Anita Lasker-Wallfisch | picture alliance / Photoshot

Verdienstorden Steinmeier ehrt Holocaust-Überlebende

Stand: 18.12.2020 13:39 Uhr

"Die Erinnerung wachhalten": Bundespräsident Steinmeier hat die Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch und Henriette Kretz für ihr Engagement als Zeitzeuginnen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Die Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch und Henriette Kretz sind für ihr Engagement bei der Vermittlung der Schrecken des Nationalsozialismus mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet worden. Weil die Auszeichnung wegen der Corona-Pandemie nicht persönlich überreicht werden kann, ließ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den beiden Frauen handschriftliche Briefe zukommen.

Im Schreiben an Lasker-Wallfisch, die in London lebt, heißt es nach Angaben des Bundespräsidialamtes: "Mit Ihren zutiefst eindringlichen Reden und Ihren Interviews halten Sie die Erinnerung an den Völkermord an den Juden Europas auch für die nachfolgenden Generationen wach." Seit Jahrzehnten sei Lasker-Wallfisch, die in diesem Jahr 95 Jahre alt geworden ist, eine der wichtigsten Stimmen gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus.

Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz

Die 1925 in geborene Cellistin ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Im November 1944 wurde sie in das KZ Bergen-Belsen bei Celle gebracht und erlebte dort die Befreiung durch britische Truppen. Nach Kriegsende trat sie als Zeugin im Prozess gegen Mitglieder der Wachmannschaften von Bergen-Belsen in Lüneburg auf.

2018 hielt sie bei der traditionellen Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus die Gedenkrede und berichtete darin von den Schrecken der Lager.

"Die junge Generation warnen"

An die heute in Antwerpen lebende Kretz schrieb Steinmeier, die Offenheit, mit der sie über ihre Lebensgeschichte und den ihrer Familie angetanen Verbrechen berichte, "trägt ganz wesentlich dazu bei, die junge Generation vor einem neu aufkommenden Antisemitismus zu warnen und die demokratischen Grundwerte zu stärken".

Die Verfolgung der Familie von Kretz begann unmittelbar mit dem deutschen Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939. Die Familie floh nach Lemberg, später nach Sambor, wo sie ins jüdische Ghetto umsiedeln musste. Kretz überlebte in verschiedenen Verstecken, darunter ein katholisches Waisenhaus. Ihre Eltern wurden vor ihren Augen erschossen.

Henriette Kretz | picture alliance/dpa

Steinmeier ehrte Kretz für ihr Engagement gegen Antisemitismus. Bild: picture alliance/dpa

Heute lebt die 86-jährige Kretz in Antwerpen, ist Mitglied des polnischen Vereins Kinder des Holocaust und als Zeitzeugin für das Maximilian-Kolbe-Werk aktiv.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Dezember 2020 um 15:00 Uhr.