Laschet beim Besuch in Stolberg | AFP

Laschet und Scholz in Flutgebieten "Wir machen Tempo"

Stand: 03.08.2021 14:33 Uhr

Fast drei Wochen nach dem Hochwasser hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet gemeinsam mit Finanzminister Scholz den schwer getroffenen Ort Stolberg besucht. Beide versprachen schnelle und unbürokratische Hilfe.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet haben den Opfern der Flutkatastrophe schnelle und unbürokratische Hilfen von Bund und Ländern zugesichert. "Wir werden das gemeinsam machen", sagte Scholz bei einem Besuch mit Laschet in Stolberg bei Aachen.

Laschet sagte, in Nordrhein-Westfalen seien bereits 215 Millionen Euro Soforthilfe ausgezahlt worden. Nun solle ein Bundesgesetz den Wiederaufbau in den betroffenen Kommunen regeln. Das Gesetz werde bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August vorbereitet und noch vor der Bundestagswahl am 26. September von Bundestag und Bundesrat verabschiedet, sagte Laschet. "Wir machen Tempo", versprach Laschet.

Wiederaufbau soll "hochwasserresilient" sein

Er betonte, beim Wiederaufbau werde es auch darum gehen, die Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen und so zu bauen, dass Hochwasser künftig nicht wieder solche Schäden anrichten könne. Hochwassergefahr werde auch in Zukunft immer wieder bestehen, sagte Laschet. Die Städte müssten daher "hochwasserresilient" wieder aufgebaut werden, mahnte er.

Gestern war Laschet bei einem Besuch im Hochwassergebiet von Swisttal bei Bonn von Leidtragenden der Flutkatastrophe massiv kritisiert worden. Beim Gang des Kanzlerkandidaten durch die zerstörten Straßen entlud sich der Ärger vieler Anwohner über immer noch fehlende Hilfe.

Milliarden-Schäden in beiden Ländern

Scholz sagte, das Hochwasser habe viele Schäden angerichtet. Diese Zerstörungen würden die Menschen noch lange beschäftigen. Er bezeichnete das Unwetter von Mitte Juli als "Katastrophe von nationaler Dimension".

Scholz geht davon aus, dass der Wiederaufbau mehr als sechs Milliarden Euro kosten könnte. In etwa diese Summe sei bisher für die Wiederaufbauarbeiten nach der letzten großen Hochwasserkatastrophe im Jahre 2013 ausgegeben worden, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Doch die Schäden in NRW und Rheinland-Pfalz überträfen wahrscheinlich das Ausmaß dessen, was damals in elf Bundesländern zu verzeichnen gewesen sei.

Scholz: "Was man mit Geld in Ordnung bringen kann"

"Wir wollen allen helfen beim Wiederaufbau, beim Ersatz der Schäden - und darum geht es ja auch um Milliarden", sagte Scholz. Was niemand wieder gut machen könne, seien dagegen die zerstörten Leben, die zerstörte Gesundheit und alles das, was die Katastrophe in den Herzen und Köpfen der Menschen angerichtet habe. "Aber das, was man mit Geld in Ordnung bringen kann, das werden wir mit Geld in Ordnung bringen." Das Bundeskabinett werde morgen über Erleichterungen für die betroffenen Unternehmen entscheiden.

Ahrweiler: Totenzahl steigt auf 139

Bei den verheerenden Unwettern wurde auch die Region Ahrweiler besonders hart getroffen. Die Zahl der Toten dort ist nun auf 139 gestiegen. Nach Angaben des Landkreises konnten bisher 106 der Opfer identifiziert werden. Weitere 26 Menschen gelten immer noch als vermisst.

Insgesamt meldete der Kreis bisher 766 Verletzte. In der Region sind derzeit rund 5000 Kräfte von Feuerwehr, THW, Polizei, Bundeswehr sowie Hilfsorganisationen im Einsatz.

Brinkhaus: "Zivile Reserve" und schnelle Soforthilfen

Unterdessen hat der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), eine "zivile Reserve" für den Katastrophenschutz vorgeschlagen. Damit könnten freiwillige Helfer durch eine zentrale Erfassung bundesweit besser organisiert werden, sagte Brinkhaus den Zeitungen der Ippen-Gruppe Hessen. "Hätten wir eine Datenbank mit diesen Menschen, die zwar nicht für die Hilfsorganisationen arbeiten, aber trotzdem anpacken wollen, dann hätten wir eine zivile Reserve und könnten im Ernstfall auf viele Leute mit verschiedenen Fähigkeiten zurückgreifen."

Brinkhaus forderte, die den Flutopfern zugesagten Soforthilfen schnell auszuzahlen. "Als zweites müssen Brücken, Straßen und die ganze Infrastruktur wieder aufgebaut werden", sagte er. Dafür sowie für den Wiederaufbau von Häusern und Unternehmen werde eine weitere beträchtliche Summe nötig sein. "Wir arbeiten in Berlin gerade daran, dieses Geld bereitzustellen", sagte Brinkhaus. Eine genaue Summe nannte er nicht. Der Wiederaufbau werde ein Marathonlauf sein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. August 2021 um 13:00 Uhr.