Fertigung im Audi-Werk Ingolstadt | Bildquelle: picture alliance / Stephan Goerl

IG Metall attackiert SPD-Spitze "Industriepolitische Geisterfahrt"

Stand: 05.06.2020 09:58 Uhr

Es sind ungewohnt scharfe Worte der Gewerkschaft in Richtung SPD: IG-Metall-Chef Hoffmann wirft den Sozialdemokraten wegen der verhinderten Autokaufprämie fehlende industriepolitische Verantwortung vor - und lobt eine andere Partei.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hat die SPD-Spitze für die im Konjunkturprogramm fehlende allgemeine Pkw-Kaufprämie attackiert. Er sprach von einem "massiven Vertrauensverlust der Beschäftigten der Autoindustrie und angrenzender Branchen gegenüber der Sozialdemokratie". "Hier herrscht Enttäuschung, dass nicht industriepolitische Verantwortung, sondern die Demoskopie das Handeln der SPD-Spitze bestimmt hat", sagte Hofmann der "Augsburger Allgemeinen". 

Angst unter Beschäftigten

Unter den Beschäftigten herrsche ohnehin Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, so Hoffmann. Denn die Auto-Branche befinde sich in einem Umbruch von der Verbrennungs- zur Elektrotechnologie. "Man darf die für Deutschland so wichtige Branche mit direkt und indirekt über zwei Millionen Beschäftigten nicht in einer industriepolitischen Geisterfahrt gegen die Wand fahren", sagte Hofmann. "Jeder Industrie-Arbeitsplatz, der in einem Hochlohnland wie Deutschland verschwindet, kommt nicht wieder."

Lob für Söder

Lobende Worte fand der Gewerkschaftschef hingegen für den CSU-Vorsitzenden Markus Söder. Dieser habe richtige Forderungen eingebracht und in den Verhandlungen erfolgreich die Mehrwertsteuersenkung als "eine Art trojanisches Pferd eingeschmuggelt und damit eine verkappte Autoprämie für Verbrenner durchgesetzt", sagte Hofmann.

Die Große Koalition hatte sich am Mittwochabend nach langen Verhandlungen auf ein Programm zur Stützung der Wirtschaft in der Corona-Krise geeinigt. Dazu gehören auch Kaufzuschüsse für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Die vor allem von der Autoindustrie erhofften Prämien für Diesel und Benziner wurden nicht beschlossen.

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 05. Juni 2020 um 12:00 Uhr.

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