Screenshot aus dem sogenannten Ibiza-Video | dpa

"Ibiza-Video" Mutmaßlicher Drahtzieher wird ausgeliefert

Stand: 02.03.2021 18:55 Uhr

Im Dezember wurde der mutmaßliche Drahtzieher hinter dem "Ibiza-Video" in Berlin festgenommen - nun hat ein Gericht entschieden, dass er nach Österreich ausgeliefert werden darf. Es gehe aber nicht um das Anfertigen der Aufnahmen.

Der mutmaßliche Drahtzieher des "Ibiza-Videos" soll nach Österreich ausgeliefert werden. Das Kammergericht Berlin habe entschieden, dass eine Auslieferung zulässig sei, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Der heute 40 Jahre alte Mann war mit europäischem Haftbefehl gesucht worden. Mitte Dezember 2020 wurde er in der deutschen Hauptstadt festgenommen. Die Gerichtssprecherin sagte, es gehe dabei nicht um die Fertigung der Aufzeichnungen, sondern um mögliche Erpressung im Zusammenhang mit dem Video sowie mutmaßliche Drogen-Straftaten. Bei der Staatsanwaltschaft hieß es: "Das Auslieferungsverfahren ist in Gange."

Wann der Mann Deutschland verlassen muss, ist unklar. Nach dpa-Informationen soll er zuvor noch vom Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags als Zeuge befragt werden.

Erst Rücktritt, dann Neuwahlen

Das im Mai 2019 veröffentlichte Video eines Treffens auf Ibiza hatte zum Sturz der Regierung von konservativer ÖVP und rechter FPÖ geführt. Der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wirkte auf den heimlich angefertigten Aufnahmen anfällig für Korruption. Nach Veröffentlichung des Videos musste er zurücktreten. Die Koalition platzte, es kam zu Neuwahlen.

Erst kürzlich hatte sich der mutmaßliche Drahtzieher zu dem Video geäußert. Über die Wirkung sei er überrascht gewesen, sagte er. "Ich ging nie davon aus, dass das Video zum Rücktritt führen würde. Ich dachte, es wird ein Skandal, es wird einen U-Ausschuss geben, aber Kurz wird an Strache festhalten, weil er nur mit ihm stramm rechte Politik machen kann."

Dem "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Mann, das Video sei der Versuch gewesen, Strache Korruption und Untreue nachzuweisen. Der eigentliche Plan sei gewesen, durch das Video Interesse für belastendes Material von Straches ehemaligen Leibwächter zu wecken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2021 um 15:50 Uhr.