Horst Stern | Bildquelle: imago/teutopress

Journalist und Umweltschützer Trauer um Horst Stern

Stand: 21.01.2019 15:56 Uhr

Schon in den 1970er-Jahren hatte Stern mit teils drastischen Filmaufnahmen vor einem gedankenlosen Umgang mit der Natur gewarnt und Missstände aufgedeckt. Seine ARD-Sendung "Sterns Stunde" sahen viele. Am vergangenen Donnerstag starb der Journalist und Naturschützer im Alter von 96 Jahren.

Von Johanna Stadler, BR

Die folgende Einschätzung hat Horst Stern vor 30 Jahren getroffen: "Ich glaube nicht, dass heute noch ein großer, jedenfalls kein großer öffentlicher Bedarf an Denken besteht. Heute besteht ein ungeheurer öffentlicher Bedarf an Handeln. Heute weiß man im Grunde alles, was man tun müsste. Nur tut man es nicht. Aus vielerlei Gründen, die wir hier nicht zu diskutieren brauchen, weil sie ja jedermann bekannt sind. Gruppenegoismen und dieses berühmte Totschlagsargument 'Arbeitsplätze' und die anderen zwei Traum - oder Handlungskiller 'Wer soll das bezahlen?' und 'Ist das politisch durchsetzbar?' Mit solchen Formulierungen können Sie natürlich jegliches Denken auch töten."

Die Natur war sein Thema

Das sagte er, kurz bevor er nach Irland ging, um dort zu leben und zu schreiben - in der Natur und über die Natur. Auch wenn er nie darauf reduziert werden wollte: Die Natur, sie war doch sein Thema, mit einem speziellen Zugang, der sich schon in seiner allerersten Hörfunksendung am 1. April 1960 andeutete.

"Tierliebe ist eine wunderbare Sache. Und nur Lumpen vergreifen sich an einem Tier, das sich nicht wehren kann. Doch nützt die ganze Liebe nichts, ja, sie kann sogar tödlich sein, wenn nicht sachliche Kenntnisse hinzutreten", sagte Stern in der Sendung.

Journalist, Schriftsteller und Umweltschützer: Horst Stern gestorben
tagesschau 20:00 Uhr, 21.01.2019, Tim Dieckmann, SWR

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Faktentreu, aber provokant

Wissenschaftlich und faktentreu in der Sache, trotzdem provokant und scharfzüngig im Ausdruck, kompromisslos in der Umsetzung. Das hat ihm jede Menge Preise und Ehrungen und den Respekt seiner Wegbegleiter eingebracht.

Der Journalist Claus-Peter Lieckfeld sagt über seinen Kollegen Stern, dieser hätte das große Thema Ökologie - Tiere, Pflanzen, Klima - angestoßen und populär gemacht. Er hätte die Sprache gefunden, das Thema vom Schwierigen und Schwerverständlichen ins Verständliche zu übersetzen. "Das hat in dieser Form vor ihm keiner gemacht. Man könnte behaupten, in dieser Klasse oder in dieser Präzision ist es auch danach kaum je wieder gelungen."

Horst Stern vor der Kamera | Bildquelle: obs
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Seine ARD-Sendung "Sterns Stunde" ist vielen älteren Fernsehzuschauern auch heute noch ein Begriff.

"Sterns Stunde"

Stern hatte Lieckfeld Anfang der 1980er-Jahre für die Zeitschrift "Natur" angeheuert. Der Verstorbene hat die Zeitschrift nicht nur gegründet, sondern er war auch jahrelang Chefredakteur. Das war nach seiner Fernsehzeit, die er selbst als seine wichtigste journalistische Zeit einschätzte. "Sterns Stunde", das seien in der Tat "Sternstunden des Fernsehens" gewesen - wenn auch verstörende.

Stern sagte, er sei seines Wissens der Erste gewesen, der mit Kameras in diese Hühnerbatterien hineingegangen war. Und er sei auch wohl der Erste gewesen, der in ziemlich schockierenden Bildern diese Mastschweinerei zeigte. Das sei zwar der Fachwelt bekannt, aber die Öffentlichkeit habe überhaupt nichts davon gewusst. Sie habe nach wie vor daran geglaubt, dass ihr Frühstücksei von Mistkratzern produziert werde. Als sie dann gesehen hätten, wie diese Tiere zu Hunderten und zu Tausenden unter dem Dach in Käfigen vegetierten, sei es wie ein Schock gewesen. Aber es habe natürlich den Eierkonsum auch nicht gedrückt. "Das ging eine Weile, ging das Gestöhne durch die Eierproduzenten, was ich da wohl angerichtet hätte", sagt Stern.

