

Drei Viertel der Patienten fühlen sich nicht ausreichend über Schäden der individuellen Gesundheitsleistungen informiert. Viele dieser Leistungen nützen außerdem nichts. Das geht aus einer Analyse des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen hervor.

Jeder zweite Patient, dem in einer Arztpraxis Selbstzahlerleistungen angeboten werden, nimmt diese auch an. Dabei fehlen drei Viertel der Patienten ausreichende Informationen über Schäden und Nebenwirkungen der Leistungen. Das macht eine repräsentative Umfrage zu sogenannten IGeL im Auftrag des medizinischen Dienstes der Krankenkassen deutlich, der in Berlin vorgestellt wurde.

IGeL - das sind individuelle Gesundheitsleistungen, die Ärzte gegen Bezahlung anbieten und deren Kosten die Krankenkasse dem Patienten nicht erstatten muss. Darunter fallen bestimmte Vorsorgeuntersuchungen oder Therapien, bei denen nicht klar ist, ob sie das Maß des Notwendigen überschreiten und ob sie zweckmäßig und wirtschaftlich sind.

Ausführliche Aufklärung gefordert

"Für manche Facharztgruppe ist das IGeLn zum Volkssport geworden. Der IGeL-Markt boomt. Information und Aufklärung geraten in der Praxis dabei manchmal in den Hintergrund", sagt Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes. Er sieht die Ärzte gefordert, über Nutzen und mögliche Risiken der Selbstzahlerleistungen ausführlich aufzuklären.

Dafür müssten schriftliche Informationen zur Verfügung gestellt werden, sowie den Patienten zudem ausreichend Bedenkzeit gegeben werden, um sie nicht unter Druck zu setzen, fordert Pick.

Kein Schaden, aber auch kein Nutzen

Die Selbstzahlerleistungen führen häufig zu Verunsicherung. So berichten Schwangere, dass sie nicht wissen, ob sie sich für oder gegen zusätzliche Ultraschalluntersuchungen entscheiden sollen. Laut IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes schaden zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen Mutter und Kind nicht, nützen ihnen aber auch nicht.

Der IGeL-Monitor hat inzwischen 41 IGeL bewertet und beschrieben. Danach nützen die meisten zusätzlichen Angebote den Patienten nicht. Bei einigen gibt es sogar Hinweise auf mögliche Schäden.

Kassenärzte: IGeL nicht unter Generalverdacht stellen

Derweil werben Deutschlands Kassenärzte für Selbstzahler-Leistungen: "Es ist falsch, IGeL unter Generalverdacht zu stellen", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. "Im individuellen Patientenfall können IGeL durchaus medizinisch sinnvoll sein." Im Sinne eines guten Vertrauensverhältnisses zu seinen Patienten gäben Ärzte unter medizinischen Gesichtspunkten Empfehlungen ab. "Natürlich muss der Patient ausreichend Zeit haben, um über das Angebot entscheiden zu können", betonte der KBV-Chef.

Kritik von Krankenkassen

Der Sprecher des Krankenkassen-Spitzenverbands, Florian Lanz, wies die Äußerung Gassens zurück: Die Selbstzahler-Leistungen seien vor allem "ein Griff der Ärzte in das Patienten-Portemonnaie", so Lanz. "Der Versuch von Ärztevertretern, dies schön zu reden, ändert nichts an den Tatsachen", sagte Lanz. "Was medizinisch notwendig ist, das zahlen die gesetzlichen Krankenkassen."