Polizisten suchen nach Opfern der Hochwasserkatastrophe an der Ahr | dpa

Nach den Unwettern Schwierige Identifizierung von Opfern

Stand: 26.07.2021 17:24 Uhr

In den Hochwassergebieten stehen die Behörden auch vor der schweren Aufgabe, die geborgenen Leichen zu identifizieren. Allein in Rheinland-Pfalz ist das bei 64 Menschen noch nicht gelungen. Weil oft alles zerstört ist, fehlt DNA-Vergleichsmaterial.

Rund eineinhalb Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit mindestens 179 Toten sind die Behörden noch immer damit beschäftigt, viele Opfer zu identifizieren. Nach Angaben der Landesregierung in Mainz konnten in Rheinland-Pfalz erst 68 der 132 Leichen eindeutig identifiziert werden. In vielen Fällen seien aufgrund der "Todesumstände" dafür komplexe und zeitintensive Abgleiche von DNA oder Zahnstatus nötig, sagte Innenminister Roger Lewentz bei einer Pressekonferenz des Krisenstabs im besonders schwer zerstörten Kreis Ahrweiler.

Parallel prüften die Behörden demnach 74 Vermisstenfälle, 16 davon betrafen ausländische Staatsbürger. Unmittelbar nach der Katastrophe habe es Hinweise und Anfragen nach mehr als 5800 gesuchten Personen gegeben.

DNA-Vergleichsmaterial fehlt

Lewentz sagte, die eindeutige Identifizierung der Toten im Rahmen der Todesermittlungsverfahren erfolge mit größter Rücksicht auf die Würde der Verstorbenen und sei auch für die damit befassten Polizisten eine teilweise extreme Belastung. Dazu kämen bislang unbekannte Probleme. "Wenn man kein Wohnhäuser mehr hat, ist das mit dem DNA-Vergleichsmaterial auch sehr schwer", sagte Lewentz.

Auch Bestattungen in den Katastrophengebieten in beiden Bundesländern gestalten sich schwierig. Vielerorts fehle es an Leichenwagen, da auch diese von den Fluten mitgerissen worden seien, sagte ein Sprecher des Bestatterverbands Nordrhein-Westfalen. Hilfe komme von Kollegen aus anderen Kreisen. Aufgrund der langwierigen Identifizierungen könnten vereinzelt auch die gesetzlichen Bestattungsfristen nicht eingehalten werden.

Fortschritte bei den Aufräumarbeiten

Viele kleinere Gemeinden im Ahrtal wurden mitsamt ihrer Infrastruktur teils völlig zerstört. Dort sind weiter Tausende Rettungskräfte bei Aufräum- und Hilfsarbeiten im Einsatz. Deshalb soll das Gebiet im Landkreis Ahrweiler erneut für den Individualverkehr gesperrt bleiben.

Laut Landesregierung machten die Einsatzkräfte über das Wochenende Fortschritte bei der Räumung der riesigen Müll- und Trümmerberge. Dadurch kämen auch andere wichtige Instandsetzungsarbeiten nun besser voran, sagte die Leiterin des Landeskrisenstabs, Bejona Hermann. So könne die Bundeswehr dank der freigeräumten Straßen nun mit dem Aufbau behelfsmäßiger Brücken über die Ahr beginnen. Diese sollen die provisorischen Pionier-Panzerbrücken ersetzen, die Soldaten dort zuerst aufgebaut hatten. Die Flut zerstörte insgesamt mehr als 30 Brücken.

Überlegungen für die Bundestagswahl

Derweil begannen die Behörden in Rheinland-Pfalz auch damit, sich Gedanken über die Organisation der Bundestagswahl in den von der Flut zerstörten Gebieten zu machen. Dies habe derzeit noch nicht oberste Priorität, die Landeswahlleitung beginne aber inzwischen bereits damit, sagte Lewentz. Denkbar sei etwa der Einsatz von Behördenbussen. Bei der Katastrophe wurde auch die Infrastruktur der Verwaltung vielerorts samt Gebäuden und Computern zerstört.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juli 2021 um 17:00 Uhr.