Ein Blick hinauf in die Kuppel der "Halle der Namen" in Yad Vashem. | Bildquelle: REUTERS

Antisemitismus Online-Holocaust-Gedenken gestört

Stand: 21.04.2020 16:37 Uhr

Eine Video-Diskussion mit einem Holocaust-Überlebenden ist von rechten Störern unterbrochen worden. Sie hätten Hitler-Bilder gezeigt und antisemitische Slogans gerufen, sagte Israels Botschafter Issacharoff.

Unbekannte Täter haben eine Online-Gedenkveranstaltung der israelischen Botschaft in Berlin für die Opfer des Holocaust attackiert und unterbrochen.

Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff teilte auf Twitter mit, die Angreifer hätten sich in eine Zoom-Videokonferenz der Botschaft am Vorabend des Holocaust-Gedenkens in Israel eingeschaltet, Hitler-Fotos gepostet und antisemitische Parolen verbreitet. Damit hätten sie die Schilderungen des Holocaust-Überlebenden Zvi Herschel unterbrochen.

Maas beklagt "bodenlose Respektlosigkeit"

Zvi Herschel wurde 1942 in den von den Nazis besetzten Niederlanden geboren. Seine Eltern wurden im Konzentrationslager Sobibór ermordet, während er von einer protestantischen niederländischen Familie aufgenommen wurde und überlebte. Israel gedenkt in diesen Tagen der sechs Millionen Juden, die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordet wurden. 

Außenminister Heiko Maas verurteilte den Angriff auf die Online-Gedenkveranstaltung "als eine unbeschreibliche Schande". Dies sei eine "bodenlose Respektlosigkeit gegenüber den Überlebenden und dem Gedenken an die Verstorbenen", erklärte er über Twitter.

Eine Sprecherin der israelischen Botschaft sagte, man erwäge, Anzeige gegen die Störer zu erstatten. Video- oder Tonaufnahmen von der Veranstaltung gebe es nicht. Die Teilnehmer hatten sich Medienberichten zufolge auf der Videoplattform Zoom versammelt, um Herschel zuzuhören. Zoom wird während der Corona-Krise viel genutzt, steht aber wegen unzureichender Datenschutzstandards in der Kritik. Nutzer beschweren sich, dass bei Videoschalten plötzlich unerwünschte Inhalte wie Hass-Botschaften oder Pornos auf den Bildschirmen auftauchen.

Entsetzen und Empörung

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, reagierte empört. "Rechtsradikale nutzen die Corona-Krise skrupellos aus, um ihr braunes Gift zu verbreiten. Dabei schrecken sie wie immer nicht davor zurück, das Leiden der Schoa-Überlebenden mit Füßen zu treten und sie erneut zutiefst zu verletzen", sagte er.

Auch der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich entsetzt. Er begrüßte es, dass die israelische Botschaft angesichts der Corona-Auflagen mit der Online-Gedenkveranstaltung neue Wege gegangen sei. "Dass Störer dieses Angebot missbrauchen, das Gedenken an den Holocaust verunglimpfen und sogar Überlebende respektlos behandeln, erschüttert mich", so Klein.

Gedenkminuten in Israel

In Israel wurde heute der Holocaust-Gedenktag begangen. Landesweit heulten am Vormittag zwei Minuten lang die Sirenen. Menschen, die trotz der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie unterwegs waren, hielten im Gedenken inne.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. April 2020 um 15:45 Uhr.

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