Horst Seehofer und Armin Laschet an der Steinbachtalsperre. | EPA

Unwetterfolgen Aufatmen an der Steinbachtalsperre

Stand: 19.07.2021 13:39 Uhr

In Bayern entspannt sich die Lage vielerorts, auch für die Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen gibt es Entwarnung. NRW-Ministerpräsident Laschet und Bundesinnenminister Seehofer machten sich vor Ort ein Bild von der Lage.

Nach den Unwettern im Westen Deutschlands haben sich Bundesinnenminister Horst Seehofer und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet an der Steinbachtalsperre in Euskirchen ein Bild von der Lage gemacht. Laschet erklärte, die Situation an der Sperre habe sich entspannt. Ein Bruch habe an dieser Stelle verhindert werden können. Es bestehe nun die Chance, "dass sich die Lage endgültig entspannt".

Bereits zuvor hatte die Bezirksregierung Köln mitgeteilt, ein Dammbruch sei nicht mehr zu befürchten. Der Rhein-Sieg-Kreis erklärte, die Evakuierungsmaßnahmen für Swisttal und Rheinbach könnten nun aufgehoben werden. Dort hatten die Bewohner in einigen Ortsteilen ihre Wohnungen verlassen müssen.

Debatte über Katastrophenschutz

Innenminister Seehofer sprach angesichts der Unwetter und ihrer Folgen von einer "unfassbaren Tragödie". Er lobte die "erstklassige Leistung" der Helfer. Ein solches Ereignis sei "zuallererst eine Stunde für die Hilfe und für die Solidarität". Mit Blick auf die Debatte über den Katastrophenschutz erklärte er, dessen föderale Struktur sei richtig. "Zentralismus verbessert hier gar nichts."

Laschet sagte, es müsse analysiert werden, wie Katastrophen-Meldungen besser gemacht werden könnten. Nach der Hochwasser-Katastrophe hatte es Kritik gegeben, die betroffenen Menschen seien unzureichend oder nicht früh genug gewarnt worden.

Weiterhin Gefahr in Erftstadt-Blessem

Die schwer von den Unwettern betroffene Stadt Erftstadt informierte unterdessen, dass die Bundesstraße 265 komplett geräumt sei. Dabei seien keine Toten entdeckt worden.

Die Abbruchkante in der Gemeinde ist hingegen weiterhin Risikogebiet. Ein gewaltiger Erdrutsch infolge der Unwetter hatte dort Straßen und Häuser mitgerissen. Ein weiteres Nachrutschen von Erdmassen sei jederzeit möglich, sagte Bürgermeisterin Carolin Weitzel dem WDR. Derzeit werden der Krater und die angrenzenden Gebiete mit Drohnen überwacht.

Pegelstände in Passau sinken

Aus Bayern kamen gute Nachrichten. So sinken etwa die Pegelstände in Passau, die befürchtete Hochwasser-Katastrophe im Südosten des Bundeslandes ist ausgeblieben. Da es keine relevanten Niederschläge mehr gegeben habe und es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auch in den kommenden Tage keine relevanten Flächenniederschläge geben werde, sei von einer weitergehenden Entspannung auszugehen, teilte der Hochwassernachrichtendienst Bayern mit. "Die Wellen laufen ab", hieß es im Lagebericht des Warndienstes.

In Passau war in der Nacht zum Montag der Wasserstand der Donau nur noch gering gestiegen. Einzelne Bereiche der Stadt wurden zwar überschwemmt. Von katastrophalen Zuständen sei man aber zum Glück noch entfernt, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr rechnet damit, dass am Abend oder spätestens am Dienstag die Aufräumarbeiten beginnen können.

Aufräumarbeiten im Berchtesgadener Land

Auch im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land konnten die Menschen aufatmen. "Die Nacht verlief ruhig", hieß es bei der Feuerwehr. Die Helfer seien mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

In der Region hatte die Wucht des Wassers am Wochenende mit voller Kraft zugeschlagen, weil der Fluss Ache über die Ufer trat. Mehr als 160 Menschen mussten in der Urlaubsregion rund um den Königssee aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden, wie eine Sprecherin des Landratsamtes sagte. Die Nationalparkverwaltung warnte in der bei Touristen beliebten Region weiter vor Unternehmungen.

Mehr als 160 Tote

Die Zahl der bestätigten Todesopfer wegen der verheerenden Überflutungen stieg auf mehr als 160. Im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sind nach Polizeiangaben vom Morgen 117 Todesopfer zu beklagen, 749 wurden verletzt. In Nordrhein-Westfalen starben mindestens 46 Menschen, in Bayern kam ein Mensch ums Leben.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 19. Juli 2021 um 06:06 Uhr.

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Moderation 19.07.2021 • 19:25 Uhr

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