Fans halten am 14.10.2011 bei der Begegnung zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund in Bremen ein Banner mit dem Schriftzug "Fuߟballfans gegen Homophobie" hoch. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Homophobie im Fußball "Fankurven sind nicht das Problem"

Stand: 07.01.2019 23:09 Uhr

Vor fünf Jahren hatte Ex-Nationalspieler Hitzlsperger sein Coming-out. Was ganz normal sein sollte, ist im Profi-Fußball weiterhin ein Tabu. Das muss nicht so sein, meint Hitzlsperger heute - und plädiert für mehr Mut.

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger glaubt, dass es im Profisport "viele Fortschritte, was das Thema Diskrimierung, Vorbehalte, Toleranz angeht", gegeben hat: "Homosexualität ist kein so ein Tabu mehr, wie es vielleicht vor fünf Jahren war", sagt der 36-jährige im Interview mit der ARD. Deshalb sei die Zeit durchaus bereit für ein Coming-out im Profi-Fußball:

"Ich glaube, dass die Fankurven definitiv nicht das Problem sind, dass die Fußball-Fans viel aufgeklärter, viel aufgeschlossener sind. Beleidigungen gibt’s immer im Alltag. Aber grundsätzlich: Spieler, die mit dem Gedanken spielen sich zu outen, haben von den Fans nicht soviel zu befürchten. Das sind viele Befürchtungen, die nur in den Köpfen einiger existieren, die aber nicht real sind."

Es gehe darum, ein "breites Kreuz" zu haben: "Mit Beleidigungen und Beschimpfungen muss jeder Spieler umgehen können", meint der gebürtige Münchner und plädiert an alle Beteiligten: "Arbeitet nicht immer mit den Ängsten - das ist genau das falsche Signal. Alle Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollten ermutigende Worte sprechen."

Thomas Hitzlsperger
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Mit seinem Coming-out rüttelte Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger an einem Tabu im Profifußball.

Frankfurts Präsident Fischer rät von Coming-out ab

Eine Haltung, wie sie der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, nach außen transportiert, kritisiert Hitzlsperger explizit. Fischer, der als sehr progressiv und liberal gilt, erklärte im Interview mit der ARD zwar, dass er einen geouteten Spieler seiner Mannschaft unterstützen würde, gleichzeitig riet er aber von diesem Schritt ab: "Proaktiv zu sagen: 'Mach das jetzt endlich, wir brauchen jetzt mal einen', das würde ich nicht tun", sagt er. Dafür sei die Zeit heute nicht reif.

Hitzlsperger widerspricht: "Ich bedaure es sehr, dass der Eintracht-Präsident das so sieht. Ich würde mir da einen positiveren Ansatz wünschen."

Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Eintracht-Präsident Fischer meint, dass die Zeit für das Coming-out von homosexuellen Spielern noch nicht reif ist.

FC Bayern widerspricht Fanklub

Auch die 24 homosexuellen Fanklubs in Deutschland kämpfen um Anerkennung. In einer Umfrage der ARD zeichnet sich ein unterschiedliches Bild an Unterstützung durch die Vereine: So äußerten sich Fanclubs von Eintracht Frankfurt, dem Hamburger SV, Werder Bremen und dem 1.FC Köln positiv zur Zusammenarbeit. Kritik kommt dagegen von Fanklubs des FC Bayern München und dem 1.FC Nürnberg.

Der Fanklub "Queerpass Bayern" vermisst bei seinem Verein eine klare Positionierung gegen Homophobie - was auch bedeuten würde, das Sponsoring mit und durch Katar zu beenden, wo Homosexualität verboten ist. Die Vorwürfe der Nürnberger "Norisbengel" lauten unter anderem: Keine Unterstützung vom Club für die Ausrichtung des Queer-Football-Fanclub-Treffens 2014 und keine Reaktion auf eine Anfrage bei der Stadionzeitung für einen Bericht zum fünfjährigen Jubiläum des Fanklubs. "Ich denke, das Thema Homophobie ist erst dann kein Thema, wenn wir nicht mehr drüber reden müssen. So lange ist es ein Thema", sagt Marcus Janke von "Queerpass Bayern".

Beide Vereine, der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg, weisen die Kritik zurück. In einer schriftlichen Erklärung verweisen sie darauf, dass sie die Fanklubs sehr wohl unterstützt würden und sich darüber hinaus auch klar gegen Diskriminierung im Fußball positioniert hätten. Hier besteht offensichtlich Klärungsbedarf.

Die Vereinsflagge des Fuߟball-Bundesligisten Hertha BSC und eine Fahne in Regenbogen-Farben sind am 16.07.2016 in Berlin während des 24. Lesbisch-Schwulen Stadtfestes an einem Balkon befestigt | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Viele Vereine haben homosexuelle Fanclubs.

Breitensport weiter als Profisport

Im Breitensport sei man beim Thema Homosexualität bereits weiter als im Profibereich, meint Jermaine Greene, Kreisliga-Spieler und gleichzeitig Fanbeauftragter bei Werder Bremen. Er hat sich in seinem Fußballverein und bei Werder schon geoutet, macht seine Homosexualität im Interview mit der ARD jetzt erstmals öffentlich.

Greene hat auf sein Coming-out nur positive Reaktionen bekommen. Trotzdem kann er es sehr gut nachvollziehen, warum homosexuelle Bundesliga-Fußballer nicht damit an die Öffentlichkeit gehen:

"Bundesliga-Fußballer haben viel mehr Druck - Druck von außen, Druck, den sie sich selbst auferlegen. Es gibt ein gewisses Bild, ein gewisses Rollenbild vom klassischen Fußballspieler und ich glaube auch, dass ganz viele dem entsprechen wollen. Bei mir war es ja auch so. Ich glaube, dass es irgendwann entspannter wird. Wann? Keine Ahnung."

Über dieses Thema berichtete das moma am 08. Januar 2019 um 06:25 Uhr.

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