Er machte es sich nicht leicht

Das war der Stachel in seiner Seele: trotz seines Einsatzes womöglich nichts bewirkt zu haben. Er machte es sich nicht leicht, aber den anderen auch nicht. Zum Beispiel am Heiligen Abend 1971. Unter dem harmlosen Titel "Bemerkungen über den Rothirsch" beschloss er, den Wald zu retten. Den Wald, der an der Gefräßigkeit der Hirsche zugrunde zu gehen drohte.

"Sie hören richtig, meine Damen und Herren. Es ist nicht dringlich zurzeit, den Hirsch zu schonen. Es ist dringlich zurzeit, ihn zu schießen. Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man 'Oh Tannenbaum' singt", meinte Stern.

"Nehmen Sie dieses besoffene Schwein aus dem Programm"

Die Trophäenjäger aus Politik, Wirtschaft und Adel jaulten auf. Fuhren schwere Geschütze auf. Ulrich Brenner, ehemaliger Leiter der Deutschen Journalistenschule und Wegbegleiter Sterns, erinnert sich. "Er wurde bedroht", erzählt Brenner. Es habe Morddrohungen gegeben und schlimme Briefe an die ARD. "Nehmen Sie dieses besoffene Schwein aus dem Programm", hätte es geheißen. Dann sei Stern auf Rat der Kriminalpolizei abgehauen nach Frankreich, um sich in Sicherheit zu bringen. Aber am Ende seien die Jagdgesetze novelliert worden.

Spektakulär war auch Sterns Mehrteiler über Tiere in der Pharmaforschung. Er zeigte die ganze Grausamkeit der Tierversuche. Aber er stellte auch die Frage, inwieweit leidenden Menschen damit zu helfen sei. Es war keine Parteinahme, sondern Formulierung von Widersprüchlichkeiten der Realität. Nun aber schäumten die Tierschützer, bezeichneten ihn als Verräter der Tiere. Dies war einer von vielen Gründen für Stern, dem Fernsehen den Rücken zu kehren. Und es gab noch einen anderen Grund.

"Alles gesagt und gezeigt"

Stern erklärte, man habe alles gesagt und gezeigt, was man sich erarbeitet hätte und was man glaubte, dass es gesagt gehöre. Es gehe jetzt nur noch weiter durch die Ausbeutung des eigenen Namens. Und das wäre ja auch schon abzusehen, dass sich das Fernsehen mehr und mehr der Unterhaltung, der Kommerzialisierung zuwenden würde. "Also ich hätte mehr unterhaltende Elemente in meine Filme einmischen müssen, als ich willens war."

Die Weigerung, gefälliger zu werden, führte Anfang der 1980er-Jahre dazu, dass Stern die Zeitschrift "Natur" verließ und sich nach Irland zurückzog. Er hatte genug davon, in der Öffentlichkeit zu stehen und herumgereicht zu werden.

"Ökologische Klagemauer der Nation"

"Jahrelang war ich ja die ökologische Klagemauer der Nation. Es klingt ungeheuer eingebildet, wenn man das sagt. Aber es ist so", sagte Stern. Wo immer Leute der Meinung gewesen wären, es müsste ein Atomkraftwerk verschwinden oder ein Stück Wald gerettet werden oder es müsste eine Pappelallee bestehen bleiben, die man für eine Straßenbahn umsägen wollte. Da sei den Leuten immer gleich der Horst Stern eingefallen. "Und dann schrieben sie mir ihre Briefe. Sie schickten mir ganze Akten ins Haus. Ich konnte das Zeugs überhaupt nicht mehr lesen, geschweige denn darauf noch antworten."

Stern schrieb fortan erfolgreich belletristische Literatur und wurde von der Literaturkritik gefeiert. Sein Buch "Der Mann aus Apulien" über den Stauferkönig Friedrich II. wurde zum Bestseller. Stern kehrte damit zu seinen Wurzeln zurück. Denn angefangen hatte er nach dem Krieg mit literarischen Texten und Gedichten. Damals glaubte er nicht daran, einmal davon leben zu können, und ging zu einer Zeitung. Ein Verlust für die Literatur, aber ein Gewinn für den Journalismus und die Natur.

Zum Tod von Horst Stern: Wissenschaftsjournalist und Mahner
Johanna Stadler, BR
21.01.2019 14:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Januar 2019 um 15:00 Uhr.

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