Protestcamp mit Banner | dpa

Protest gegen Klimapolitik Regierung besorgt um Hungerstreikende

Stand: 15.09.2021 17:04 Uhr

Seit zwei Wochen befinden sich Aktivisten im Hungerstreik. Sie fordern ein Gespräch mit allen drei Kanzlerkandidaten über die Klimakrise. Nun ist ein 27-Jähriger zusammengebrochen - Regierungssprecher Seibert zeigte sich besorgt.

Die Bundesregierung hat an die Beteiligten des Klima-Hungerstreiks in Berlin appelliert, ihre Gesundheit nicht zu gefährden. "Da macht man sich dann schon Sorgen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "In der politischen Debatte um den Klimaschutz, die die wichtigste ist, die wir haben, ist jeder Vorschlag willkommen, aber bitte, ohne sich selbst dabei zu gefährden", fügte er hinzu. 

27-Jähriger ohnmächtig geworden

Seit dem 30. August befinden sich mehrere Aktivisten in einem Hungerstreik. Sie fordern ein öffentliches Gespräch mit den Kanzlerkandidaten und der -kandidatin von Union, SPD und Grünen noch vor der Bundestagswahl am 26. September. In einer Erklärung hieß es: "Wir sind die letzte Generation, die noch handlungsfähig ist. Es gibt nur diesen einen Planeten zum Überleben."

Am Dienstag war einer der Hungernden zusammengebrochen. Nach Angaben der Organisatoren war er ohnmächtig geworden und über einige Zeit nicht ansprechbar. Nach seiner Entlassung aus der Klinik teilte der junge Mann heute mit, er werde den Hungerstreik fortsetzen. Seibert wünschte dem 27-Jährigen gute Besserung.

Telefonat mit Baerbock

Die Grünen veröffentlichten am Dienstag einen gemeinsamen Appell von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und deren Kontrahenten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Die drei seien zu Gesprächen mit den Hungerstreikenden bereit - einzeln, persönlich, nicht öffentlich und nach der Bundestagswahl. Voraussetzung dafür sei ein Ende der Protestaktion in dieser Form. Baerbock hatte vorige Woche sogar schon mit den jungen Leuten telefoniert und sie aufgefordert, sich nicht in Gefahr zu bringen.

Jakob liegt auf einem Matratzenlager in einem Zelt eines Protestcamps. | dpa

Die Aktivisten campieren in der Nähe des Reichstags. Bild: dpa

Gesprächsangebot abgelehnt

Die Aktivisten lehnten das Angebot der drei Kanzlerkandidaten jedoch ab. Sie bestehen auf einem öffentlichen Austausch noch im laufenden Wahlkampfendspurt. Der Hungerstreik gehe so lange weiter, bis alle drei dies zugesagt hätten. Die zweite Forderung der Teilnehmer ist die Einrichtung eines Bürgerrats, der der Politik Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz vorgeben soll. Die Beteiligten leben in einem Camp in der Nähe des Reichstagsgebäudes. Von ursprünglich sieben Hungernden hatte eine junge Frau vergangene Woche aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.

Einen "Bürgerrat Klima" gibt es indes schon, die Schirmherrschaft hat der frühere Bundespräsident Horst Köhler. Die 160 Mitglieder hatten sich zwölf Mal getroffen, unter anderem auch mit Experten aus der Wissenschaft, und haben vor kurzem erst ein umfangreiches Gutachten vorgelegt. Damit sollen die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 erreicht werden - was auch die Hungerstreikenden wollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. September 2021 um 15:00 Uhr.