Völlig zerstörte Bahngleise bei Marienthal im Ahrtal in Rheinland-Pfalz. | dpa

Erste Unwetterbilanz der Bahn Schäden an Gleisen und 80 Bahnhöfen

Stand: 18.07.2021 17:31 Uhr

Nach einer ersten Bestandsaufnahme meldet die Deutsche Bahn 80 beschädigte Bahnhöfe in NRW und Rheinland-Pfalz sowie Gleisschäden auf 600 Kilometern. Der Regionalverkehr ist weiter eingeschränkt, der Fernverkehr normalisiert sich.

Die Unwetterkatastrophe in Deutschland hat auch bei der Deutschen Bahn gravierende Schäden hinterlassen, die in den nächsten Tagen Folgen für Reisende haben werden. Nach einem ersten Lagebild gab es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz "massive Beschädigungen" an 80 Stationen und Haltepunkten sowie an Gleisen auf mehr als 600 Kilometern Länge, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auch Weichen, Signaltechnik, Stellwerke, Brücken sowie Fahrzeuge seien durch Wasser, Schlamm und Geröll beschädigt worden.

Nun werde mit Hochdruck daran gearbeitet, alle Schäden zu beseitigen. 2000 Bahnbeschäftigte seien seit Mittwoch in den betroffenen Regionen im Einsatz. Noch immer müsse an vielen Stellen Wasser abfließen und danach Schlamm und Geröll abgetragen werden. Auf der linken Rheinseite fahren zwischen Bonn und Koblenz inzwischen wieder Züge.

Massive Einschränkungen im Regionalverkehr

Der Nahverkehr mit S-Bahnen und Regionalzügen bleibe in NRW und in Teilen von Rheinland-Pfalz "stark beeinträchtigt", hieß es in der Mitteilung, etwa im Ahrtal, der Eifel, im Siegerland und im Bereich rund um Hagen. Aber auch in anderen Landesteilen komme es noch zu Ausfällen, etwa auf S-Bahn-Strecken im Ruhrgebiet.

Auf Pendlerinnen und Pendler kämen zum Wochenstart noch auf "erhebliche Einschränkungen" zu; in NRW fielen 30 Linien ganz oder teilweise aus oder würden umgeleitet. "Aufgrund gesperrter Strecken verkehren zahlreiche S-Bahn- und Regionallinien weiterhin nicht oder nur eingeschränkt." Es gibt Bus-Ersatzverkehr, "sofern in den Krisenregionen die Straßeninfrastruktur noch intakt ist".

Ein bisschen Entspannung im Fernverkehr

Beim Fernverkehr meldete die Bahn indes einige Fortschritte: Der ICE fährt wieder von Köln nach Brüssel, Bonn ist wieder an den Fernverkehr angeschlossen. Auch die Fahrt von Berlin nach Köln und Düsseldorf ist wieder möglich, ebenso vereinzelt zwischen Hamburg und Düsseldorf.

Zum Start in die neue Woche rechnet die Bahn mit "einer weiteren Normalisierung des Fernverkehrs für Ziele in NRW". Reisende müssten sich dennoch auch in den kommenden Tagen auf Verspätungen und Zugausfälle im Nah- und Fernverkehr einstellen.

"Riesenaufgabe, die vor uns steht"

Das gesamte Ausmaß der Infrakturschäden wird nach Einschätzung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erst nach weiteren Räumungsarbeiten zu beurteilen sein. "Wenn an der Ahr von 35 Brücken wohl 20 zerstört sind, dann kann man jetzt schon die Riesenaufgabe, die vor uns steht, erahnen", sagte Scheuer der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier". Auch Prognosen zur Freigabe von Bahnstrecken seien "erst nach ausgiebiger Schadensbegutachtung möglich, die aufgrund der komplizierten Lage vor Ort aber nur langsam voranschreiten".

Allein auf der Rhein-Ahr-Bahn seien sieben Brücken und 27 Kilometer Gleisanlagen durch das Hochwasser zerstört worden. Neue Informationen über die Lage kämen zwar minütlich, "aber eben noch sehr punktuell", so der CSU-Politiker. "Wir sind von Beginn der Katastrophe an am Arbeiten, um bei Straße, Schiene, Wasserstraße und Mobilfunk ein Schadensbild zu haben."

Zu Beginn der Woche solle es nach Angaben des Verkehrsministers Lagebesprechungen in seinem Ministerium geben. "Zuerst müssen Wasser und Schlamm beseitigt sein, ehe wir besichtigen und genau beurteilen können."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Juli 2021 um 18:08 Uhr.