Thomas Hitzlsperger (2009)

Viel Lob nach Coming-out "Respekt, Thomas Hitzlsperger"

Stand: 08.01.2014 15:56 Uhr

Das Coming-out des ehemaligen Fußballprofis und Ex-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger hat durchweg für ein positives Echo gesorgt.

Regierungssprecher Steffen Seibert wertete es als gut, "dass er über etwas spricht, was ihm wichtig ist, was ihn möglicherweise auch befreit". "Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz", so Seibert. In den vergangenen Jahren habe Deutschland hier schon enorme Fortschritte gemacht. "Wir leben im Großen und Ganzen im Respekt voreinander unabhängig davon, ob der Mitmensch Männer liebt oder Frauen liebt."

Großer und größter Respekt

Der frühere Bundesaußenminister Guido Westerwelle lobte Hitzlspergers Entscheidung. "Dieser Mut verdient größten Respekt", sagte Westerwelle zu "Zeit online". "Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist." Er erhoffe sich davon auch "Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen". Der FDP-Politiker hatte seine Homosexualität bereits vor Jahren bekannt gemacht.

"Ich habe großen Respekt", machte der Grünen-Politiker Volker Beck deutlich, der einer der ersten bekennenden Schwulen im Bundestag war. Im männlichen Profi-Fußball sei Homosexualität leider immer noch ein Tabu. "Ich hoffe, dass Hitzlspergers mutiger Schritt dazu beiträgt, dass dieses Tabu endlich fällt. Es ist jetzt Aufgabe des DFB, aktiven Spielern Mut zu machen!", betonte Beck. Schade sei allerdings, dass das Coming-out erst nach Beendigung von Hitzlspergers aktiver Karriere möglich gewesen sei.

Coming-out in einem "harten Geschäft"

Anerkennende Worte und Lob fanden auch viele im nationalen und internationalen Profifußball. Hitzlsperger hatte vor seinem Interview mit der Zeitung "Die Zeit" offenbar bereits mit DFB-Funktionären über seine Homosexualität gesprochen. Bundestrainer Joachim Löw forderte Respekt für den früheren Nationalspieler. "Thomas hat für sich persönlich entschieden, diesen Schritt zu gehen, und er sollte in einer toleranten Gesellschaft von allen respektiert werden", sagte er.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, sagte Hitzlsperger volle Unterstützung zu: "Er war zu seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen". Nach dem Schritt, seine Homosexualität öffentlich zu machen, stehe der Verband zu seinem Wort, "dass er von uns jede erdenkliche Unterstützung bekommt".

Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, sagte: "Als Thomas noch aktiver Nationalspieler war, hatten wir von seiner Homosexualität keine Kenntnis. Er hat sich erst nach seinem Karriereende an uns gewandt und uns darüber informiert. Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt."

"Bin stolz auf dich"

Noch aktive und ehemalige Fußball-Nationalspieler äußerten sich auch via Twitter. "Mutige und richtige Entscheidung. Respekt, Thomas Hitzlsperger", twitterte etwa Lukas Podolski. Arne Friedrich schrieb dort: "Bin stolz auf dich. Gute Entscheidung und aus meiner Sicht richtiger Zeitpunkt." Podolski sprach von einem "wichtigen Zeichen" und einer "mutigen und richtigen Entscheidung".

LSVD: "Kein Versteckspiel" von jungen schwulen Fußballern

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat das Coming-out Hitzlspergers ebenfalls positiv aufgenommen. "Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen, insbesondere für junge schwule Fußballer, dass sie sich zu ihrer Identität bekennen können und kein Versteckspiel führen müssen", sagte stellvertretend Jörg Steinert, der Geschäftsführer vom LSVD Berlin-Brandenburg der Nachrichtenagentur dpa.

"Kein ernsthaftes Thema in der Kabine"

Thomas Hitzlsperger (2009)
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Hitzlsperger erhofft sich eine Diskussion über Homosexualität im Profisport.

Hitzlsperger sagte der "Zeit", er mache seine Homosexualität öffentlich, weil er die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen wolle. Er habe das Gefühl, dass jetzt, nach dem Ende seiner Karriere, ein guter Moment dafür gekommen sei. Außerdem sei momentan dafür wegen der anstehenden Olympischen Spiele in Sotschi ein guter Zeitpunkt: "Ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle."

Homosexualität werde im Fußball "schlicht ignoriert", sagte er. "In England, Deutschland oder Italien ist Homosexualität kein ernsthaftes Thema, nicht in der Kabine jedenfalls", erklärte Hitzlsperger, der sich 2007 kurz vor der geplanten Hochzeit von seiner langjährigen Freundin getrennt hatte. Er erklärte auch, warum er so lange über sein Schwulsein geschwiegen habe: "Wer ein Gefühl für die Stimmung in einer Mannschaft hat, der weiß einfach, was angesagt ist. Der Gruppenzwang kann enorm sein. Und genauso ist das in der Verwandtschaft."

Zwischen 2004 und 2010 absolvierte der heute 31-Jährige 52 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft. Mit dem VfB Stuttgart wurde er deutscher Meister und spielte in der Bundesliga auch für den VfL Wolfsburg. Anfang September 2013 gab der gebürtige Münchner sein Karriereende bekannt. Zuletzt spielte Hitzlsperger in England beim FC Everton.

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