Zerstörtes Haus in Marienthal in Rheinland-Pfalz | dpa

Prognose für das Wochenende In Hochwassergebieten drohen neue Gewitter

Stand: 22.07.2021 17:39 Uhr

Gewitter sind schwer vorherzusagen, doch es zeichnet sich ab, dass es am Wochenende in den Hochwasserregionen im Westen neue Unwetter geben könnte. Die Zahl der Toten durch die Flutkatastrophe ist inzwischen auf 175 gestiegen.

In den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und auch im Saarland bereiten die Wetteraussichten für die kommenden Tage Sorgen. Am Wochenende drohen dort neue Gewitter. Wann genau und mit welcher Intensität, lässt sich derzeit aber noch nicht sagen. Laut Deutschem Wetterdienst sind in der Region am Samstag und am Sonntag "Gewitter mit Starkregen bis in den Unwetterbereich möglich".

Laut DWD dürfte der Freitag noch überwiegend trocken bleiben. Erste Schauer könnten in der Eifel, die von der Hochwasser-Katastrophe besonders betroffen war, dann in der Nacht auf Samstag aufziehen. Neuer Regen kann auch in geringeren Mengen zum Problem werden, da die Böden so nass sind, dass sie kein weiteres Wasser aufnehmen können. Entsprechend schnell können Bäche wieder anschwellen.

Bisherige Rekordwerte "weit übertroffen"

Vorige Woche hatte ein Unwetter mit Starkregen eine verheerende Flut in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ausgelöst. Mancherorts wurden binnen zwei Tagen mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter verzeichnet. Das sind Mengen, die sonst im Westen Deutschlands eher binnen zwei, drei oder vier Monaten fallen. Laut der jetzt vom DWD veröffentlichten klimatologischen Einordnung wurden an einer ganzen Reihe von Messstationen die bisherigen Rekordwerte "weit übertroffen".

Die Unwetterlage der vergangenen Woche sei in vielen Gegenden "mindestens als Jahrhundertereignis" einzustufen, hieß es in dem Sonderbericht des DWD zu den Ereignissen. Vielfach sei diese Marke sogar noch "sehr deutlich überschritten" worden. So fielen im Einzugsbereich des Flusses Ahr in Rheinland-Pfalz binnen 24 Stunden örtlich bis zu 147 Liter Regen pro Quadratmeter. Das Ahrtal gehört zu den am schwersten verwüsteten Flutgebieten.

Ähnliche Regenmengen oder sogar noch mehr fielen innerhalb von 24 Stunden unter anderem auch im Einzugsbereich der Flüsse Erft, Kyll und Mosel sowie der Wupper und der Rur in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt registrierte der Wetterdienst in den Unwettergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen dabei "weitflächig" Niederschlagsmengen von mehr als 100 Litern pro Quadratmeter binnen 72 Stunden, teilweise mehr als 150 Liter.

DWD erwartet weitere Extremwetterereignisse

Die gigantischen Regenmengen des Tiefdruckgebiets "Bernd" trafen dabei nach Angaben der Experten auf durch anhaltende Niederschläge oft vollständig gesättigte Böden, die kein weiteres Wasser mehr aufnehmen konnten. Dies und die Tatsache, dass die extremen Regenfälle ausgerechnet in einer Mittelgebirgsgegend niedergingen, habe zur "Potenzierung der Schadenswirkung" geführt, so der DWD.

Enge Flusstäler in der Region hätten die Wassermassen "kanalisiert". Beim Abzug des Tiefdruckgebiets nach Südosten habe sich dies in Sachsen und Bayern wiederholt, wo es ebenfalls Überschwemmungen gab.

Zugleich wies der DWD darauf hin, dass Deutschland bereits seit Mai von einer ganzen Serie solcher Extremregenfälle heimgesucht wird. Die Saison gehe noch bis September. "Es ist also davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden." Grundsätzlich ließen Klimaprojektionen zudem erwarten, dass die Niederschlagsmengen in Deutschland bei länger andauernden Starkregenereignissen über mehrere Tage weiter ansteigen würden.

"Unglaublich viele" in einer Meldekette

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, räumte Fehler bei der zurückliegenden Flutkatastrophe ein. "Ich kann mich nicht hierhin stellen, wenn ich das Leid der Menschen jeden Tag sehe (...) und so tun, als wenn es optimal gelaufen wäre. Das ist nicht optimal gelaufen", sagte Schuster im ARD-Morgenmagazin.

Aber beim Thema Warnung spielten "unglaublich viele" in einer Meldekette eine Rolle. "Mein Amt hat viel Knowhow und wenig Zuständigkeit. Wir drücken auf den Warnknopf erst im Kriegsfall", betonte Schuster mit Blick darauf, dass der Bund nur für den Bevölkerungsschutz im Verteidigungsfall zuständig ist.

"Ansonsten stellen wir unser System den Ländern und Kommunen zur Verfügung und die benutzen es. Das klappt auch." Die Frage sei jetzt, wie das Warnsystem verbessert werden könne, zum Beispiel mit mehr Sirenen und Warnungen per SMS.

Keine Warnmeldungen über Nina-App in Ahrweiler

Wie das ZDF berichtet, funktionierte die staatliche Katastrophen-Warnapp Nina bei den Unwettern offenbar nicht flächendeckend. Im vom Hochwasser besonders schwer getroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz seien Warnmeldungen über die App ausgeblieben. Über die alternative Anwendung Katwarn seien hingegen Warnungen an die Menschen im Landkreis gegangen. Normalerweise hätten Katwarn-Meldungen auch über Nina ausgespielt werden sollen.

Warum Nina im betroffenen Gebiet nicht funktioniert habe, sei unklar. Ein technisches Versagen im System sei nicht feststellbar, sagte demnach ein Insider dem Portal. Es sei unklar, ob der Landkreis nichts eingespielt habe oder die Behörden die Systeme nicht genutzt hätten. Laut rheinland-pfälzischem Umweltlandesamt würden nur für manche Flüsse Informationen an die App weitergegeben. Die Ahr zähle nicht dazu.

Inzwischen 128 Tote in Rheinland-Pfalz

Die Zahl der Todesopfer, die nach der Flutkatastrophe gefunden wurden, ist weiter gestiegen. Nach Angaben von Ministerpräsidentin Malu Dreyer wurden allein in Rheinland-Pfalz bisher 128 Tote registriert, 155 Menschen würden noch vermisst. In Nordrhein-Westfalen blieb die Zahl der Toten nach Angaben des Innenministeriums bei 47.

Damit kamen bei dem Hochwasser in beiden Bundesländern zusammen mindestens 172 Menschen ums Leben. Im benachbarten Belgien wurden bislang 31 Todesopfer bestätigt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 22. Juli 2021 um 07:14 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 22.07.2021 • 21:35 Uhr

19:56 von Miauzi

mit der Einschätzung dürften sie richtig liegen