Stadion in Frankfurt | Bildquelle: dpa

Tests in drei Städten Mangelnde Hygiene in Bundesliga-Stadien

Stand: 27.04.2018 00:13 Uhr

Wie steht es um die Hygiene in den Bundesliga-Stadien? Nach ARD-Informationen offenbar nicht gut. Behörden in Frankfurt, Köln und Bremen fanden Verunreinigungen - in Duschen, Bier und Fischbrötchen.

Im Rahmen von Lebensmittel- und Wasseruntersuchungen sind nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport in der aktuellen Bundesliga-Saison in mehreren Stadien Auffälligkeiten festgestellt worden: in Köln im Bier, in Bremen in Fischbrötchen, im Stadion in Frankfurt in den Duschen.

Wie aus Dokumenten der Gesundheitsbehörden vorgeht, die dem BR vorliegen, wurden in Frankfurt im Spielerbereich Legionellen nachgewiesen. Innerhalb der vergangenen zehn Monate gab es dort 27 Legionellen-Befunde. Zum Teil lagen sie deutlich über den Grenzwerten - unter anderem im Spieler-, Trainer-, Sauna-, und Schiedsrichterbereich.

Professor Jörg Drewes vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität München ist von den Untersuchungsergebnissen überrascht. "Vermutlich liegt es daran, dass es sehr lange Leitungen gibt", sagt er.

Filter in Frankfurt

Laut dem Frankfurter Gesundheitsamt werden in der Arena laufend Maßnahmen durchgeführt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Eine abschließende Lösung habe bisher aber nicht erreicht werden können. Die Behörden sehen jedoch keine Gesundheitsgefahr für die Nutzer der Duschen, weil entsprechende Filter eingebaut worden seien.

Legionellen sind weniger für die Besucher eines Stadions, als vielmehr für die Spieler gefährlich, weil die Keime gerade beim Duschen mit dem Wasserdampf eingeatmet werden können. Sie können für grippeartige Beschwerden bis zu schweren Lungenentzündung sorgen.

Stadion in Köln | Bildquelle: dpa
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Im Kölner Stadion wurde verunreinigtes Bier gefunden.

Probleme in Köln und Bremen

Auch in anderen Stadien wurden Probleme festgestellt: So fanden die Behörden im Stadion in Köln in Bierproben Fremdhefen und coliforme Keime. Davon gehe jedoch keine Gefahr für die Fans aus. Vielmehr weisen die Befunde auf mangelhafte Hygiene im Zapfprozess hin. Mit den Recherche-Ergebnisse konfrontiert, reagierte der 1. FC Köln und ließ alle Bierleitungen im Stadion umgehend reinigen. "Diese Hygiene-Indikatoren können, müssen aber nicht direkt auf Fehler hinweisen, die in unserer Verantwortung liegen", heißt es in einer schriftlichen Erklärung.

In Bremen waren die Lebensmittelkontrollen laut Behörden ebenfalls teilweise nicht zufriedenstellend. Hier wurden Listerien in einem Räucherlachsbrötchen gefunden. Auch wenn der Grenzwert hierbei nicht überschritten wurde, sehen Experten dringenden Handlungsbedarf.

Listerien sind Krankheitserreger, die gerade für schwangere Frauen auch bei geringen Mengen unterhalb des Grenzwertes gefährlich sein können. Auch ältere oder immungeschwächte Personen gehören zur Risikogruppe. Die Bremer Behörden können in dem Fund keine Gesundheitsgefahr erkennen.

Nach ARD-Recherchen wurden in der aktuellen Saison in sieben der 18 Erstliga-Stadien und in lediglich einem der 18 Zweitligastadien von den Behörden Proben von Lebensmitteln genommen und untersucht.

Fans wollen reagieren

Rainer Vollmer vom Fanverband "Unsere Kurve" hält das Gefahrenpotenzial beim Thema Hygiene im Stadion für hoch. "In so einem Stadion sind teilweise 60.000 Leute. Und wenn da wirklich eine Verunreinigung beim Bier oder auch im Essen wäre, dann wären da vielleicht mit einem Mal 20.000 Leute erkrankt - im Extremfall." Er will das Thema nun auch im Fanverband angehen.

Hygiene: Probleme in deutschen Fußballstadien
Sebastian Krause, ARD München
27.04.2018 13:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 27. April 2018 um 09:55 Uhr im Bayerischen Rundfunk.

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