Blister für HIV-Vorbeugung (Prep) | Bildquelle: dpa

Pläne des Gesundheitsministers HIV-Vorsorge auf Kassenkosten

Stand: 20.07.2018 13:38 Uhr

Wenn es nach Gesundheitsminister Spahn geht, soll die HIV-Vorsorge für Risikogruppen künftig auf Kosten der Krankenkassen gehen. Die Zahl der Infektionen könnte damit deutlich gesenkt werden.

Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids soll die sogenannte HIV-Präexpositionsprophylaxe (Prep) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko sollten "einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Präexpositionsprophylaxe erhalten", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dem "Deutschen Ärzteblatt". Ein entsprechender Gesetzentwurf soll bald vorgelegt werden.

Die sogenante Prep sei ein wirksamer HIV-Schutz. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeige, dass die Infektionen dadurch deutlich gesenkt werden könnten. Spahn sagte, Deutschland sei eines der Länder mit den niedrigsten Neuinfektionen in Europa. Ziel sei es aber, die Zahl der Neuansteckungen weiter zu senken.

"Meilenstein für die HIV-Prävention"

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die Kostenübernahme und nannte die Regelung einen "Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland". Bisher müssen Nutzer dieser Prävention die Kosten selber tragen. Die Medikamente schlagen laut Aids-Hilfe mit 50 bis 70 Euro zu Buche, hinzu kämen ärztliche Beratung und die Begleituntersuchungen.

Die Krankenkassen entgegneten, zur Senkung des Infektionsrisikos seien insbesondere Kondome verfügbar, die der Eigenverantwortung für gesundheitsbewusste Lebensführung zuzurechnen seien, wie Verbandssprecher Florian Lanz dem "Ärzteblatt" sagte. Spahn betonte, er wolle auch Aufklärung und Information zu HIV stärken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). | Bildquelle: dpa
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht sich dafür aus, dass die HIV-Vorsorge für Risikogruppen zukünftig von den Krankenkassen übernommen werden soll.

Bei der Prep nehmen Menschen ohne HIV vorbeugend bestimmte antivirale Medikamente ein, um sich bei Sexualkontakten vor einer Ansteckung zu schützen. Spahn warnte allerdings auch: "Nur richtig genommen wirkt es. Falsch gemacht, steigt im Gegenteil eher das Risiko von Resistenzen und Ansteckungen." Dem "Wildwuchs" mit Prep in Deutschland solle ein "strukturiertes Angebot" entgegengesetzt werden.

Prep für rund 10.000 Menschen

Versicherte mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko sollen deswegen Anspruch auf eine ärztliche Beratung, die für die Anwendung der Arzneimittel erforderlichen Untersuchungen sowie die Verordnung und Erstattung der Arzneimittel erhalten. Wer zum Kreis der Anspruchsberechtigten zählt, sollen der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) aushandeln. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass rund 10.000 Menschen Prep in Anspruch nehmen werden.

Laut Arzneimittelkommission der Ärzte ist die Prep sinnvoll insbesondere für Männer, die Sex mit Männern und häufig wechselnden Partnern haben, sowie in Umfeldern, in denen der Schutz durch Kondome für Frauen nicht ohne Weiteres möglich sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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