Israels Präsident Rivlin, Bundespräsident Steinmeier | Bildquelle: REUTERS

Holocaust-Gedenken "Kein heilsames Schweigen über Auschwitz"

Stand: 29.01.2020 13:25 Uhr

"Deutschland darf hier nicht versagen": In einer sehreindringlichen Rede im Bundestag hat Israels Staatspräsident Rivlin die Deutschen an ihre Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus erinnert.

Zwei Tage nach dem Holocaust-Gedenktag hat der Bundestag in einer Feierstunde der Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft gedacht. Erstmals waren im voll besetzten Parlament auch die Präsidenten Israels und Deutschlands anwesend, Reuven Rivlin und Frank-Walter Steinmeier. Die Abgeordneten begrüßten die Staatsoberhäupter zunächst schweigend und im Stehen.

Israels Präsident Reuven Rivlin im Bundestag zum Gedenken an die NS-Opfer
tagesthemen 22:25 Uhr, 29.01.2020, Justus Kliss, ARD Berlin

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Eindringliche Mahnung von Schäuble

Zum Auftakt ergriff Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble das Wort. Als er Begrüßungsworte an Rivlin richtete, brandete Applaus auf. Schäuble warnte eindringlich vor einer Verharmlosung der Greueltaten der Nazis. "Immer wieder gab es Versuche, und es gibt sie immer noch, die Verbrechen kleinzureden. Das wird nicht gelingen", so Schäuble. Er forderte die Deutschen auf, sich immer wieder dem Holocaust zu stellen und an die Opfer zu erinnern. "Es gibt kein heilsames Schweigen über Auschwitz", mahnte der Bundestagspräsident.

"Auschwitz erinnert daran, wie verführbar wir Menschen sind, wie zerbrechlich unsere Zivilisation ist, wie schnell unsere humanistische Substanz Schaden nimmt, wie angreifbar ihr ethisches Fundament bleibt, wenn wir es nicht verteidigen."

Die Lehre aus der Geschichte sei, die Menschenwürde zu verteidigen und keinen Raum für Stigmatisierung, Ausgrenzung und Verfolgung anderer Menschen zu lassen, so Schäuble. "Auch 75 Jahre nach Auschwitz gibt es in Deutschland immer noch Antisemitismus und Rassismus - in vielen Facetten."

Bundestagspräsident Schäuble, Israels Präsident Rivlin, Bundespräsident Steinmeier | Bildquelle: REUTERS
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Beim Gedenken an die NS-Opfer im Bundestag fanden Bundestagspräsident Schäuble, Israels Präsident Rivlin und Bundespräsident Steinmeier eindringliche Worte.

Steinmeier warnt vor Relativierung

Anschließend sprach Bundespräsident Steinmeier. Auch er warnte vor Versuchen, die Erinnerung an die deutschen Verbrechen zu relativieren. "Wir waren uns einig über die Lehren der Vergangenheit und eine Erinnerungskultur, die es gemeinsam zu pflegen galt", so das Staatsoberhaupt. "Doch ich fürchte, unsere Selbstgewissheit war trügerisch." In Anwesenheit Rivlins und einiger Abgeordneter der AfD fuhr er fort:

"Ich wünschte, ich könnte, erst recht vor unserem Gast aus Israel, heute mit Überzeugung sagen: Wir Deutschen haben verstanden. [...] Doch wie kann ich das sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten, wenn das Gift des Nationalismus wieder in Debatten einsickert - auch bei uns."

Er fürchte, auf all das sei die deutsche Gesellschaft nicht genügend vorbereitet gewesen, so Steinmeier. "Aber genau daran prüft uns unsere Zeit, und diese Prüfung müssen wir bestehen." An Rivlin gerichtet fuhr Steinmeier fort:

"Dass ein israelischer Präsident die schmerzhaften Schritte der Erinnerung gemeinsam mit einem Deutschen geht, dass ein israelischer Präsident an diesem Tag in unserem Hause spricht, im Herzen unserer Republik, das erfüllt mich mit tiefer Demut."

Er verstehe Rivlins Anwesenheit "als Verpflichtung, uns der Hand, die Israel uns gereicht hat, würdig zu erweisen." Die Versöhnung sei eine Gnade, "die wir Deutsche nicht erhoffen konnten oder gar erwarten durften".

Rivlin richtet den Blick auf ganz Europa

In seiner Rede nahm der israelische Präsident Rivlin ganz Europa in die Pflicht. Der Kontinent werde heute von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht. Nationalismus, Fremdenhass und Antisemitismus schwebten über ganz Europa. Der Kontinent sei zwar nicht in den 1930-er Jahren und damit nicht an der Schwelle einer neuen Shoah. Dennoch dürfe es nicht übergangen werden. Deutschland habe hierbei eine besondere Verantwortung.

Dasselbe Land, das durch den Nationalsozialismus zum Schrecken der Welt geworden sei, sei heute ein "Leuchtturm" für den Schutz liberaler Werte. Wenn Juden dort heute nicht frei leben könnten, könnten sie es auch nicht wo anders auf der Welt, sagte Rivlin. Die Verantwortung, die auf den Schultern Deutschlands laste, sei enorm: "Wir dürfen nicht aufgeben. Wir dürfen nicht nachlassen. Deutschland darf hier nicht versagen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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