Wasser, Schutt und Sperrmüll in einer Straße in Ahrweiler in Rheinland-Pfalz | dpa

Unwetterfolgen im Kreis Ahrweiler "Vielleicht über Monate kein Trinkwasser"

Stand: 19.07.2021 15:59 Uhr

Im von den Unwettern besonders betroffenen Kreis Ahrweiler steigt die Zahl der Todesopfer. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist unklar. Große Sorgen bereitet auch die Trinkwassersituation.

Nach der Unwetterkatastrophe hat sich die Lage in den betroffenen Regionen stabilisiert. Auch im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler in Reinland-Pfalz gehen die Aufräumarbeiten voran. Immer noch werden Menschen vermisst. Nach Polizeiangaben stieg die Zahl der Toten in dem Kreis um sieben auf 117.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz rechnet mit weiteren Todesopfern. Mit dem Ablaufen des Wassers und dem Leerpumpen der Keller würden immer Tote aufgefunden, sagt der SPD-Politiker dem SWR. "Und das werden auch noch mehr werden." Viele hundert Einsatzkräfte durchsuchten nun planmäßig Haus für Haus und Uferbereich für Uferbereich.

Wie viele Menschen vermisst würden, ist laut Polizei noch unklar, weil die Handy- und Telefonnetze noch immer nicht überall funktionierten. Zudem konnten noch nicht alle Meldungen abgeglichen werden.

"Eingestellt auf enorm lange Lage"

Bei einem Besuch in Bad Neuenahr-Ahrweiler verschaffte sich heute auch Bundesinnenminister Horst Seehofer einen Überblick über die Lage. In Begleitung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Lewentz machte er sich einen Eindruck von Hilfseinsätzen wie dem Aufbau mobiler Trinkwasseranlagen durch das Technische Hilfswerk (THW).

Bei der Bewältigung der akuten Katastrophenlage gebe es große Fortschritte, sagte Lewentz. So seien die Helfer gerade dabei, die Wasserversorgung wieder zu organisieren. Der Einsatz vor Ort werde sich aber vermutlich noch Monate ziehen. "Wir sind eingestellt auf eine enorm lange Lage." 

Seehofer: Bund berät am Mittwoch zu Hilfen

Seehofer versprach den Betroffenen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unkomplizierte Hilfe. "Wir legen großen Wert darauf, dass man jetzt nicht nur die entsprechenden Worte findet, sondern dass diesen Worten auch Taten folgen", sagte er. Die Kosten für den Wiederaufbau schätzte er auf mehrere Milliarden Euro. "Das ist eine Ausnahmesituation, die wir auch bei aller Anstrengungen vor Ort nur in einem großen nationalen Kraftakt bewältigen können."

Laut Seehofer befasst sich die Bundesregierung am Mittwoch mit finanziellen Hilfen für die Flutopfer. Dabei gehe es um Hilfen für die Menschen, die nichts mehr hätten, und um den Wiederaufbau, der Milliarden Euro kosten werde. Ein drittes Feld sei die öffentliche Infrastruktur.

"Über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser"

Wie angespannt die Situation beim Trinkwasser ist, hatte zuvor etwa die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, beschrieben. "Es sieht so aus, als ob die Infrastruktur so stark zerstört ist, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben wird", sagt sie im Politik-Talk der "Bild". Es sei daher sehr wichtig, eine Notwasserversorgung gegebenenfalls auch über Monate gewährleisten zu können. Gleiches gelte für eine Notstromversorgung.

Weigand machte auch klar, dass sie die Existenz ihrer Gemeinde gefährdet sieht. Wann es in Altenahr wieder Normalität gebe, sei für sie nicht absehbar. "Es ist klar, dass unsere Gemeinden anschließend anders aussehen werden, weil viele Gebäude, die prägend waren, die dort über 50, 100 oder 150 Jahre gestanden haben, abgerissen werden müssen." Sie hoffe, dass es eine Zukunft für ihre Gemeinde gebe. "Wer zieht da wieder hin, wo ein Jahrhunderthochwasser um den Faktor 3 überstiegen wird? Das ist nicht berechenbar, das ist nicht planbar."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2021 um 12:00 Uhr.