Der ICE steht im Bahnhof Seubersdorf am Gleis.

Vermutlich psychische Probleme Messerangriff in ICE wohl kein Terror

Stand: 07.11.2021 14:51 Uhr

Einen Tag nach der Messerattacke in einem ICE stellt ein Gutachten die Schuldfähigkeit des mutmaßlichen Täters infrage. Er leidet offenbar an einer Form der Schizophrenie. Er hatte bei dem Angriff vier Passagiere verletzt.

Einen Tag nach der Messerattacke in einem ICE auf der Strecke von Passau nach Hamburg bleibt das Motiv des Tatverdächtigen noch unklar. Die Polizei geht derzeit aber nicht von einer terroristisch motivierten Tat aus. Erste Einschätzungen deuteten darauf hin, dass der 27-jährige mutmaßliche Angreifer unter psychischen Beeinträchtigungen leidet.

Es gebe "keine Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund", teilte Kriminaldirektorin Sabine Nagel mit. Des Weiteren gebe es keinerlei Hinweise, dass der Verdächtige Mittäter oder Mitwisser gehabt habe.

Gutachten sieht Hinweise auf "paranoide Schizophrenie"

Eine erste Beurteilung durch einen Gutachter habe ergeben, dass der Mann unter einer "paranoiden Schizophrenie" leide und wahnhafte Vorstellungen habe, hieß es von dem Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof weiter. Er gehe davon aus, dass "die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit aufgehoben war". Die Staatsanwaltschaft habe beantragt, den Verdächtigen in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen. Es sollen weitere Gutachten folgen.

Vier Fahrgäste mit Klappmesser verletzt

Der Mann hatte am Freitagvormittag kurz nach Regensburg in dem Zug wahllos andere Reisende mit einem Klappmesser angegriffen. Zunächst gab die Polizei bekannt, er habe dadurch drei Menschen schwer verletzt. Mittlerweile sprechen die Behörden von vier Männern, die bei dem Angriff verletzt wurden. Ein 26 Jahre alter Fahrgast erlitt schwere Verletzungen am Kopf, weiterhin trugen zwei 60-jährige Passagiere Verletzungen davon. In einem weiteren Abteil des Zuges fügte der Tatverdächtige einem 39-Jährigen Stichverletzungen zu. Sowohl der 26 Jahre alte Mann als auch der 39-jährige Reisende befinden sich nach Polizeiangaben derzeit noch zur Behandlung im Krankenhaus.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot ausgerückt und hatte den Zug geräumt. Etwa 200 weitere Fahrgäste wurden in dem Ort Seubersdorf von Mitgliedern des Roten Kreuzes versorgt und betreut. Die Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg war über mehrere Stunden hinweg gesperrt.

Angriffe wohl "wie im Traum begangen"

Die Polizei hatte den in Syrien geborenen Tatverdächtigen widerstandslos festnehmen können. Laut Polizeipräsident Norbert Zink hatte er einen Tag vor dem Angriff seinen Arbeitsplatz verloren. Gegen ihn wird wegen Mordes ermittelt.

Bei einer ersten Befragung durch einen Gutachter habe der mutmaßliche Täter angegeben, er habe sich durch den 26 Jahre alten Fahrgast bedroht gefühlt und "gemeint, dieser Mann wolle ihn töten", sagte Oberstaatsanwalt Neuhof weiter. Die Angriffe auf die weiteren Passagiere habe der Verdächtige "wie im Traum begangen". "Er hat die Taten also nicht abgestritten", so Neuhof. Des Weiteren habe der 27-Jährige angegeben, er fühle sich durch die Polizei verfolgt. Sie schicke Männer, die ihn verrückt machen sollten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. November 2021 um 15:00 Uhr.